Maikundgebung gut besucht


Die Sitzplätze vor dem Rathaus waren begehrt. Stehplätze waren aber noch zu haben.


Die Redner der Kundgebung: Ortskartellvorsitzender Michael
Meyer, Oberbürgermeister Thomas Thumann, Dekan Richard
Distler, Matthias Jena vom DGB-Bezirk Bayern und Dekan Dr.
Wolfgang Bub (von links).
Fotos: Erich Zwick
NEUMARKT. Entgegen dem bundesweiten Trend war die Maikundgebung des Neumarkter DGB-Ortskartells wesentlich besser besucht als im Vorjahr. Vermutlich war es auch der Arbeitskampf zu Jahresanfang im nahen Nürnberger AEG-Werk, der die Arbeitnehmer näher zusammenrücken ließ. Oder die vielen anderen auf den Nägeln der kleinen Leute brennenden Probleme wie Ein-Euro-Jobs oder Hartz IV.

Dennoch hätten es durchaus noch mehr sein können, die einen solchen Tag als "sozialen Feiertag" begreifen, wie es Oberbürgermeister Thomas Thumann als erster von drei Gastrednern ausdrückte. Die anderen beiden, die Dekane der christlichen Kirchen, Richard Distler und Dr. Wolfgang Bub, ließen es an Solidaritätsbezeigungen nicht mangeln. Gewerkschaften und Kirchen fühlten sich gleichermaßen als Anwälte der arbeitenden Menschen. Als sichtbares Zeichen dafür, dass beide aufeinander zugehen, wertete Dekan Bub die Geste, zum ersten Mal eine Einladung zur DGB-Maikundgebung bekommen zu haben, der er freudig nachgekommen sei.

Als eines der gemeinsamen Ziele hob der Kirchenmann die Anstrengungen hervor, den Sonntag nicht zu einem Werktag verkommen zu lassen. Gerade dieser Tag müsse für den Großteil der Lohnabhängigen arbeitsfrei bleiben und dürfe daher nicht der Profitgier geopfert werden.

Ins gleiche Horn hatte vorher der neugewählte Ortskartellvorsitzende Michael Meyer gestoßen, der eine Vielzahl prominenter Mitstreiter begrüßen konnte; unter ihnen Landtagsabgeordneten a.D. Dieter Appelt, seinen Vorgänger im DGB-Ehrenamt, Uli Wehner, SPD-Kreisvorsitzende Carolin Braun, Stadträtinnen und Stadträte der SPD und CSU, SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Charly Brandenburger und den Hauptredner der Kundgebung, Matthias Jena vom DGB-Bezirk Bayern.


"Deine Würde ist unser Maß". Zu diesem 1.-Mai-Motto sprach
Matthias Jena von der DGB-Bezirksleitung Bayern.
Immer wieder vom Beifall unterbrochen wurde Oberbürgermeister Thomas Thumann, der mit seinem Vortrag mit seinen Zuhörern auf "gleicher Welle" schwomm. Er erinnerte an die Erfolge der Arbeitnehmer-Bewegung, "die wir heute als selbstverständlich ansehen, die aber hart erkämpft und erstritten wurden." So nannte er die Abschaffung von Kinderarbeit, die Einführung von Sozialversicherungen, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, die Fünf-Tage-Woche und vieles mehr.

Der "Tag der Arbeit" sei aber auch ein wichtiger Tag, um das Thema Arbeit in den Mittelpunkt zu stellen - "gerade in Zeiten, in denen Arbeitsplätze immer weniger werden und es bei uns längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist, einen Arbeitsplatz zu haben."

So ging Thomas Thumann wie später der Hauptredner Matthias Jena auf das Motto des diesjährigen 1. Mai "Deine Würde ist unser Maß" ein. Seine Kernsätze: "Zur Menschenwürde gehört es für mich, einen Arbeitsplatz zu haben, der den Einzelnen dazu in die Lage versetzt, sich selbst und seine Familie mit einem sicheren Auskommen zu versorgen. Zugleich gehört dazu ein Sozialsystem, das zum einen finanzierbar ist und das auf der anderen Seite den Einzelnen bei den Risiken des Arbeitsmarktes nicht gänzlich alleine lässt. Dabei will sicherlich niemand eine rundum und vollständige Versorgung für alle Lebenslagen aus staatlicher Hand. Diese ist finanziell schon gar nicht machbar. Sie wäre aber auch gerade aus Gründen der Menschenwürde nicht wünschenswert. Denn: ein Mensch, der vollständig von der sozialen und öffentlichen Wohlfahrt lebt, wäre ein Mensch, der an die Grenze seiner Würde stößt."

Die Probleme könnten nur mit einem finanzierbaren und für die Unwägsamkeiten des Lebens geeigneten sozialen System gelöst werden. Dazu müssten obendrein große Anstrengungen für mehr Arbeitsplätze unternommen und Investitionen im Inland getätigt werden. Die Stadt werde ihren Beitrag dazu leisten und allein in diesem Jahr über 36 Millionen Euro in Investitionen stecken.

"Ich wünsche daher uns allen, dass wir nicht nur einen konjunkturellen Aufschwung erleben, sondern einen, der zu wesentlich mehr Arbeitsplätzen führt. Ich wünsche uns allen weiter, dass unser soziales Sicherungssystem auch in den nächsten Jahrzehnten einen tragfähigen Rahmen für ein würdevolles Leben bieten kann", schloss das Stadtoberhaupt, indem er den DGB und die einzelnen Gewerkschaften als "wichtige Partner und die hörbare Stimme der Arbeitnehmerbewegung" lobte.

Die Maikundgebung wurde von der Blaskapelle aus Deining unterhaltsam umrahmt.
Erich Zwick
01.05.06
Neumarkt: Maikundgebung gut besucht
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