Optimistisch in die Zukunft


Die Bauwirtschaft bleibt in der Erfolgsspur
NEUMARKT. Die Ergebnisse der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage für Herbst 2012 sind ausgewertet. "Dienstleister profitieren von der guten Lage im Industriesektor" kommentiert Josef Beimler, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer, einen Konjunkturtrend und ergänzt: "Architektur- und Ingenieurbüros sowie Beratungsleistungen sind ganz eindeutig die Konjunkturgewinner." Für die nächsten Monate sprechen IHK-Experten eher von einem Wachstumsstopp als von einer Rezession.

Besonders zufrieden zeigen sich – laut Konjunkturbericht – das Baugewerbe und der Dienstleistungssektor. Erstmals in der Geschichte der IHK-Konjunkturumfragen kreuzte keines der befragten Bauunternehmen die Antwort "Geschäftslage schlecht" an. Die meisten Unternehmen erwarten sich jedoch von den nächsten Monaten eine weniger gute Entwicklung. Das gilt auch für die Exporte, die gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent zugelegt haben. Aktuell liegen sie über den Werten Bayerns und Deutschlands. Für 2013 rechnen die meisten mit eingetrübten Exportaussichten.

Hohe Rohstoff- und Energiepreise machen vielen Branchen zu schaffen. Beim Tourismus erweisen sich die steigenden Kosten für Strom und Heizung als regelrechter Ertragsfresser. Umso mehr leidet das Verarbeitende Gewerbe unter den steigenden Preisen.

Vor allem wegen der Energie- und Rohstoffpreise zweifelt niemand mehr an steigenden Kosten. 40 Prozent wollen darauf mit steigenden Preisen reagieren. Auf der anderen Seite ziehen hohe Tarifabschlüsse und die nach wie vor niedrige Arbeitslosenzahl im IHK-Bezirk eine positive Verbraucherstimmung nach sich. 78 Prozent der Unternehmen rechnen mit einem stabilen inländischen Auftragsvolumen. Nur 22 Prozent gehen von sinkenden Aufträgen aus. Finanzierungsprobleme sieht das Gros der ostbayerischen Betriebe nicht. Rettungsschirm, niedriger Leitzins und die EZB-Politik haben die Lage auf den Finanzmärkten beruhigt.

36 Prozent der Unternehmen des Produzierenden Gewerbes arbeiten aktuell unter voller Auslastung. Am besten beurteilt die Investitionsgüterindustrie die Lage. Die Hersteller von Anlagen und Produktionsmaschinen machen gute Geschäfte, stellen sich aber auf eine sinkende Auftragslage im nächsten Jahr ein. Vermutlich mit etwas Verspätung zur allgemeinen konjunkturellen Entwicklung. Denn, die Investitionsgüterindustrie erhält ihre Aufträge dann, wenn andere produzierende Unternehmen ihre Gewinne in den Bau neuer Anlagen investieren.

Bauwirtschaft

Die Bauwirtschaft in der Region bleibt in der Erfolgsspur. Die Beurteilung der Geschäftslage ist auf einem historischen Höchstwert. Erstmalig kreuzte keines der befragten Unternehmen die Antwort "Geschäftslage schlecht" an. Die öffentlichen Haushalte erholen sich dank hoher Gewerbesteuereinnahmen und haben mehr Spielräume für Bauaufträge. Öffentlicher Bau und Wirtschaftsbau wachsen, während der Wohnungsbau stagniert. Trotz der positiven Zahlen melden 24 Prozent eine Verschlechterung der Ertragslage.

Unterschiedlich werden sich in den nächsten Monaten Hoch- und Tiefbau entwickeln: Der Hochbau sieht bei öffentlichen Projekten und Geschäftsbauten noch Potential, während der Tiefbau mit rückläufigen Ausschreibungen kämpft. Der Bau rechnet aufgrund der ausgelasteten Kapazitäten und der startenden Wintersaison nicht mit weiteren Steigerungen. 30 Prozent erwarten eine schlechtere Geschäftslage, jedoch wollen 87 Prozent investieren.

Dienstleistungen für Unternehmen

Der Dienstleistungssektor profitiert weiterhin von der guten Lage in der Industrie. Dort bewerten erneut 54 Prozent der Umfrageteilnehmer ihre Geschäftslage als gut. Unterdurchschnittliche Rückmeldungen kommen aus der Finanz- und Versicherungswirtschaft. Architektur- und Ingenieurbüros sowie Beratungsleistungen sind die Konjunkturgewinner. Insbesondere im Energiesektor steigt das Auftragsvolumen, aber auch der Wettbewerbsdruck.

