Wasser-Entnahme genehmigt


150 Seiten lang ist der Wasser-Bewilligungsbescheid, der
manchen Schweißtropfen gekostet hat. Das "Premieren-Werk"
präsentieren der "Autor", Regierungsoberinspektor Markus Neu-
wald,Regierungsdirektor Manfred Wiesenberg (stehend) und
Landrat Albert Löhner.
Foto: Erich Zwick
NEUMARKT. Das jahrelange Gezerre um Wasser aus dem Hallerbrunnen für die durstigen Neumarkter hat ein (vorläufiges) Ende. Am Montag erteilte das Landratsamt den Stadtwerken der Kreisstadt die Bewilligung, pro Jahr maximal eine Million Kubikmeter Wasser aus dem Brunnen zu entnehmen.

Diese Erlaubnis gilt aber nicht für ewige Zeiten, sondern sie unterliegt Einschränkungen. Die eine Million Kubikmeter dürfen zehn Jahre lang in Anspruch genommen werden; für weitere 20 Jahre muss die Stadt ihren Durst auf 800.000 Kubikmeter zügeln.

Das Splitting des Bedarfs hat den Hintergrund, dass die von den Stadtwerken angenommene Bevölkerungszunahme nicht eintreten wird, sondern eher das Gegenteil der Fall ist. Schon jetzt stagniert die Einwohnerzahl, bzw. ist sogar leicht rückläufig.

Mit dem Versenden des 150 (!) Seiten umfassenden Bescheides, der nach der Pressekonferenz vom Montag zur Post ging, ist ein vorläufiger Schlusspunkt unter eine "Premiere" gesetzt worden. Premiere deshalb, "weil es noch nie der Fall war, dass eine Gemeinde aus dem Gebiet einer anderen Wasser entnimmt", so Landrat Albert Löhner. "Das hat das Verfahren nicht gerade vereinfacht", fügte er leicht ironisch hinzu.

Womit er Recht hatte: einfach war's nicht, aber langwierig. Von den ersten Gedankenspielen bis zur Bewilligung gingen gut und gern zehn Jahre ins Land und viel Wasser die Lauterach runter. In ein konkretes Stadium trat der "Wasser-Deal" im Frühjahr 2002, als die Stadtwerke eine erste Anfrage starteten. Bis zur "Antragskonferenz" am 29. April 2003 verging wieder ein Jahr, in dem aber schon die Emotionen in der Öffentlichkeit hoch gingen.

Nach einem weiteren Jahr, am 30. April 2004, wurde konkret der Antrag gestellt, eine Million Kubikmeter Wasser aus dem Hallerbrunnen entnehmen zu dürfen. Es dauerte aber noch mal ein Jahr - bis Anfang Mai 2005 - bis der Antrag beim Landratsamt einging.

Erst dann kam Bewegung in das Vorhaben: Im Juli/August 2004 wurden die Fachstellen eingeschaltet und die Unterlagen "ausgelegt". An vier Tagen im Oktober und November hatten Bürger, Gemeinden, Bund Naturschutz und der Landkreis Amberg-Sulzbach Gelegenheit, ihre Einwendungen vorzubringen. 45 Bedenken wurden geäußert, die bis zum 11. Februar 2005 ausgewertet wurden.

Der weitere "Instanzenweg" in Kurzform: Eingang der ergänzenden Unterlagen, auch hinsichtlich der Versorgung der Stadt durch die "Miss" (Wassergewinnungsgebiet Hasenheide) am 6. Mai 2005; letzte Stellungnahme der Fachbehörden, außer Wasserwirtschaftsamt, im September 2005; gleichzeitig fordert die Höhere Naturschutzbehörde der Verträglichkeitsprüfung; alle ergänzenden Unterlagen an das Wasserwirtschaftsamt im Frühjahr 2006: Gutachten des amtlichen Sachverständigen beim Wasserwirtschaftsamt geht Ende August 2006 im Landratsamt ein.

Ab September 2006 konnte der 150 Seiten umfassende Bescheid in Angriff genommen werden. Zwischenzeitlich wurde noch der Versuch unternommen, eine einvernehmliche Regelung zwischen den Wasserversorgern Zweckverband Pettenhofener Gruppe und Stadtwerke Neumarkt zu erzielen, was jedoch an der Bockbeinigkeit der Stadt scheiterte.

Für das Landratsamt konnte am Montag das Kapitel vorerst abgehakt werden. Landrat Albert Löhner lobte den zuständigen Sachbearbeiter , Regierungsoberinspektor Markus Neuwald, für dessen "äußerst gründliche und engagierte Arbeit". Was nicht heißt, dass die 150 Seiten die letzten waren; denn den Betroffenen steht noch der Rechtsweg offen. Einer, der ihn als erster "beschreiten" könnte, wäre der Markt Lauterhofen, dessen Marktrat am 8. März tagt und der sich sicherlich mit dem Bescheid befasst.

Andererseits könnten aber auch die Stadtwerke den Spieß herumdrehen und auf "sofortigen Vollzug" der Bewilligung klagen.

Eins ist schon jetzt sicher: Ehe das erste Nass aus dem Hallerbrunnen aus den Neumarkter Wasserhähnen tropft, wird wohl noch einige Zeit vergehen…
Erich Zwick
26.02.07
Neumarkt: Wasser-Entnahme genehmigt
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