Wurzeln in der Oberpfalz


Blick in die Jubiläumsausstellung "Gruppe SPUR"
Foto: Andreas Pauly, München

Die "Gruppe SPUR", 1960
Foto: Christel Fischer
NEUMARKT. Wenn architektonische Strömungen in der Oberpfalz heute bereits mit denen der "Grazer Schule" verglichen werden, wird deutlich, dass diese Region inzwischen zu einem der Zentren in Sachen zeitgenössischer Architektur avanciert ist. Auch in anderen kulturellen Bereichen hat sich, nicht nur seit der Bewerbung Regensburgs zur europäischen Kulturhauptstadt, vieles getan.

Zu diesem bunten "Kulturmosaik" steuert Neumarkt, nicht nur mit dem hochkarätigen Programm der Neumarkter Konzertfreunde, sondern auch mit dem 2004 eröffneten Museum Lothar Fischer ein zweites besonders wertvolles Steinchen bei. Hierbei handelt es sich um ein architektonisch vorzüglich gelungenes Haus, das sich dank seiner engagierten Arbeit binnen kürzester Zeit als ernstzunehmendes Kunstforum etabliert hat.

Bis zum 4. März ist hier die eindrucksvolle Retrospektive Gruppe SPUR zu sehen, die einen Höhepunkt in der bisherigen Ausstellungstätigkeit des jungen Museums darstellt.

Anlässlich des 50jährigen Jubiläums der Gründung der Künstlergruppe SPUR (Lothar Fischer, Heimrad Prem, Helmut Sturm, HP Zimmer), zu deren Mitbegründern Lothar Fischer zählt, zeigt das Museum Lothar Fischer eine Jubiläumsausstellung, die in Kooperation mit dem Museum Villa Stuck München und dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Lübeck von der künstlerischen Leiterin des Museums Lothar Fischer, Dr. Pia Dornacher, kuratiert wurde.

Das Schaffen der Künstlergruppe SPUR, die von 1957 bis 1965 bestand, wurde seit den Ausstellungen, die 1986/87 in Regensburg, Mühlheim und in Ulm stattfanden und damals von Dr. Veit Loers, Direktor Städtische Galerie Regensburg, kuratiert wurde, nicht mehr gewürdigt.

Die Mitglieder der SPUR lernten sich bereits als Studenten an der Münchner Kunstakademie 1952 kennen. Neben einem gemeinsamen künstlerischen Ansatz verband drei der vier SPUR-Mitbegründer ihre gemeinsame Herkunft.
Mit Ausnahme von HP Zimmer, der 1936 in Berlin geboren ist, kamen alle Künstler aus der Oberpfalz: Helmut Sturm ist 1932 in Furth im Wald geboren, Heimrad Prem 1934 in Roding und Lothar Fischer, der 1933 in Gemersheim in der Pfalz geboren ist, wuchs ab 1934 in Neumarkt auf.

Die regionalen Wurzeln der Künstler hinterlassen durchaus Spuren in ihrem Werk: Gemeinsam empfinden sie eine große Bewunderung für den Bayerischen Barock, ikonographische Motive aus vertrauten Kirchen, etwa der Kreuzweg aus der Klosterkirche Walderbach, fließen in eigene Bilder ein und zugleich begehrt man gegen die provinzielle Enge der Heimat auf. Ein beredtes Beispiel hierfür ist Heimrad Prems eindrucksvolles Bild mit dem Titel "Roding. Strafgesetz" aus dem Jahr 1959.

Geschenktipp

NEUMARKT. Wer ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk sucht, wird im Museum fündig: Die in München bereits vergriffene Publikation, "Gruppe SPUR", kann im Museum Lothar Fischer noch erworben werden. Dieser informative Katalog wurde inzwischen sogar von der Stiftung Buchkunst in Frankfurt ausgezeichnet.
Neben diesen regionalspezifischen Eindrücken und Prägungen ist es aber in erster Linie die Kunst der europäischen Moderne, die die jungen Künstler interessiert. Insbesondere die Auseinandersetzung mit dem "Blauen Reiter" vor allem mit Wassily Kandinsky, dem Werk Max Beckmanns, dem Malprozess des Informel und die fruchtbare Rezeption außereuropäischer Kunst sind charakteristisch für die SPUR.

An internationalen Kontakten und Anerkennung mangelte es der Gruppe nicht. Der dänische Künstler Asger Jorn (1914-1973) lernte 1958 die jungen Künstler in München kennen. Bald entstanden enge freundschaftliche Beziehungen über den fachlichen Austausch hinaus. Jorn sorgte dafür, dass die SPUR bald internationalen Anschluss, etwa zur Künstlergruppe CoBrA (1948-1951) und zur Situationistischen Internationalen (S.I.) erhielt. Zudem unterstützten mutige Galeristen wie Otto van de Loo oder kunstbegeisterte Förderer, wie Dr. Paolo Conte Marinotti in Mailand, die SPUR.

Auch die Städte Neumarkt und Dietfurt, hier entstand 1962 der Chinesenbrunnen, hatten schon zeitig den noch weitgehend unbekannten Lothar Fischer mit öffentlichen Aufträgen bedacht.
Mit wiederholten Aufträgen an Lothar Fischer (zuletzt der Brunnenanlage "Drei Reiter", 2002), hat die Stadt Neumarkt eine nicht selbstverständliche Stilsicherheit in der Gestaltung ihrer öffentlichen Plätze bewiesen.
Im Zuge des dritten öffentlichen Auftrags, den der junge Lothar Fischer erhielt, entstand 1962 das "Wagenlenkerrelief". Es zählt zu seinen wichtigsten Werken der SPUR-Zeit und ist nun als eines der zentralen Exponate der Ausstellung nur in Neumarkt zu sehen.

Bislang ist das Museum Lothar Fischer das einzige Museum, das einem ehemaligen SPUR-Mitglied gewidmet ist, wenngleich die Künstlergruppe seit 1991 in einem eigenen kleinen Museum in Cham präsentiert ist.

Wie in keiner anderen Ausstellungsstation können im Museum Lothar Fischer, die Arbeiten des Bildhauers aus der SPUR-Zeit eingebunden in seine weitere künstlerische Entwicklung und im Vergleich mit Werken der anderen SPUR-Mitglieder gesehen werden.

Das Museum ist am 26. Dezember von 14 bis 17 Uhr geöffnet; um 15 Uhr findet eine öffentliche Führung statt. Am 24./ 25. Dezember und am 1.1.2007 ist das Museum geschlossen.
10.12.06
Neumarkt: Wurzeln in der Oberpfalz
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