„Mit Vernunft und Hirn “
Was war das für eine schöne Zeit in den 70er und 80er Jahren, als man mit seinem Auto im Winter auf plattgefahrenen Schneepisten, zu denen unsere Straßen geworden sind, gefahren ist. Man ist halt nur 60 oder 70 km/h gefahren, ist manchmal leicht gedriftet, aber es hat Spaß gemacht. Schnee und Eis waren noch kein Erzfeind, den es mit allen Mitteln zu bekämpfen galt.
Und jetzt? Im ganzen Monat Dezember kein Niederschlag – aber im ganzen Monat Dezember Salz auf den Straßen. „Präventives Streuen“ nennt sich das neuerdings. Was für eine sinnvolle Art der „Bekämpfung“ von Schnee und Eis, wenn diese noch wochenlang auf sich warten lassen! In den skandinavischen Ländern, wo man im Gegensatz zu uns Erfahrung mit wirklich winterlichen Verhältnissen hat und wo dennoch kaum gestreut wird, kann man darüber wohl nur den Kopf schütteln.
Ständig nasse Straßen, während beispielsweise die Flurbereinigungs-Straßen, auf denen nicht gestreut wird, angenehm trocken sind und zum Spazierengehen einladen. Ständig salz-verdreckte Autos, unter denen vor allem die älteren, schon etwas angerosteten jetzt erst recht verrosten. Und das alles bei wohlgemerkt null Niederschlag, keiner einzigen Schneeflocke über Wochen hinweg! Es wäre kein einziges Gramm Salz nötig gewesen, anstatt es tonnenweise auszukippen. Was für eine Verschwendung und organisierte Umweltverschmutzung.
Was für eine Heuchelei, wenn immer behauptet wird, Streusalz nur in Fällen einzusetzen, in denen es unbedingt nötig ist. Schließlich schädige das Salz ja auch unsere Umwelt, vor allem die Wurzeln der Pflanzen, da dürfe man selbstverständlich nur äußerst zurückhaltend und vorsichtig mit dem Einsatz von Salz sein. In der Realität ist davon nichts zu bemerken.
Dabei ist vielen wohl kaum bewusst, dass viele Glatteis-Unfälle der letzten Jahre gerade erst durch das Streuen verursacht wurden. Auf den Straßen ist es ständig nass. Wenn aber die Temperatur so weit absinkt, dass das Salz seine Wirkung verliert, wird aus den nassen Flachen Glatteis. Unfälle durch Streusalz, so paradox es klingt.
Ich hoffe immer noch, dass endlich wieder Vernunft im Umgang mit Schnee und Eis einkehrt, dass wir endlich wieder lernen, mit der Natur zu leben, anstatt sie zu bekämpfen. Streuen ja – aber eben wieder mit Vernunft und Hirn.
Andernfalls frage ich mich, wie groß die Dummheit der Menschheit noch werden muss, bis sie ihre Dummheit endlich bemerkt.
10.01.26
Fritz Fuchs, Mühlhausen-KerkhofenNeumarkt: „Mit Vernunft und Hirn “