Mehr Resistenzen
NEUMARKT. Mehr als vier von zehn Kindern erhielten im Landkreis Neumarkt ein Antibiotika-Rezept - deutlich mehr als der Durchschnitt.
Antibiotika sind die weltweit am häufigsten verschriebene Medikamentengruppe. Doch sie drohen, ihre Wirksamkeit zu verlieren.
Das Robert Koch-Institut warnt vor einer steigenden Resistenz-Rate in Deutschland: Bakterielle Infektionserkrankungen, die bis dato als unkompliziert galten, nehmen wieder zu - und Antibiotika helfen nicht mehr.
Für Ärzte und Mediziner ist das Thema ernst: "Am 18. November 2013 fand zum sechsten Mal der Europäische Antibiotikatag statt. Er soll auf diese Problematik aufmerksam machen und über die umsichtige Anwendung von Antibiotika informieren", so Josef S. Mirbeth von der IKK. Denn durch einen zu hohen Konsum von Antibiotika oder Fehler bei der Einnahme werden immer mehr Keime unempfindlich gegen bestimmte Antibiotikatypen.
"Zwar werden in Bayern im Vergleich zum gesamtdeutschen Raum sehr wenig Antibiotika verordnet, allerdings gibt es regionale Unterschiede", so Mirbeth weiter. Laut einer Datenerhebung des "Faktencheck Gesundheit" der Bertelsmann-Stiftung gilt das insbesondere für Antibiotika-Rezepte bei Kindern bis 17 Jahren.
Bekamen im Landkreis Amberg-Sulzbach im Jahr 2010 nur 34,6 Prozent der Kinder und Jugendlichen ein solches Medikament gegen bakterielle Infektionen verschrieben, waren es im Landkreis Regensburg 35,2 Prozent. Deutlich über dem bayerischen Schnitt von 36,7 Prozent lag dabei der Landkreis Neumarkt mit 41,6 Prozent. Mehr als vier von zehn Kindern erhielten hier demnach ein Antibiotika-Rezept. Auch die benachbarten Kreise Nürnberger Land und Schwandorf überstiegen mit 40,1 Prozent und 38,6 Prozent die durchschnittliche Verordnungsrate im Freistaat.
"Da die Antibiotikaresistenzen weiterhin auf dem Vormarsch sind, ist es wichtig, dass alle Beteiligten - vor allem auch die Patienten - für dieses Thema sensibilisiert werden", betont Mirbeth. Bis zu 90 Prozent aller Atemwegserkrankungen seien auf Viren zurückzuführen, hier sei eine Behandlung mit Antibiotika nicht sinnvoll. Denn Antibiotika wirken nur bei Infektionskrankheiten, die durch Bakterien verursacht werden.
"Wir raten den Menschen, bei der Einnahme von Antibiotika besonders auf die vom Arzt verschriebene Dosierung und Einnahmehinweise zu achten. Auch wenn man sich wieder besser fühlt, sollte das Antibiotikum so lange eingenommen werden, wie es verordnet wurde", rät Mirbeth. Dadurch könne erheblich dazu beigetragen werden, die Bildung von Resistenzen zu vermeiden.
02.12.13
Neumarkt: Mehr Resistenzen