"Niemals mit Gewalt..."

Von Dekan Monsignore Richard Distler

Man kann über "die Kirche" in der Geschichte und auch heute viel Positives berichten. Man kann aber auch die dunklen Kapitel aufschlagen. Was aber meist übergangen wird, ist die Tatsache, dass die bereits in den ersten drei Jahrhunderten schweren Verfolgungen ausgesetzt war und es eine unglaublich große Zahl an Martyrern gab. Aber auch heute gibt es täglich Attacken gegen Christen und christliche Gotteshäuser wie z.B. im Norden von Nigeria oder auch in Eritrea in Afrika, in Pakistan und in anderen Ländern. Auch heute ist die Kirche gezeichnet vom Kreuz und vom Blut der Märtyrer. Von Verfolgung und Martyrium spricht aber bereits Jesus: "Haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen".

Dies bekamen schon sehr früh sämtliche Apostel zu spüren, allen voran Petrus und Paulus, deren Hochfest die Kirche heute am 29. Juni begeht. Beide Apostel, obwohl völlig unterschiedlichen Charakters, werden gemeinsam gefeiert. Die Festpräfation beschreibt sie so: "Petrus hat als erster den Glauben an Christus bekannt und aus Israels heiligen Rest die erste Kirche gegründet. Paulus empfing die Gnade tiefer Einsicht und die Berufung zum Lehrer der Heiden". Auch wenn es auf dem Apostelkonzil in Jerusalem im Jahr 55 nach Christus zu harten Spannungen zwischen beiden kam wegen der Zulassung der Heiden zur Kirche, dennoch: Auf verschiedene Weise dienten beide Apostel der Kirche und gemeinsam empfingen sie "die Krone des Lebens". Dies deutet hin auf ihre Hinrichtung zwischen 64-67 in Rom unter Kaiser Nero. Petrus soll im Privatzirkus des zwielichtigen Kaisers mit dem Kopf nach unten gekreuzigt worden sein. Paulus wurde als römischer Bürger außerhalb der Stadt an der Via Appia enthauptet. Schon für das Jahr 258 kennt die Römische Kirche ein festliches Gedächtnis der Apostel Petrus und Paulus. Das Martyrium beider bezeugt ein Chronist bereits im Jahr 354 und bald darauf schrieb Bischof Ambrosius von Mailand einen Festhymnus auf ihre Passion. Die Festfeier heute am 29. Juni, an dem Jahrhunderte lang in der katholischen Kirche auch die Priesterweihen stattfanden, führt uns also in die Ursprünge des frühen Christentums.

Petrus begann mit weiteren Aposteln schon sehr früh die Mission in Samaria, in Galiläa und in Antiochien in Syrien. Dort entstanden erste Christengemeinden, die zunächst meist Judenchristen waren. Das Tor zur Heidenmission stieß dann Paulus auf. Unter fürchterlichen Entbehrungen trug er zusammen mit Barnabas das Evangelium über Kleinasien nach Griechenland und zuletzt nach Rom. Paulus gründete eine größere Anzahl neuer christlicher Gemeinden und schrieb an sie oft bewegende Briefe, die regelmäßig in den Sonntaggottesdiensten vorgelesen werden. Paulus, selber theologisch hoch gebildet, war es auch, durch den der christliche Glaube gleichsam Weltkirche wurde.

So stellt sich heute die Frage, was verbindet uns Christen heute mit der Überzeugungskraft, dem missionarischen Eifer und mit der Konsequenz, mit der Petrus und Paulus für den Glauben lebten und starben? Beide kämptfen jedoch niemals mit Gewalt für den Glauben, sondern nur mit der Kraft ihrer Worte, ihres Herzens und ihrer Berufung. Das gilt auch heute für alle Christen, muss aber auch für die Vertreter anderer Religionen gelten.
28.06.13
Neumarkt: "Niemals mit Gewalt..."
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