Vor Tür gesetzt

NEUMARKT. Der auch in Neumarkt mit einem Lokalteil erscheinende Mittelbayerische Verlag hat in Regensburg die Mitarbeiter einer Tochterfirma vor die Tür gesetzt.

Seit dem 1. September haben sämtliche elf Beschäftigten der Firma Druckservice Regensburg keine Arbeit und keinen Arbeitgeber mehr, teilte am Dienstag die Gewerkschaft Verdi mit. Völlig überraschend sei die Tochterfirma der Mittelbayerischen Zeitung stillgelegt und die Arbeit an die andere MZ-Tochter M-Logistik übertragen worden, die jetzt im gleichen Gebäude an den gleichen Maschinen die gleiche Arbeit mache – aber mit anderen Beschäftigten.


Ein Rechtsanwalt als Vertreter der Inhaber habe den völlig überraschten Beschäftigten mitgeteilt, der Betrieb würde stillgelegt, sie müssten ab 1. September bis zum Jahresende bezahlt zuhause bleiben. Das Gebäude dürften sie nicht mehr betreten.

Weder der Betriebsrat, dessen Vorsitzender zu dem Zeitpunkt in einer Reha-Maßnahme war, noch die Gewerkschaft Verdi wurden zuvor informiert, hieß es von Verdi.

Gewerkschaftssekretär Pascal Attenkofer rief in einer Pressemitteilung die Verlegerfamilie Esser auf, "ihrer sozialen Verantwortung für die Beschäftigten nachzukommen", die teilweise über 30 Jahre im Betrieb tätig sind. Auf der Mitgliederversammlung entlud sich laut Gewerkschaft die Wut und Fassungslosigkeit der zumeist älteren und langjährigen Beschäftigten über das "unsoziale Verhalten des Verlegers Peter Esser", der zugleich Vizepräsident des deutschen Industrie und Handelskammertages ist.

Nun soll also bei voller Arbeitsauslastung die Rendite auf dem Rücken der ehemals Beschäftigten erhöht werden, so die Vorwürfe der Beschäftigten.

Zuvor waren Verhandlungen über den Abschluss eines Haustarifvertrages für Druckservice Regensburg gescheitert. Der Druckservice war erst vor anderthalb Jahren von dem Mittelbayerischen Druckzentrum abgespalten worden. Auch diese Maßnahme war den Beschäftigten erst einen Tag vorher mitgeteilt worden.

Der Arbeitgeber verkündete sofort nach Scheitern der Haustarifverhandlungen den Eintritt in einen Tarifverband, der zu einer sofortigen Lohnabsenkung um etwa 20 Prozent geführt hätte, hieß es von Verdi. Doch auch diese Absenkung habe der Verlegerfamilie Esser nicht gereicht. Am 17.August wurde verkündet, dass der Betrieb am 31.August geschlossen wird. Dies geschah ohne den Betriebsrat vorher darüber zu informieren, wie es das Betriebsverfassungsgesetz vorschreibt.

Nun sollen die Aufträge mit denselben Maschinen, in denselben Räumlichkeiten von „günstigen“ kurzfristig angelernten Leiharbeitnehmern produziert werden, hieß es von der Gewerkschaft.
08.09.15
Neumarkt: Vor Tür gesetzt
Telefon Redaktion


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