"Reform, nicht Spaltung"

Von Dekan Dr. Norbert Dennerlein

Am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal der Tag, an dem der Mönch des Ordens der Augustinereremiten in Erfurt und Professor an der Universität Wittenberg, Dr. Martin Luther, mit dem "Anschlag" von 95 Thesen zur akademischen Auseinandersetzung mit ihn bewegenden zentralen Fragen des christlichen Glaubens aufgefordert hatte.

Was dieser Thesenanschlag im konkreten Fall auslösen würde, hatte Martin Luther mit absoluter Sicherheit niemals erwartet. Denn ein Thesenanschlag als Aufforderung zur akademischen Diskussion war ein an der Universität vollkommen übliches Verfahren. Ein Verfahren, das lediglich im Bereich der jeweiligen Universität Beachtung gefunden hatte.

Luther liebte seine Kirche. Darum wollte er eine Beseitigung der Missstände in der damaligen Kirche. Diese Missstände waren nach übereinstimmender Auffassung heutiger römisch-katholischer Theologen und Historiker bedauerlicherweise vorhanden. Luther wollte eine Reform der Kirche, keine Spaltung. Die historischen Gegebenheiten und die Interessen der Verantwortlichen haben die Intention Luthers in eine andere Richtung geleitet. Der 31. Oktober 1517 wurde zum Ausgangspunkt der Reformation der Kirche, mit Konsequenzen bis hinein in unsere Gegenwart - ein halbes Jahrtausend danach.

Und mit Sicherheit auch noch für die Zukunft! Dies hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) zum Anlass genommen und die "Lutherdekade" gestartet: Ab dem Jahr 2008 wurde jedes der zehn Jahre bis zum Jahr 2017 unter ein bestimmtes Jahresthema gestellt. Durch die intensive Beschäftigung mit dem jeweiligen Jahresthema soll bewusst werden, was Reformation für uns Menschen in der Gegenwart bedeutet. Gleichzeitig soll ein Augenmerk darauf gerichtet werden, welche Impulse daraus für die Ökumene erwachsen können. Deshalb ist es das Ziel, das intensive Gespräch mit unseren ökumenischen Partnern zu suchen. Diese Jahresthemen können so zu Brücken der Begegnung werden!

Für 2012 wurde als Jahresthema "Reformation und Musik" gewählt. Martin Luther hat der Musik unmittelbar nach der Theologie zentrale Bedeutung beigemessen. Für ihn ist Musik Ausdruck der Verkündigung. Von Luther stammen die Aussagen: "Die Musik ist eine Gabe Gottes, nicht ein Menschengeschenk…Nichts auf Erden ist kräftiger, die Traurigen fröhlich, die Fröhlichen traurig, die Verzagten herzhaft zu machen, denn die Musik." Wen wundert es, dass Martin Luther der Musik einen so hohen Stellenwert in seinem Schaffen eingeräumt hat!? Ihm verdanken wir eine große Anzahl von Liedern, von denen längst einige auch im römisch-katholischen Gesangbuch "Gotteslob" zu finden sind.

Aus Anlass des Themenjahres "Reformation und Musik" hat es auch in unserem Dekanatsbezirk im Jahr 2012 eine Reihe von entsprechenden Veranstaltungen gegeben. Die Lieder Martin Luthers, aber auch die Musik Johann Sebastian Bachs bieten Brücken der Begegnung mit unseren katholischen Geschwistern. Wer sich mit Johann Sebastian Bach und seinen faszinierenden Werken beschäftigt, wird schnell merken, dass wir bei ihm "lutherische Theologie in Reinstform" finden! Bach hat das Anliegen Martin Luthers und der Reformation in seinen Werken auf beeindruckende Weise verarbeitet.

Einer der musikalischen Höhepunkte des Themenjahres 2012 wird am Reformationstag, Mittwoch, 31. Oktober 2012, um 19 Uhr ein zentraler Dekanatsgottesdienst in der Neumarkter Christuskirche sein, in dem die Kantate "Ein feste Burg ist unser Gott" von Johann Sebastian Bach aufgeführt wird. Diese Kantate für Chor, Solisten und Orchester hat Bach eigens für diesen Feiertag komponiert.

Mitwirkende sind neben der Evangelischen Kantorei und Gästen aus dem Dekanat, die Solisten Eva-Maria Betz (Sopran), Renate Kasschmieder (Alt), Victor Schiering (Tenor) und Christian Huber (Bass) sowie Instrumentalisten mit Pauken und Trompeten. Die musikalische Leitung hat Dekanatskantorin Beatrice Höhn. Mein Stellvertreter als Dekan, Pfarrer Peter Loos, wird die Predigt halten und ich für die Leitung des Gottesdienstes zuständig sein.

Zu diesem Festgottesdienst sind alle Gemeindeglieder aus dem gesamten Dekanatsbezirk und darüber hinaus, aber auch alle Interessierten an der Ökumene und darüber hinaus, herzlich eingeladen!
30.10.12
Neumarkt: "Reform, nicht Spaltung"
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