Ostern - was ist das eigentlich ?

von Dekan Richard Distler

Ostern ? Was ist das eigentlich ? Ist es nur Osterschmuck, Osterbräuche, Ostereiersuchen und das war's dann ? Ist dann Ostern abgehakt ? Vielleicht noch Osterurlaub und Fernreise ?

Aber was ist das christliche Ostern ? Genügt da das Osterlamm, die Speisenweihe für Ostereier, Osterschinken und Osterbrot? Das mag ja ganz nett und schmackhaft sein für ein richtiges Osterfrühstück. Aber verstehen wir überhaupt noch das eigentliche Ostern und das, was da geschehen ist ? Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Wir brauchen Ostern zum Leben und Überleben. So wie ein zünftiges Osterfrühstück unseren Leib stärkt, vielleicht nach mehreren Fasttagen, so gibt das wirkliche Ostern uns neue und ungeahnte Lebenskräfte. Aber um welche Lebenskräfte geht es da ?

Das christliche und eigentliche Ostern setzt bei der Auferstehung Christi an. Aber allein schon dieses Wort schmeckt uns nicht. Auferstehung, was soll denn das sein ? Von den Toten ist doch noch keiner zurückgekehrt. Nach dem Tod gibt es doch nur noch Verwesung. Eine tiefe Skepsis bringt der heutige Mensch dem Osterfest und dem christliche Osterereignis entgegen. Auferstehung ist für viele höchstens denkbar als ein Fortleben der Ideen oder der Gene eines Menschen. Vielleicht haben bei Jesus auch nur die Ideen weitergelebt, die dann von seinen Jüngern und Sympathisanten weitererzählt wurden.

Aber genau gegen solche Theorien sprechen sämtliche Ostererzählungen der Bibel. Genauer noch: Dagegen sprechen die mehrfachen Erscheinungen des auferstandenen Christus. Es ist ja geradezu absurd und grotesk. Gerade seinen Jüngern, die absolut nichts von Auferstehung wissen wollten, gerade ihnen schieben moderne Osterkritiker in die Schuhe, sie hätten das Märchen vom auferstandenen Jesus selber erfunden und dann werbewirksam weitererzählt.

Das wirkliche Ostern ist eher umgekehrt: Ausgerechnet die Jünger sind die größten Zweifler, Skeptiker und Unverständigen. Der Auferstandene muß ihnen ausdrücklich nahetreten, er muß sich von ihnen berühren lassen, er muß mit ihnen lange reden und debattieren, er muß ihnen die Schrift erklären, er muß mit ihnen essen und trinken, er muß ihnen seine Wunden zeigen, um irgendwie den Jüngern klar zu machen, dass er nicht tot ist , sondern lebt. Mehr noch: Er muß den Jüngern sogar noch öfter erscheinen und sich durch die Erscheinung vor den Frauen sichtbar machen, damit auch diese noch die Jünger endgültig von der Auferstehung überzeugen. Der massive Widerstand gegen die Auferstehung muß also vom lebendigen Christus selbst gebrochen werden.

Aber ob das uns, die heutigen Menschen überzeugt ? Ob es uns Hartgesottene überzeugt, dass Auferstehung kein schönes Ostermärchen ist, sondern ein geschichtliches Faktum ? "Die Auferstehung Christi macht die christliche Religion einzigartig unter allen Religionen", so schreibt Dr. Gerhard Pfohl in seinem neuesten Buch über die Geschichtlichkeit der Auferstehung Christi. "Ohne Auferstehung ist die Lehre Christi nicht einmal Philosophie. Falls Christus durch Gott nicht von den Toten auferstanden ist, werden wohl auch alle anderen Toten, (also auch wir) nicht auferstehen".

Wenn es also schon um unsere Auferstehung, also um unser Leben und Überleben geht, dann müßte uns doch eigentlich das wirkliche Ostern, das christliche Ostern brennend interessieren. Wer von uns möchte nicht leben und überleben? Leben ist wohl das höchste Gut, das wir haben. Und wenn uns dann auch noch der Glaube sagt: Mensch, du darfst nicht bloß leben, dir blüht auch noch das ewige und unsterbliche Leben, dann müßte eine solche Botschaft doch unser Herz mit großer Freude und Hoffnung erfüllen. Dann müßten ab Ostern wieder die Kirchen brechend voll sein. Dann wäre Ostern so etwas wie der Durchbruch durch die gefürchtete Schallmauer des Todes, dann wäre ja Ostern ein Fest voller Licht und Leben.

Mit Auferstehung ist in der Bibel nicht bloß eine geistige Auferstehung gemeint, sondern auch eine leibliche. Das bedeutet: Alles, was der Mensch mit Leib und Seele, mit Herz und Verstand, mit Liebe und Hingabe, unter Opfern und Einsatz tut, auch all sein Leiden und sich Verschenken: All das ist nicht sinnlos und umsonst. Nichts ist für die Vergänglichkeit und Verweslichkeit bestimmt: Alles wird reserviert für die Auferstehung, alles wird aufgehoben für den Himmel und für die Ewigkeit.

So liegt über dem wahren und christlichen Ostern das strahlende Licht einer ganz großen Hoffnung und die Kraft des auferstandenen Christus. Es ist eine Hoffnung und Kraft, die die ganze Welt, auch unser alltägliches Leben durchwirkt und durchtränkt wie der Sauerteig das Mehl. Es ist eine Hoffnung und eine Kraft, die uns zuversichtlich leben, gelassen sterben und bei Gott endgültig und ewig leben läßt.


(Einen Beitrag des evangelischen Pfarrers Martin Hermann zum Osterfest finden Sie hier)
15.04.06
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