Blick in den Winterhimmel

NEUMARKT. Bei klarer Sicht strecken sich am Freitag ab 20.15 Uhr die Teleskope der Sternwarte in den Winterhimmel, um den Besuchern einen faszinierenden Blick in die Tiefen des Alls zu vermitteln.

Täglich machte er mit dem Messer in einen viereckigen Pfahl einen Einschnitt, an jedem siebenten Tage einen doppelt so langen und am ersten jedes Monats eine doppelt so große und breite Einkerbung. Wer kennt nicht die Geschichte des Romanhelden Robinson Crusoe, der auf diese simple Art einen eigenen funktionierenden Kalender führte. Aber auch ohne Einschnitte und Kerben in einen Pfahl hätte Robinson den Lauf der Jahreszeit mit einem Blick auf den Sternenkalender erkennen können.

Zugegeben - der Sternenkalender ist ein recht ungewöhnlicher Kalender, eher eine Jahresuhr. Eine Uhr mit einem Zeiger, der zudem auf einen kreisenden Punkt reduziert ist. Auch unsere Betrachtungsperspektive auf diese Jahresuhr ist ungewöhnlich, denn wir befinden uns selbst auf diesem kreisenden Zeiger und lassen ein riesiges Ziffernblatt, den Sternenhimmel, an uns vorbeiziehen. 365 Tage benötigt die Erde für eine Zeigerumdrehung um die Sonne. In dieser Zeit streicht sie an immer wechselnden Regionen des Sternenziffernblatts vorbei.

Zur Zeit zeigt der Zeiger der Sternenuhr in die Region des Sternbildes Orion. Das Sternbild Orion ist wohl die schillerndste Erscheinung an unserem Nachthimmel. Aber auch als Sagenheld war der riesige und starke Jäger Orion eine der schillerndsten Figuren der griechischen Mythologie. Bei seiner Jagd wurde er von seinen Jagdhunden Sirius und Procyon begleitet.

An unserem Nachthimmel ist der Sternenriese nicht zu übersehen. Ein auffälliger Sternengürtel umfasst seine Hüften worauf sich ein breitschultriger Oberkörper aufbaut. Zwei mächtige Beine stemmen sich in den Nachthimmel und ein geheimnisvoll leuchtendes Schwert hängt von seinem Gürtel herab. Schon mit bloßem Auge erscheint die Sternenregion leicht neblig zu leuchten. Mit der lichtsammelnden und vergrößernden Wirkung der Teleskope dringt der Betrachter in die Region von zahlreichen Sternengeburten vor.

Sterne, besonders junge Sterne sind bei weitem nicht so harmlos, wie es unser verniedlichender Sprachgebrauch vermuten lässt. Diese jungen Sterne strahlen so massiv und energiegeladen, dass sie selbst die umgebenden Gaswolken zum Leuchten anregen - ein Effekt, wie er uns in Miniaturform von Leuchtstoffröhren bekannt ist.

In den Okularen der Sternwarte lassen sich diese ungestümen jungen Sterne und ihre leuchtenden Gaswolken aus einer Entfernung von 1500 Lichtjahren allerdings gefahrlos beobachten. Bei etwa 30facher Vergrößerung strecken sich die leuchtenden Gaswolken fein strukturiert über das halbe Gesichtsfeld.

Wer meint nur dem Glauben zu schenken, was er mit eigenem Auge sieht, sollte beim Anblick von Beteigeuze, dem linken Schulterstern des Orions, etwas ins Grübeln kommen. Beteigeuze hat seine Lebenskräfte verzehrt und ist ein sicherer Todeskandidat. Nach gängiger Meinung der Astronomen wird Beteigeuze in einer gewaltigen Explosion als Supernova enden. Wir nehmen am Nachthimmel nicht die aktuelle Realität wahr, sondern ein Abbild einer vergangenen Realität. In Beteigeuze sehen wir einen Stern, wie er vor 427 Jahren geleuchtet hat - aktuell könnte er bereits als Supernova explodiert sein. 427 Jahre später würde die Supernova unübersehbar über das gesamte Firmament erstrahlen. Rote Riesen, wie Beteigeuze, steigern in diesem Fall ihre Leuchtkraft um das etwa 16.000fache ihrer normalen Leuchtkraft.

Mit einer Leuchtkraft unseres irdischen Halbmondes wäre Beteigeuze an unserem Nacht- und Taghimmel deutlich sichtbar.

Wie in der Sage die Jagdhunde Sirius und Procyon dem Jäger Orion folgen, so folgen diese dem Sternbild Orion aus der östlichen Richtung im Sternbild Großer und Kleiner Hund.

Ein Hase ist kein Held - auch das Sternbild Hase scheint sich vor dem Himmelsjäger ängstlich zu verbergen. Eher unscheinbar kann das Sternbild Hase zu Füßen des Himmelriesen entdeckt werden.
14.12.06
Neumarkt: Blick in den Winterhimmel
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