Dass an diesem Donnerstag ein hoher kirchlicher Feiertag ist, das entschwindet dem heutigen Menschen immer mehr. „Da ist doch Vatertag“, so sagen schon die Kinder in der Schule. Nicht dass ich etwas dagegen hätte, dass man neben dem Muttertag auch einen Vatertag feiert. Vielleicht möchte sogar Jesus an Himmelfahrt mit uns so etwas wie einen Vatertag feiern, wenn er an diesem Tag endgültig zu seinem und zu unserem Vater in den Himmel geht? Aber in welchen Himmel geht er?
Natürlich sind auch Christen vertraut mit dem modernen Weltbild. Doch gibt es für sie noch einen anderen Himmel als den der Raketen, Raumstationen, der Fixsterne und der Schwarzen Löcher im Universum. Christen sehen im Himmel nicht einen eiskalten und lebensfeindlichen Weltraum, sondern einen göttlichen Bereich, einen Ort, wo Gott wohnt, einen Ort von Gemeinschaft, Freude, Nähe, Liebe und inniger Beziehung. Selbst große Philosophen und Naturwissenschaftler können dem Himmel des Glaubens etwas abgewinnen. So ein Albert Einstein, wenn er sagt:“Gott würfelt nicht“, dann tut er kund: Man kann in der Materie geistige Gesetze finden, die auf eine höhere Intelligenz und ihre bleibende Welt verweisen. Oder der Philosoph Max Horckheimer hofft, am Ende seines Lebens den „Ganz-Anderen“, also Gott zu finden, der endlich der Gerechtigkeit zum Sieg verhilft. Und der Grieche Platon entdeckt im menschlichen Denken geistige Ideen und Ideale, die auf eine in der Gottheit vollendete Welt verweisen.
Dennoch, wenn Christen vom Himmel reden, dann haben sie dafür einen ausgewiesenen Zeugen und das ist Jesus. Von ihm heißt es bei Johannes:
„Niemand hat Gott je gesehen, doch der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat uns Kunde gebracht“. Jesus also so etwas wie der offene Himmel, Jesus, die große Brücke zwischen Himmel und Erde. Aber warum hat er uns eine solche Brücke gebaut? Warum hat er uns den Himmel geöffnet? War der wohl verschlossen? Ja, er war verschlossen. Durch das radikale Nein des Menschen zu Gott in der Sünde wurde ihm das Paradies versperrt. Da musste Gott selber in Jesus zur Welt kommen, um die Tür zum Himmel wieder zu öffnen. Aber diese selbstlose Tat hat Jesus das Leben gekostet. Gott aber hat den Sohn zu sich geholt, zu sich ins Leben, in die Gemeinschaft, in den Himmel.
Aber was ist dann mit uns? Für uns ist das eine einzige Chance. Seitdem dürfen wir uns an den zum Vater auffahrenden und heimkehrenden Christus dranhängen. Seitdem dürfen wir ihn mit den vielen Sorgen der Erde und den eigenen belasten. Seitdem zieht er uns auch noch im Tod an sich und nimmt uns mit auf dem Weg in den Himmel. Denn wir Christen glauben an einen anziehenden Gott, an einen Gott, dessen größte Sehnsucht es ist, uns bei sich zu haben und in innigster Liebes- und Lebensgemeinschaft mit uns zu leben. Aber haben auch wir danach Sehnsucht? Meinen wir nicht oft, all die schönen Dinge dieser Welt oder ganz bestimmte Menschen könnten unsere Sehnsüchte stillen? Gewiss gibt es viel Erfüllendes und nahezu Himmlisches auf dieser Welt.
Dennoch: Wir erfahren auch Pleiten, Pech und Pannen, Niederlagen, Schuldgefühle, Brutalität, Schmerz, Leid Traurigkeit, Sinnlosigkeit und immer wieder den Tod. Aber was dann, wenn manchmal der Himmel über uns einzustürzen droht? Die Botschaft des oft vergessenen Hochfestes Christi Himmelfahrt lautet:“Mensch, du hast einen Wegbereiter, einen Türöffner und Quartiermacher in der neuen Welt Gottes. Häng dich an ihn und du wirst leben.
Du wirst wie einst die Jünger mit großer Freude erfüllt werden.