Die Gemeindeverbindungsstraße von Thannhausen nach Sulzkirchen, die in das Ausbauprogramm aufgenommen werden soll
Foto: Schindler
NEUMARKT. Die Freystädter Ortsgruppe des Bundes Naturschutz will beim Ausbau ländlicher „Kernwege“ zumindest die Biotop-Hecken erhalten.
Dieses Anliegen konnten die Naturschützer jetzt bei einem Ortstermin mit Bauoberrat Martin Stahr vom Amt für Ländliche
Entwicklung vortragen. Die für die „Ertüchtigung“ vorgesehenen sechs Kilometer im Gemeindegebiet sind auf
drei Meter Breite asphaltiert oder mit Betonplatten versiegelt, aber teilweise in einem schadhaften
Zustand.
Nun befürchten die Naturschützer, dass mit den zusätzlichen Auflagen des Ausbaus - eine neu asphaltierte Fahrbahn von 3,50 Meter Breite, daneben beidseitig befahrbare Bankette von
0,75 bis einem Meter, sowie jeweils noch je ein Meter für Gräben – die für den Naturhaushalt und das
Landschaftsbild wichtigen Hecken beseitigt oder geschädigt werden könnten.
Stahr versprach bei dem Teffen, dass der Erhalt der Heckenstruktur höchste Priorität haben werde und
ein Eingriff vermieden werden soll. Die Entwässerung des Straßenkörpers soll sogar in Richtung
der angrenzenden Hecken gerichtet werden, um diese Strukturen mit entsprechender
Feuchtigkeit zu versorgen, auch als Schutz vor den Folgen des Klimawandels.
Das Amt für
Ländliche Entwicklung fördere ausdrücklich im neuen Förderprogramm „Flur Natur“ solche
Struktur- und Landschaftselemente zur Steigerung der biologischen Vielfalt in der Feldflur. Dies
könnten nicht nur Landwirte, sondern auch Gemeinden, Verbände, Vereine und sogar Privatleute
in Anspruch nehmen.
Einig wurden sich die Teilnehmer bei diesem Ortstermin allerdings nicht über die Art des
Ausbaus. Das Amt für Ländliche Entwicklung muss in der Oberpfalz und in Mittelfranken den
„Wegebautyp 1a “ anwenden, der eine Asphaltierung zwingend vorschreibt. Vorsitzende Manuela
Heßlinger vom Bund Naturschutz hätte lieber den Ausbau der Wege ohne
Oberflächenversiegelung mit einem stabilen Unterbau, der auch der Belastung durch schwere
landwirtschaftliche Maschinen standhalten kann.
Asphaltierte Wege bewirken ihrer Ansicht nach
nicht nur eine zusätzliche Erwärmung des Kleinklimas, sondern verführen zu rasanten
„Abkürzungsfahrten“ durch private Autos. Dadurch würden nicht nur die Lebensräume von vielen
Feldtieren, Vögeln, Fledermäusen, Insekten und Amphibien gestört, auch mit
landwirtschaftlichen Fahrzeugen könne es zu problematischen Situationen kommen.
Wenn es nach den Naturschützern ginge, würden die alten, jetzt schadhaften Wege entsiegelt und
naturverträglich so in Stand gesetzt, dass sie den Bedürfnissen von Landwirtschaft und sanftem
Tourismus entsprechen.