Gedanken zum Jahreswechsel

von Dekan Richard Distler

Das neue Jahr liegt wieder vor uns wie ein bracher Acker. Ein Acker wartet darauf, bis mit ihm etwas geschieht, er wartet darauf, bestellt, gepflügt, geeggt und eingesät zu werden. Dann aber muß er vorerst wieder ruhen, damit der Same keimen und sproßen kann.

Ähnlich ist es auch mit dem neuen Jahr. Es wartet darauf, bis wir es bestellen auffurchen und einsäen. Wir bestellen das Jahr durch unsere Arbeit, durch unser Planen, Sorgen und Besorgen. Das Auffurchen aber ist oft etwas, was wir nicht immer in der Hand haben. Wir werden aufgefurcht durch Erfahrungen, die wir nicht bestellt haben: Durch Schmerzen, durch Krankheit und Bekümmernisse des Alltag. Gerade das Leid zeichnet oft tiefe Furchen in unsere Herzen, Seelen und Gesichter. Aber - so hart es klingt - ohne Furchen, ohne dass bei uns etwas umgedreht und verändert wird, keine Aussaat und keine Aussicht auf Ernte.

Manchmal möchte auch Gott bei uns etwas umdrehen, auffurchen und verändern. Oft aber bleiben wir die Hartgesottenen und die Zubetonierten, so daß es uns schwerfällt, seine Stimme und seinen Anruf zu hören und sein Ansinnen in uns aufzunehmen. Da kann es auch Zeiten der Stille, des Schweigens und der Ruhe geben. Aber ein alte Sprichwort sagt: "Auch im Winter wächst das Korn".

Um im Bild zu bleiben - ein Acker braucht Düngung, entweder schon vor der Bestellung oder als Düngung und Nahrung mitten im Wachstum. Was gibt uns im neuen Jahr Nahrung ? Gewiß das Essen und Trinken. Aber "der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes hervorgeht", so heißt es bei der Versuchung Jesu in der Wüste. Unsere moderne Versuchung --wohl auch im neuen Jahr -- ist, nur allein vom Brot leben zu wollen, also nur vom Materiellen, vielleicht vom Sport allein, von der Arbeit und der Freizeit.

Aber diese Nahrung sättigt auf die Dauer nicht. Die Sehnsucht des menschlichen Herzens ist größer und weiter, sie ist nahezu unersättlich. Unsere Sehnsucht nach Nahrung richtet sich letztlich auf eine unendliche und umfassende Liebe, letztlich auf Gott. "Denn", so sagt schon der heilige Augustinus, "du hast uns auf dich hin geschaffen und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir, o Gott." Diese Ruhe in Gott ist wie ein fester Wurzelboden, sie gibt uns Halt und Stehvermögen, wenn im neuen Jahr wieder die Stürme des Alltags über den Acker unseres Lebens wehen und uns niederringen möchten. Übrigens auf einem Acker wird Getreide immer in Zeilen und in Gemeinschaft gesät. Die Halme können sich so gegenseitig wie Halt geben wie in einer guten Familie oder Freundschaft.

Eines Tages aber muß es sich ein Acker gefallen lassen, geerntet zu werden. Das Ernten scheint dem Getreide oder anderen Früchten weh zu tun. Halme werden geschnitten und die Ähren schlagen auf eine Walze oder Trommel. Aber nur so lösen und sammeln sich die Körner, nur so trennt sich die Spreu vom Weizen. Ähnlich ist es auch mit unserem Leben: Eines Tages, am Ende unserer Jahre ,Tage und Zeit kommt die Zeit zur Ernte.

Da kommt unser Leben an ein Ende. Das Entscheidende aber ist nicht das Ende, sondern die Frage, ob unser Leben Frucht getragen hat, Früchte der Liebe, der Geduld, der Barmherzigkeit, der Gerechtigkeit, der Freundlichkeit und der Güte, aber auch die Früchte des Gebets und der Gottesliebe. Die heilige Schrift sagt: "Wer reichlich sät, wird reichlich ernten". So lädt uns also das neue Jahr ein, den Acker unseres Lebens wieder mit neuem Mut zu bestellen und reichlich auszusäen. Wer das tut, braucht sich vor der Zukunft und nicht einmal vor dem Tod zu fürchten: Er wird reichlich ernten.
  von Pfarrer Jens Hans

Noch einige Stunden, dann ziehen sie ihre strahlenden Bahnen am Firmament. Rakete um Rakete wird steigen.
Welche Träume werden dann in der Silvesternacht endgültig zerplatzen, welche werden neu geboren?
Erinnern Sie sich noch an ihre Wünsche vom Anfang des Jahres?

Jetzt am Ende eines Jahres blicken wir viel zurück. Manche werden melancholisch an diesem Jahresende, andere machen eine Art Vollbremsung in ihrem Leben, die am Heiligen Abend begonnen hat und bis Silvester andauert, andere feiern dem neuen Jahr entgegen.

Doch mit Knallern und Böllern lassen sich die Dämonen, die Fehler, das Scheitern des letzten Jahres nicht beiseite wischen. Keine Rakete vertreibt die Verfehlungen, die Unachtsamkeiten, die Grausamkeiten, die Menschen immer wieder begehen. Kein Kracher löscht die Trauer über einen Verstorbenen aus. Kein Böller wird den Armen dieser Welt Brot bringen. Raketen werden in den Himmel über Deutschland steigen und zum Glück sind es nur Freudenraketen und keine des Krieges.

Der Lärm der Kracher wird ein Jahr abschließen, das uns mit vielen Fragen zurücklässt: Können wir gemeinsam mit den anderen Menschen auf dieser Welt noch mithelfen, unsere Schöpfung zu bewahren? Wie können wir miteinander umgehen, dass Kinder eine Zukunft in unserer Gesellschaft haben? All das wird uns auch im nächsten Jahr wieder beschäftigen.

Eine Gewissheit und Erkenntnis werden wir wieder bekommen an Silvester: Dass es kein Zurück gibt! Wenn es kein Zurück gibt, muss ich mich auf den Weg nach vorne machen. Das heißt aber auch, dass ich nicht hinter viele Schuld zurück kann, die ich auf mich geladen habe. Ich brauche Vergebung am Ende des Jahres und es ist vielleicht auch Zeit, anderen Dinge zu vergeben. Dann kann ich guten Mutes in ein Neues Jahr starten.

Aber es liegt auch viel Schönes hinter uns. Das biblische Losungswort für das Jahr 2007 hieß in unserer Kirche: "Gott spricht: Siehe, ich will Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?" Schauen wir also alle einmal zurück, ob nicht unerwartetes gewachsen ist, ob Gott uns neue Wege gezeigt hat. Viele haben echte und große Freude erlebt: Die wollen sie hinaus in die Welt bringen. Aber sehen wir zu, dass wir diese Freude wirklich zu anderen Menschen tragen, und sie nicht einfach in den Himmel schießen.

Neues will uns auch erwarten im Neuen Jahr und auch dort sollen wir nicht alleine gehen:
Nur noch ein kleiner Schritt, Gott, zwischen heute und morgen.
Nur noch eine kleine Stufe zwischen dem alten und dem neuen Jahr.
Wir bitten dich, Gott, geh du mit.
30.12.07
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