Marihuana in der Innenstadt

Eine Indoor-Plantage mitten der der Neumarkter Innenstadt.
Fotos: Zollfahndungsamt München/GER Nordbayern

Fein säuberlich waren die Topf-Planzen aufgereiht.

Über 50 Einsatzkräfte waren bei der Durchsuchungsaktion in
Neumarkt eingesetzt.

410 Cannabispflanzen wurden sichergestellt.
NEUMARKT. Bei der Jubiläums-Feier "20 Jahre Gemeinsame Ermittlungsgruppen Rauschgift in Bayern" stand auch Neumarkt im Mittelpunkt.Bei der Aufzählung der größten Erfolge wurde an die spektakuläre "Schließung" einer Indoor-Plantage in der Neumarkter Innenstadt erinnert.
Nach umfangreichen Ermittlungen aufgrund von Hinweisen der Generalzolldirektion der Tschechischen Republik stellten die Rauschgiftfahnder von Polizei und Zoll im Jahr 2010 in Nürnberg und in der Folgezeit in Neunkirchen am Sand und in Neumarkt Cannabis-Indoorplantagen mit teils bis zu 1000 Pflanzen sicher. Die Betreiber waren vietnamesische Staatsangehörige.
neumarktonline brachte damals den Coup an die Öffentlichkeit
Zur selben Zeit führte die Polizei der Niederlande ein Ermittlungsverfahren gegen Firmen, die im großen Stil mit Zubehör für Cannabis-Indoor-Großplantagen handelten.
Der damalige Erfolg in Neumarkt wurde bei der Feierstunde zusammen mit anderen Beispielen genannt, in denen oft zentnerweise Heroin sichergestellt wurde: So 300 Kilo Heroin in einem mit Haselnüssen beladenen Lkw im Dezember 1993 oder 150 Kilo Heroin in einem Kühl-Auflieger eines Lastwagens in Regensburg.
Der Präsident des Zollkriminalamtes Köln, Norbert Drude und der Leiter der Ermittlungsabteilung im Bayerischen Landeskriminalamt, Leitender Kriminaldirektor Gerald Busch, würdigten im Rahmen einer kleinen Feierstunde in Nürnberg die ausgezeichnete und langjährige Zusammenarbeit beider Behörden in den zwei gemeinsamen Ermittlungsgruppen von Zoll und bayerischer Polizei. Vor Gästen aus dem In- und Ausland blickten beide Behördenvertreter in ihren Ansprachen auf 20 Jahre gemeinsame Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität in Bayern zurück.
Im Oktober 2012 jährt sich die Gründung der Gemeinsamen Ermittlungsgruppen (GER) in Bayern bereits zum zwanzigsten Mal. Anlass genug für einen Blick zurück auf viele Jahre einer engen, vertrauensvollen und erfolgreichen Zusammenarbeit von Polizei und Zoll bei der Bekämpfung von Rauschgiftdelikten in Bayern.
Vor der Gründung der GER führten das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) und die Zollfahndungsämter in Bayern nebeneinander Ermittlungen zur Bekämpfung der organisierten Rauschgiftkriminalität. Dies führte zu Informationsdefiziten auf beiden Seiten und teils auch zu überlagernden Fallbearbeitungen. Deshalb wurde 1991 eine Arbeitsgruppe von Fachleuten des LKA, der Oberfinanzdirektionen und Zollfahndungsämter München und Nürnberg einberufen, um Wege für die gemeinsame Rauschgiftbekämpfung von Polizei und Zoll zu finden.
Im Ergebnis wurden in Bayern im Oktober 1992 zwei Gemeinsame Ermittlungsgruppen Rauschgift gegründet und Regeln für deren Aufgabenerfüllung in Bayern festgelegt. Neben der paritätischen Besetzung sowohl bei der GER Südbayern in München wie auch bei der GER Nordbayern in Nürnberg mit je 15 Beamten von Polizei und Zoll, wurde auch die paritätische Leitung durch je einen Leiter Polizei und einen Leiter Zoll festgelegt. Diese bis dahin im Bundesgebiet einmalige Regelung führte zu einer Doppelspitze, in deren Verantwortung es liegt, gemeinsam die Geschicke der GER zu regeln. Dass dies gelang, zeigen die herausragenden gemeinsamen Erfolge, hieß es bei der Feierstunde.
Im Zeitraum 2002 bis 2011 wurden von den Fahndungskräften des Zolls und der Polizei in Bayern mehr als drei Tonnen Cannabisprodukte, eine Tonne Heroin, 850 Kilogramm Kokain, 980.000 Tabletten Ecstasy und 100 Kilogramm Amphetamin sichergestellt.
Während die GER Südbayern für die Regierungsbezirke Ober- und Niederbayern sowie Schwaben zuständig ist, übernimmt die GER Nordbayern Fälle aus Unter-, Mittel- und Oberfranken sowie der Oberpfalz.
Ausgangspunkt für die Ermittlungen der GER sind oftmals Hinweise aus der Szene oder von Dienststellen im In- und Ausland. Auch Rauschgiftaufgriffe der bayerischen Schleierfahnder und der "Kontrolleinheiten Verkehrswege" des Zolls werden durch die GER weiter bearbeitet. Dabei gilt es, nicht nur die Kuriere zu verfolgen, sondern möglichst auch die Hinterleute zu ermitteln, was in der Vergangenheit vielfach erfolgreich gelang.
12.10.12
Neumarkt: Marihuana in der Innenstadt