Im „Urlaub“ Kinder operieren

Dr. Stephan Oehler (rechts) bei einer Behandlung im Nkoaranga-Krankenhaus in Tansania
Foto: Oehler
NEUMARKT. Wenn Dr. Stephan Oehler am Mittwoch in Urlaub fährt, geht es zwar in die Sonne, Faulenzen am Strand fällt allerdings aus.
Der Facharzt für Orthopädie und Chefarzt der Klinik für Orthopädie am Neumarkter Klinikum behandelt in den nächsten Wochen schwerverletzte Kinder im ostafrikanischen Tansania.
Der Mediziner ist schon zum achten Mal für das humanitäres Hilfsprojekt „Feuerkinder“ im Einsatz. Für seinen 17tägigen Einsatz nimmt er zur Hälfte Urlaub und wird zur anderen Hälfte vom Klinikum freigestellt.
Am Mittwoch reist Dr. Stephan Oehler nach Tansania, um dort Kindern mit Verbrennungen oder mit orthopädischen Fehlstellungen wie X-, O- und Klumpfüssen zu helfen. Die Betroffenen sind oft Unfallopfer, die sich beim Kochen am offenen Feuer schwerste Verletzungen zugezogen haben oder aber seit ihrer Geburt an einer Fehlstellung der Gliedmaßen leiden.
Die Kinder werden von dem Ärzteteam, dem auch Dr. Stephan Oehler angehört, sowohl operativ wie auch konservativ behandelt.
Gegründet wurde die „Aktion Feuerkinder e.V.“ im Jahr 2000 durch Dr. Heinz Giering zusammen mit der Kinderorthopädin Dr. Annemarie Schraml sowie der OP-Schwester Erika Depner. Der erste Einsatz in Tansania wurde durch eine Jahresspende der Rummelsberger Brüderschaft finanziert. Nach 20 Jahren gemeinsamer Führung liegt heute die operative Leitung der „Aktion Feuerkinder“ bei Dr. Annemarie Schraml.
Seit der Gründung vor 25 Jahren wurden über 40 Hilfseinsätze in Tansania koordiniert. Dabei wurden über 8000 Patienten behandelt, über 1600 Klumpfußoperationen und rund 4.000 Gipsbehandlungen durchgeführt. Zudem wurde das Nkoaranga-Krankenhaus von der Stiftung mit einem neuen OP-Trakt und einer Röntgenabteilung ausgestattet. Hebammen und Schwestern wurden in der sogenannten Ponseti-Technik geschult, einer weit verbreiteten, nicht-operativen Behandlungsmethode für den angeborenen Klumpfuß, die eine schrittweise Korrektur der Fußfehlstellung durch Gipsverbände und anschließende Schienenbehandlung vorsieht.
Zudem wurden Ärzte,
Medical Officer und Orthopädietechniker ausgebildet, so dass die Zahl der Beschäftigten im Nkoaranga-Krankenhaus insgesamt verdreifacht werden konnte. Schließlich wurde mit Mitteln der Stiftung auch die Infrastruktur rund um das Nkoaranga-Krankenhaus verbessert und beispielsweise die Straße zum Krankenhaus asphaltiert.
Derzeitige Projekte sind der Bau einer Notaufnahme und einer Geburtshilfe. Die Projekte werden komplett aus Spendeneinnahmen finanziert. Die Teams aus Ärzten und medizinischem Fachpersonal leisten die Hilfseinsätze unentgeltlich.
Der jährliche Hilfseinsatz ist für Oehler eine Herzensangelegenheit, die er unter dem Motto sieht: „Viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern“.
05.08.25
Neumarkt: Im „Urlaub“ Kinder operieren