"Waldbaufehler" kritisiert


Der Bund Naturschutz hatte zur Waldwanderung geladen
Foto: Alfons Greiner
NEUMARKT. Vielfältige Eindrücke vermittelte die Frühjahrswanderung des Bundes Naturschutz zu einigen ausgewählten Feldahornbäumen im Raum Thann südlich von Deining.

Der Feldahorn wurde vom Bund Naturschutz als Ziel ausgewählt, weil er der Baum des Jahres 2015 ist. Christian Wolf konnte viel Wissenswertes über den Feldahorn berichten und als Förster zeigte er den Teilnehmern viele bemerkenswerte Aspekte des Waldes an den Jurahängen. Er hatte Dr. Werner Robl mitgebracht, der manches zur historischen Entwicklung der Gegend und der Landschaft beitragen konnte.


Am südlichen Ortsausgang von Thann standen die Teilnehmer vor dem ersten stattlichen Exemplar eines Feldahorns. Als Waldbaum spielt er keine bedeutsame Rolle, da er langsam wächst und sich kaum gegen andere Baumarten durchsetzen kann. Er ist deshalb an Waldrändern und auch in Parks zu finden. Der Baum ist recht anspruchslos, denn durch sein verzweigtes Herzwurzelwerk kann er auch auf nährstoffärmeren und flachgründigen Böden wachsen. An Kuppen und Hangkanten gedeiht er bevorzugt als Pionierbaumart.

Sein Holz wird zum Schnitzen und Tischlern sehr geschätzt und findet auch bei Parkettböden Einsatz. Bei schön gemaserten Stämmen kann man hohe Preise erzielen, hieß es.

Da nebenan eine Fichtenaufforstung stand, ging Christian Wolf auch gleich auf die "vielen Waldbaufehler" ein, die er immer wieder beobachtete. Die Fichte sei hier fehl am Platze und die steigende Anzahl an Starkwindereignissen werde den Waldbauern bei dieser Baumart nicht viel Freude bringen. Auch mit der Klimaerwärmung werde die Fichte große Schwierigkeiten bekommen.

Darüber hinaus zeigte er den vielen Zuhörern immer wieder die schönen Aspekte des Frühlingswaldes: weiße und gelbe Buschwindröschen, Lerchensporn, Waldbingelkraut, Aronstab, Leberblümchen, Haselwurz und Lungenkraut waren nur einige Frühlingsblüher, die im Fichtenwald völlig fehlten.

Wolf lobte vor allem auch die Bereiche, die nicht einem in Reih und Glied normierten Stangenwald glichen, sondern der natürlichen Sukzession überlassen waren. Er verwies etwa darauf, dass es der Holunder ist, der den sauren Boden unter einer Fichte nach dem Hieb wieder für viele andere Arten nutzbar macht. Dieses Wissen sei enorm wichtig, komme aber nicht bei allen Waldbesitzern an.

Ein längerer Abschnitt führte über die Feldflur. Früher hätten hier dutzende von Lerchen in der Luft ihr Lied gesungen, sagte Alfons Greiner vom Bund Naturschutz. An diesem Nachmittag war es insgesamt nur eine. Der Rückgang der Wiesenbrüter sei eine große Sorge der Naturschützer, was auch von der bayerischen Staatsregierung bestätigt werde. Ohne eine neue Landwirtschaftspolitik sei dieser Trend jedoch nicht zu stoppen, hieß es.

Am Ende der Wanderung stand noch ein Feldahorn westlich von Neuhaus, der einen Umfang von mehr als drei Metern aufwies und über dessen Geschichte mit den Teilnehmern aus der Umgebung diskutiert wurde.

Für den Herbst wurde eine weitere Wanderung zu ausgewählten Feldahornen angekündigt.
05.05.15
Neumarkt: "Waldbaufehler" kritisiert
Telefon Redaktion


Telefon Redaktion


neumarktonline - die Internet-Tageszeitung. Aktuelle Berichte, Meldungen und News aus Neumarkt in der Oberpfalz im Internet
ISSN 1614-2853
23. Jahrgang
Zur Titelseite neumarktonline
ISSN 1614-2853
23. Jahrgang
neumarktonline - die Internet-Tageszeitung. Aktuelle Berichte, Meldungen und News aus Neumarkt in der Oberpfalz im Internet
ISSN 1614-2853
18. Jahrgang