Nicht alle begeistert


Für fünf Minuten wird es auf der Burgruine Wolfstein duster.
NEUMARKT. Die Entscheidung der Stadt Neumarkt, sich an der Aktion "Licht aus! Für unser Klima" zu beteiligen und der Burgruine Wolfstein für fünf Minuten den Strom abzudrehen, gerät in die Kritik. Die neue Klimaschutzreferentin im Stadtrat war von der einsamen Entscheidung des OB offenbar nicht begeistert.

Ruth Dorner zeigte sich am Mittwoch deutlich verschnupft, daß sie in die Planungen der Stadt nicht einbezogen wurde. Die frischgebackene Klimareferentin des Neumarkter Stadtrates outete sich als Nicht-neumarktonline-Leserin und als spät informiert: Sie habe "erst heute" von der Aktion erfahren, erklärte sie am Mittwoch. neumarktonline hatte seit Montag ausführlich darüber berichtet, die Druckzeitungen zogen in den folgenden Tagen nach.

Kritik an der vermeintlich sinnlosen Aktion kam auch von FLitZ. Fraktionsvorsitzender Hans-Walter Kopp spricht in einer Stellungnahme von einer "Schauveranstaltung".

Wir veröffentlichen die Stellungnahmen von Klimareferentin Ruth Dorner und von Hans-Walter Kopp sowie einen Aufruf der Neumarkter Greenpeace-Gruppe im Wortlaut:

Es werde Licht

Nun will unser nicht mehr ganz so neuer OB Thumann auch ein Zeichen setzen und die Illumination der Ruine Wolfstein für 5 Minuten unterbrechen lassen. Eine Maßnahme, die bei kritischer Betrachtung nur als reine Schauveranstaltung gewertet werden kann. Angefangen von den energiefressenden Glasfassaden der von ihm weiter geplanten Stadthalle, der bayerische Rechnungshof hat aktuell auf die irrsinnigen Baukosten und den noch irrsinnigeren Energieverbrauch dieser Fassaden hingewiesen, über die Festbeleuchtung des Fischer-Museums, bis hin zum neu angeschafften spritfressenden Dienstwagen, der echten Betätigungsfelder gäbe es genug.

Auch die Krause´sche Juragalerie, die von den ewig Gestrigen im Stadtrat gegen den Willen der Bürger so massiv gefördert wird, wird ein energieverbrauchender Moloch werden.

Wollten nicht CSU und UPW samt ihrem OB die Linde am Königsberg fällen und konnten erst durch die von der Freien Liste Zukunft im beabsichtigten Umweltfrevel gestoppt werden? Dabei weiß doch jedes Kind, wie unersetzlich unsere Bäume für das Weltklima sind. Und so bleibt ein schaler Beigeschmack bei dieser oberbürgermeisterlichen Aktion, da ein grundlegendes Umdenken nicht erkennbar und aufgrund des bisherigen Handelns auch nicht zu erwarten ist. Hoffentlich trägt das Wiedereinschalten zur Erleuchtung des Denkens bei.
Deshalb: Fiat Lux!

Hans Walter Kopp
FLitZ-Fraktionsvorsitzender

"Besser Energiesparlampen"

Der Rat für Nachhaltigkeit, der am 27.November in Berlin tagte, an dem Ralf Mützel und ich teilnahm, widmete einen eigenen Workshop diesem Thema. Es wurde heiß diskutiert. Die Bildzeitung, die sich als Schirmherr dieser Aktion ausgibt, will eine eindringliche Mahnung senden, das Klima zu retten. Das Motto: "Licht aus, damit allen ein Licht aufgeht" ist grundsätzlich gut, denn uns allen muss klar sein, dass jeder von uns seinen Beitrag leisten muss, um das Klima zu retten.

Allerdings wissen wir nicht alle seit langem, was zu tun wäre und wie es um unsere Erde bestellt ist? Tut man mit dieser Aktion nicht so, als wenn es ganz etwas Neues für uns ist und wir erst gestern erfahren haben, dass wir das Klima retten müssen?

Ein Teilnehmer des Workshops in Berlin formulierte es so: "Es reicht nicht einmal für ein symbolisches Bekenntnis, die Beleuchtung des Kölner Doms abzuschalten. Ein besseres Zeichen wäre es ihn in Zukunft nur noch mit halb soviel Watt anzustrahlen."

Kooperationspartner dieser Aktion sind unter anderem BUND und Greenpeace, die sich massive Kritik von der Basis anhören mussten. Dominik Seebach vom Öko-Institut äußerte ebenfalls seine Bedenken: "Wenn wirklich alle das Licht abschalten würden, täte dies der Stabilität unserer Netze keinen Gefallen. Und Energie spart man damit auch kaum. Die Kraftwerksbetreiber werden ihre Leistung nicht für fünf Minuten herunterfahren."

Es spricht nichts dagegen sich an dieser Aktion zu beteiligen. Um aber echten Klimaschutz voranzubringen, genügen diese populistischen Aktionen nicht. Es muss ernsthaft daran gearbeitet werden auf allen Gebieten, angefangen von der Art wie wir in Zukunft bauen bis hin zu unserem eigenen Lebensstil.

Klimaschutz zum Mitmachen!

Greenpeace ruft zusammen mit dem BUND, WWF, Bild-Zeitung, Google und PRO 7 weltweit zur Signalsetzung für die UN-Klimakonferenz in Bali auf.
Alle können mitmachen - auch Privathaushalte. Setzen Sie Ihr Zeichen für einen konsequenten Klimaschutz und löschen überall die Lichter und zwar am Samstag, von 20 Uhr bis 20.05 Uhr.
Auch wenn Sie glauben, alleine zu sein, jede(r) Aktive zählt und trägt zum Gelingen bei. Wir richten uns auch an die Politiker auf Bali, endlich für mehr Klimaschutz zu sorgen.
Greenpeace-Gruppe Neumarkt
"5 Minuten Licht! und dann weiter so", nützt wirklich nur der Bildzeitung, aber sicher nicht unserem Klima. Hier machen wir es uns zu einfach. Vielleicht aber dürfen wir dennoch hoffen, dass die Bildzeitung von einem Saulus zum Paulus geworden ist und ihre Macht wirklich und ehrlich nützt, um hier eine Bewegung für die Rettung unserer Erde in Gang zu setzen.

Für Neumarkt hoffe ich, dass durch diese Aktion vielleicht der eine oder andere nicht nur das Licht ausschaltet, sondern herkömmliche Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzt. Dann hätte diese Aktion doch noch etwas fürs Klima gebracht.

Ruth Dorner
Klimaschutzreferentin des Neumarkter Stadtrates
05.12.07
Neumarkt: Nicht alle begeistert
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