Bücher aus 17. Jahrhundert vor dem Schimmel gerettet


Ein Unterschied wie Tag und Nacht: Nach der Restaurierung sind die Bände wieder einsehbar
Foto: Anika Taiber-Groh/pde
NEUMARKT. In der Pfarrei Berching wurden 71 Amts- und Rechnungsbücher aus dem 17. bis 19. Jahrhundert vor dem Schimmelbefall gerettet.

Damit ist ein bedeutender Teil des schriftlichen Kulturerbes der Pfarrei Berching gesichert, hieß es aus dem Bistum Eichstätt. Viele der Seiten waren zusammengeklebt und in einem schlimmen Zustand.

Im Rahmen eines von der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) geförderten Restaurierungsprojekts konnten seit 2023 insgesamt 71 Amts- und Rechnungsbücher des Bestands „Heilingsrechnungen“ restauriert und für die Forschung wieder nutzbar gemacht werden. Die Maßnahmen wurden im Zeitraum von 2023 bis 2025 im BKM-Sonderprogramm gefördert. Die Restaurierung erfolgte durch die Abteilung Buchrestaurierung einer Buchbinderei.

Bei Heilingsrechnungen handelt es sich um die Abrechnungen über das Vermögen einer Pfarrei. Als historische Quellen besitzen sie eine hohe Bedeutung für die Familien- und Heimatforschung ebenso wie für die Bau-, Wirtschafts- und Kirchengeschichte. Die insgesamt 82 erhaltenen Bände aus dem 17. bis 19. Jahrhundert dokumentieren über Jahrhunderte hinweg das kirchliche und gesellschaftliche Leben in Berching und seinem Umland.

Die Stadt Berching liegt an der Schnittstelle fränkischer, oberbayerischer und oberpfälzischer Kulturgeschichte. Kurzzeitig gehörte Berching sogar zum Herrschaftsgebiet des Großherzogs Ferdinand III. von Toskana. Mit Erasbach und Weidenwang liegen zudem zwei Orte auf dem Gebiet der Pfarrei, die beide für sich beanspruchen, Geburtsort des Komponisten Christoph Willibald Gluck zu sein. Auch der bekannte Barockmaler Johann Michael Franz wirkte dort. Die Heilingsrechnungen spiegeln diese regionalgeschichtliche Vielfalt wider und stellen daher eine wertvolle Quelle für die Erforschung der Geschichte der Region dar, hieß es.


Der Erhalt der Bände war jedoch akut gefährdet. Über Jahrzehnte hinweg hatten Feuchtigkeit und Schimmelpilzbefall erhebliche Schäden verursacht. „Der Bestand war extrem geschädigt und Feuchtigkeit ausgesetzt. Teilweise sind die Bücher richtig nass gewesen. Die Intensität des Schadens war außergewöhnlich hoch“, berichtet der diplomierte Restaurator Werner Obermeier. Besonders problematisch sei gewesen, dass sich durch die Feuchtigkeit Mikroorganismen im Papier ausbreiten konnten: „Das Papier saugt Feuchtigkeit auf, und dort, wo Sauerstoff vorhanden ist, wachsen Mikroorganismen. Sie greifen die Papierfasern an, bis das Material im schlimmsten Fall morsch wird.“

Zu Beginn der Arbeiten musste zunächst geprüft werden, welche Bände überhaupt noch restaurierungsfähig waren. Viele Seiten waren durch den Schimmel miteinander verklebt und mussten vorsichtig voneinander getrennt werden. Anschließend wurden sämtliche Rechnungsbücher unter einer Abzugshaube trocken gereinigt. Je nach Schadensbild wurden darüber hinaus brüchige oder eingerissene Papierbereiche mit Japanpapier gesichert, Einbände ergänzt und die Festigkeit des Papiers durch restauratorische Maßnahmen verbessert. Bei besonders stark geschädigten Parallelüberlieferungen beschränkten sich die Maßnahmen auf die Sicherung und sachgerechte Lagerung, um eine weitere Ausbreitung des Schimmels zu verhindern.

Ermöglicht wurde das Projekt durch die Förderung der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts, die einen wesentlichen Teil der Restaurierungskosten übernahm. Ziel der Förderung ist es, gefährdete schriftliche Originalquellen dauerhaft zu sichern und für kommende Generationen zu bewahren.

Die erfolgreiche Restaurierung bedeutet für die Pfarrei Berching und das Diözesanarchiv Eichstätt einen wichtigen Schritt zum Erhalt regionaler Geschichte, hieß es. Die Bände stünden nun wieder für wissenschaftliche Forschungen im Lesesaal des Diözesanarchivs zur Verfügung. Für Restaurator Werner Obermeier ist dies der schönste Lohn seiner Arbeit: „Man freut sich über jedes Objekt, das man retten kann. Es macht uns stolz, wenn wichtiges Kulturgut erhalten bleibt und wieder genutzt werden kann.“

Mit dem Abschluss des Projekts ist es gelungen, einen einzigartigen Quellenbestand langfristig zu sichern und der Forschung sowie der interessierten Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen. Die restaurierten Heilingsrechnungen würden nicht nur die Geschichte der Pfarrei Berching bewahren, sondern zugleich einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der regionalen und bayerischen Kulturgeschichte leisten.
pde
19.06.26
Neumarkt: Bücher aus 17. Jahrhundert vor dem Schimmel gerettet
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