"Nicht akzeptabel"

NEUMARKT. Die Schwarzachtal-Gemeinden - darunter Berg, Pyrbaum und Postbauer-Heng - kündigen offiziell Widerstand gegen Stromtrassen-Pläne an.

Neun Bürgermeister unterzeichneten jetzt eine Stellungnahme im Rahmen der sogenannten Konsultation zur Gleichstrompassage und lehnten die geplanten Maßnahmen entschieden ab. Außerdem kündigten sie die Unterstützung der Bürgerinitiativen an.

Man glaube nicht an die angeblich erforderlichen Stromtransport von Windkraftstrom nach Bayern", schreiben die Bürgermeister. Vielmehr befürchte man, daß die Interessen der Braunkohleverstromer hinter den Plänen stecken.

neumarktonline veröffentlicht das Schreiben im Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren,

der nunmehr vorliegende 1. Entwurf des Netzentwicklungsplans Strom 2014 beschreibt keine konkreten Trassenverläufe von Übertragungsleitungen, sondern er dokumentiert den angeblich erforderlichen Übertragungsbedarf zwischen den Netzknoten. Das bedeutet, es werden Anfangs- und Endpunkte von zukünftigen Leitungsverbindungen definiert (Lauchstädt und Meitingen Süd-Ost-Passage) sowie konkrete Empfehlungen für den Aus- und Neubau der onshoreseitigen Übertragungsnetze in Deutschland gegeben.

Im NEP 2014 ist wiederum die Maßnahme "P 53" enthalten. Die Bürgermeister der "Zukunftsregion Schwarzachtalplus" in der Metropolregion Nürnberg lehnen beide Maßnahmen entschieden ab und werden zusammen mit der betroffenen Bevölkerung sowie den Bürgerinitiativen entschlossen Widerstand gegen die aus unserer Sicht überflüssigen Planungen leisten.

1. Das angedachte Vorhaben "Korridor D, Bad-Lauchstätt-Meitingen" wird im Wesentlichen mit dem erforderlichen Stromtransport von Windkraftstrom nach Bayern begründet. In Wirklichkeit dürfte es sich hingegen um die Interessenswahrung der Braunkohleverstromer handeln, welche den derzeit relativ preiswerten Strom nach Süddeutschland, mithin auch nach Österreich transportieren wollen.
Im Gegensatz zu interessengeleiteten Auftragsgutachten betrachten renommierte, unabhängigen Wissenschaftler (Prof. Dr. Christian von Hirschhausen, Prof. Dr. Lorenz Jarass) sowohl den "Korridor D" als auch die Maßnahme "P 53" als überflüssig.

2. Die sog. Energiewende mit vordringlich dezentralen Versorgungsstrukturen wäre mit den vorgesehenen gigantischen Leitungstrassen de facto ad absurdum geführt, da durch den Kohlestromtransport der Aufbau dezentraler Energieversorgungsstrukturen überflüssig würde.
Die neuen Stromtrassen wären keinesfalls Teil der sog. Energiewende, sondern würden sie konterkarieren.

3. Die Bundesnetzagentur hat den Betreibern der neuen Stromtrassen eine Kapitalrendite von mehr 9 % p.a. garantiert. Daher inszenieren die Netzbetreiber mit den hinter ihnen stehenden Interessen der Finanzwirtschaft neue Stromtrassen als bedarfsnotwendig.
Diese Bedarfsnotwendigkeit ergibt sich jedoch nicht aus den Erfordernissen einer klimagerechten, zukunftsfähigen Energiewirtschaft. Weder Atomstrom noch Kohlestrom sind in diesem Sinne zukunftsfähig bzw. verantwortbar.

4. Die vorgenannten Maßnahmen betreffen nahezu alle Städte, Märkte und Gemeinden in der "Zukunftsregion Schwarzachtalplus" mit 80.000 Bürgerinnen und Bürger. Die Kommunen bemühen sich um neue Wertschöpfungsketten durch konzeptionelle Weiterentwicklung des Tourismus – insbesondere der Naherholung im Großraum Nürnberg.
Durch die Maßnahmen "Korridor D" und "P 53" würden diese mühsamen Entwicklungsmaßnahmen völlig zunichte gemacht.

5. Die uns bekannten angedachten bzw. bereits vorhandenen Leitungen führen durch Wohnbebauung oder werden teilweise in unmittelbarer Nähe der Wohnbebauung vorbeigeführt mit Mastenhöhen von rund 70 Metern.
Bereits jetzt sind durch die in Rede stehenden Netzplanungen massive Wertverluste der an der Trasse liegenden Immobilien eingetreten – ohne dass materiell etwas geschehen ist.
Sofern die Leitungsbaumaßnahmen konkret geplant oder gar umgesetzt würden, wären die Werteverluste der betroffenen Immobilieneigentümer immens. Dies kann und wird nicht akzeptiert werden!

6. Die Kommunen in der "Zukunftsregion Schwarzachtalplus" werden bei weiteren Planungen bzw. Realisierung der Stromtrassen in unserer Planungs-, Gestaltungs- und damit der Zukunftsfähigkeit massiv beeinträchtigt.
Auch diese Beeinträchtigung der Entwicklungsfähigkeit unserer Region werden wir nicht hinnehmen.

Aus vorgenannten Gründen fordern wir, die Maßnahmen "Korridor D" und "P 53" über den 1. Entwurf des Netzentwicklungsplans 2014 nicht weiter zu verfolgen.


1. Bürgermeister Erich Odörfer, Stadt Altdorf
Sprecher der "Zukunftsregion Schwarzachtalplus"

1. Bürgermeister Helmut Himmler, Gemeinde Berg b. Neumarkt i.d.OPf.
stellvertretender Sprecher der "Zukunfsregion Schwarzachtalplus"

1. Bürgermeister Heinz Meyer, Gemeinde Burgthann

1. Bürgermeister Konrad Rupprecht, Markt Feucht

1. Bürgermeister Joachim Lang, Gemeinde Leinburg

1. Bürgermeister Horst Kratzer, Markt Postbauer-Heng

1. Bürgermeister Guido Belzl, Markt Pyrbaum

1. Bürgermeister Bernd Ernstberger, Gemeinde Schwarzenbruck

1. Bürgermeister Michael Schmidt, Gemeinde Winkelhaid

26.05.14
Neumarkt: "Nicht akzeptabel"
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