Amphibien: „negativer Trend“

Vertreter des Bundes Naturschutz aus Land, Bezirk und Landkreis trafen sich zu dem Pressetermin bei Berg
Foto: BN
NEUMARKT. Trotz zwölf Krötenschutzzäunen und der Hilfe von rund 50 Helfern geht die Zahl der geretteten Amphibien im Landkreis drastisch zurück.
Der Bund Naturschutz sieht trotz witterungsbedingter Schwankungen einen klaren negativen Trend. Am Amphibienübergang in Pirkach zählte man im Vergleich zu vor vier Jahren nur mehr 20 Prozent Erdkröten. Vier Vorkommen seien ganz erloschen.
Bei einem Pressetermin an der Mauertsmühle bei Berg machten die Naturschützer am Donnerstag auf das Problem aufmerksam. Hier wurde die Straße neu gebaut und mit zwei Durchlässen versehen. Die Aufgabe bestehe nun darin, zu prüfen, ob die Durchlässe angenommen werden. Ein Amphibienzaun muss trotzdem aufgebaut werden, da keine Leiteinrichtung entlang der Straße vorhanden ist.
Auch hier zählte man im letzten Jahr nur 703 gegenüber 1700 Tiere in einem der Vorjahre, sagte der Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Neumarkt Dr. Josef Guttenberger. „Wir versuchen in der Nähe ein Laichgewässer zu renaturieren, um die Amphibien dazu zu bewegen, die Straße nicht mehr zu überqueren“. Ziel sei ist, im Landkreis weitere Laichgewässer anzulegen oder zu sichern.
„Für den Schutz der Amphibien, die wegen ihrer schnell austrocknenden Haut auf Feuchtigkeit angewiesen sind, müssen die Gewässer im Landkreis besser geschützt oder renaturiert sowie feuchte Wiesen und Weiden erhalten werden“, sagte BN-Regionalreferent Reinhard Scheuerlein. Viele Amphibien könnten mit Hilfe von ehrenamtlichen Helfern vor dem Straßentod gerettet werden. Aber das helfe langfristig nur, wenn auch ihre Lebensräume erhalten blieben, nicht durch neue Straßenplanungen zerschnitten und wenn neue Biotope entwickelt würden.
„Wenn wir nicht entschieden gegen die Klimakrise vorgehen, werden die trockenen Sommer und Frühjahre, die wir in den letzten Jahren gehäuft erlebt haben, zur Regel“, sagte der BN-Landesvorsitzende Richard Mergner bei dem Pressetermin. Selbst „Allerweltsarten wie Erdkröte und Grasfrosch“ könnten dann zu einem „seltenen Anblick“ werden.
Seit mehr als einer Woche lockt der zeitweise Temperaturanstieg Kröten, Frösche und Molche aus ihren Winterquartieren. Auch in allen Oberpfälzer Kreisgruppen des Bundes Naturschutz betreuen derzeit freiwillige Helfer unterstützt von Straßenmeistereien und gemeindlichen Bauhöfen Straßenabschnitte und Krötenzäune, um diese Tiere auf dem Weg zu ihren Laichgewässern vor dem Tod auf den Straßen zu bewahren. Die bayernweite Aktion rettet jährlich 500.000 bis 700.000 Amphibien das Leben, hieß es.
Der Bund Naturschutz betreut im Landkreis Neumarkt aktuell zwölf Amphibienschutz-Zäune und Straßenabschnitte mit insgesamt 3000 Metern Zaunlänge, davon einer für Feuersalamander. Etwa 50 ehrenamtliche Helfer begehen die Übergänge über vier bis fünf Wochen täglich morgens und abends. Im letzten Jahr konnten auf diese Weise mehr als 4600 Erdkröten, Teichmolche und Grasfrösche im Landkreis vor dem Tod auf den Straßen bewahrt werden.
An Wanderstrecken, die schon seit Jahrzehnten betreut werden, sehe man, dass der langjährige Trend negativ ist. „Im Durchschnitt ist die Anzahl der Erdkröten von 1100 je Übergang im Jahr 2001 auf 387 im Jahr 2020 zurückgegangen“, sagte Dr. Josef Guttenberger. Besonders drastisch sei der Einbruch am Amphibienübergang in Pirkach, wo die Zahlen innerhalb von vier Jahren auf nur mehr 20 Prozent zurückgingen. Von ursprünglich 24 betreuten Übergängen wurden sechs mit festen Leiteinrichtungen versehen und an zwei davon ein Ersatzlaichbiotop angelegt. Vier Vorkommen seien erloschen.
Der Bund Naturschutz appellierte an die Autofahrer, in den kommenden Wochen besondere Vorsicht und Rücksichtnahme walten zu lassen und die Geschwindigkeitsbegrenzungen an den Amphibienzäunen und Übergängen zu beachten. Das schütze nicht nur Amphibien, sondern möglicherweise auch Helfer, die am Straßenrand Tiere einsammeln. Man sollte aber auch das Tempo auf Straßen reduzieren, die an Teichen oder Feuchtgebieten vorbeiführen, auch wenn keine Warnhinweise aufgestellt sind.
18.03.21
Neumarkt: Amphibien: „negativer Trend“