Die Beurteilung der Ertragslage ist bereits zum zweiten Mal rückläufig. Erstmalig seit Frühjahr 2010 halten sich die "besser"- und "schlechter"-Meldungen zum Inlandsumsatz mit jeweils 25 Prozent wieder die Waage. Das Geschäftsvolumen im Ausland veränderte sich nicht. Die Aussichten sind gut. Fast ein Drittel der Dienstleister stellt sich auf eine Auftragszunahme ein. Bei 25 Prozent der Unternehmen werden die Beschäftigtenzahlen, aber auch die Honorare ansteigen. Die Investitionsabsichten sind rückläufig.

Handel

Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage liegt nach einem geringen Rückgang auf dem Niveau von Anfang 2012. Auch wenn sich die hohen Umsatzerwartungen aus dem Frühjahr nicht vollständig erfüllten, melden 38 Prozent der Handelsunternehmen eine gute Geschäftslage. Die konstanten Beschäftigungszahlen weisen auf eine stabile Situation hin. Wenig Dynamik kommt aus dem Kfz-Handel, wo 63 Prozent der Autohäuser stagnierende Umsätze verbuchen. Der Großhandel gibt an, insbesondere durch die hohen Transport- und Frachtkosten im internationalen Wettbewerb Nachteile zu haben.

Gleichzeitig sind die Absatzmärkte Italien, Spanien und Frankreich eingebrochen. Hinsichtlich der kommenden Monate geben sich die Handelsunternehmen trotz bevorstehendem Weihnachtsgeschäft pessimistischer als noch im Frühjahr. Knapp ein Fünftel erwartet eine Verschlechterung der Lage. Die aktuellen Lagerbestände weisen jedoch noch nicht auf Absatzschwierigkeiten hin, 78 Prozent halten einen saisonüblichen Warenbestand vor.

Industrie

In der Industrie arbeiten nach wie vor 36 Prozent der Unternehmen unter Vollauslastung. Die beste Lagebeurteilung gibt die Investitionsgüterindustrie (zum Beispiel Herstellung von Produktionsmaschinen) ab. Die amtlichen Statistiken bestätigen mit sieben Prozent Umsatzwachstum in den ersten sieben Monaten des Jahres die gute Geschäftslage in der Branche. Insgesamt haben die konjunkturellen Impulse nachgelassen, wie auch die Frühindikatoren verdeutlichen.

Beim abgefragten Auftragsbestand überwiegen erstmals seit Frühjahr 2010 die Angaben über ein zu geringes Auftragspolster. Der Bestand an Fertigwaren ist um acht Prozentpunkte angestiegen. Bei den Investitionsgüterproduzenten stellen sich 38 Prozent auf einen starken Rückgang der Aufträge ein. Im Vergleich zum Jahresbeginn wird der Risikofaktor "Inlandsnachfrage" häufiger genannt. Gegen den Trend haben die Ge- und Verbrauchsgüterproduzenten positive Geschäftserwartungen für die nächsten zwölf Monate. Der Personalbestand in der Industrie soll vorläufig nicht weiter aufgestockt werden.

Tourismusgewerbe

Das Stimmungsbarometer im Tourismusgewerbe steht weiterhin auf grün. 41 Prozent der Befragten berichten über eine gute Geschäftslage in den letzten Monaten. Die Gästestrukturen veränderten sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Während die Umsätze mit Urlaubsreisenden stiegen, waren die Geschäftsreisen rückläufig. Gleichzeitig geht die Branche davon aus, dass sich dieser Trend auch in den Umsätzen der nächsten Monate widerspiegeln wird. Mit einer Zimmerauslastung von 54 Prozent liegen die Hotels und Gaststätten auf einem etwas höheren Niveau als in 2011. Das Reisegewerbe hat bereits Buchungen für das erste Halbjahr 2013, derzeit sind keine Veränderungen beim Buchungsverhalten der Urlauber zu spüren. Während die Pauschalreisen teurer werden, sinken beispielsweise die Preise für Kreuzfahrten.

Ertragsfresser für die Branche sind die hohen Energiepreise, daher werden diese auch von 73 Prozent der Tourismusbetriebe als das größte wirtschaftliche Risiko gewertet. Insgesamt sind die Geschäftserwartungen vor der Wintersaison gut.
18.10.12
Neumarkt: Optimistisch in die Zukunft
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