Zu wenig Kita-Plätze?

Acht Tage sind genug, heißt es von den Gewerkschaften
Foto: Nils Hillebrand
NEUMARKT. Im Landkreis Neumarkt gibt es für rund 1.240 Kinder unter drei Jahren einen Kitaplatz. Das ist nach Meinung de Gewerkschaft viel zu wenig - vor allem, wenn man Bestrebungen der Bundesregierung sieht, den Acht-Stunden-Tag abzuschaffen. „Wenn das passiert, dann bricht für Eltern jede Planung bei der Kinderbetreuung zusammen“, hieß es.
Die Betreuungsquote mit Kita-Plätzen liegt nach Angaben der amtlichen Statistik bei knapp 32 Prozent. „Das ist zu wenig. Vor allem wenn Eltern arbeiten, müssen sie sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder betreut werden“, sagt Tim Lünnemann von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. So liege der landesweite Bedarf, den Eltern bei der Betreuungsquote von Unter-3-Jährigen in Bayern haben, bei 47 Prozent. Die NGG Nürnberg-Fürth beruft sich dabei auf eine Studie des Deutschen Jugendinstituts.
Erhebliche Probleme sieht die Gewerkschaft jetzt auf Eltern im Kreis Neumarkt zukommen. Grund sind Pläne der Bundesregierung, das Arbeitszeitgesetz zu ändern und den 8-Stunden-Tag abzuschaffen: „Dann kann ein Arbeitstag auch mal zwei oder sogar dreieinhalb Stunden länger werden. Mit Verlässlichkeit, die Eltern dringend brauchen, hat das nichts mehr zu tun“, sagt Tim Lünnemann.
Denn eine verlässliche Betreuung sei gerade für berufstätige Eltern wichtig. „Meistens sind Kita- und Arbeitszeiten schon jetzt auf Kante genäht – also eng miteinander abgestimmt: Wer sein Kind in der Kita hat, der muss es auch pünktlich wieder abholen, bevor die Kita schließt. Aber wenn der Chef demnächst aus einem 8-Stunden-Tag einen Arbeitstag mit zehn oder zwölf Stunden am Stück machen kann, wird es für Familien nahezu unmöglich, ihren Alltag verlässlich zu planen“, sagt Tim Lünnemann. Am Ende beeinträchtige das sogar die Berufstätigkeit der Eltern.
Kritisch werde das auch für die Pflege: Wer sich zu Hause – zum Beispiel in enger Absprache mit Pflegediensten – um Angehörige kümmere, könne alles gebrauchen, aber keinen XL-Arbeitstag, hieß es von der Gewerkschaft. Auch bei der Pflege gelte: „Verlässlichkeit ist das A und O“, so Lünnemann. Schon deshalb sei die von der Bundesregierung geplante Aufweichung des 8-Stunden-Tages „Gift für alle, die im Moment alles daransetzen, den Spagat zwischen Job und Familie zu schaffen“.
Betroffen seien hier vor allem Frauen: 51 Prozent von ihnen gaben bei einer bundesweiten Beschäftigtenbefragung des Deutschen Gewerkschaftsbundes an, sich zu Hause um Angehörige – gerade um Kinder oder Ältere – zu kümmern. Bei den Männern seien es 41 Prozent. Schon heute hätte gut ein Fünftel aller Beschäftigten häufig Probleme, Familie und Job zeitlich zu vereinbaren. Bei alleinerziehenden Frauen seien dies aktuell sogar 42 Prozent.
Längere Arbeitstage seien auch eine Gefahr für die Gesundheit: „Nach 8 Stunden im Job steigt das Unfallrisiko immer mehr an. Nach 12 Stunden ist es sogar doppelt so hoch wie bei einem regulären 8-Stunden-Tag“, so Lünnemann. Aber auch Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Burnout könnten die Folge von zu langen Arbeitstagen sein.
28.07.26
Neumarkt: Zu wenig Kita-Plätze?