Orchideen in den Wäldern


Die Forstleute entdeckten größere Orchideen-Bestände im Wald bei Lauterhofen
Foto: Christine Franz
NEUMARKT. Eigentlich gelten sie ja oft als „exotische“ Blumen - aber Förster aus ganz Bayern informierten sich im Landkreis Neumarkt über Orchideen.

Die Forstleute nahmen im Raum zwischen Lauterhofen und Kastl an einer Fortbildungsveranstaltung teil - und entdeckten prompt größere Bestände des Frauenschuhs, die bekannteste Orchidee in diesen Breiten.

Beim Begriff „Orchideen“ fallen spontan exotische Länder, aparte Blüten und empfindliche Zimmerpflanzen ein. Manch einer denkt vielleicht noch an Gewürze wie Vanille oder an heimische Orchideen auf mageren Wiesen und Weiden. Doch auch die Wälder der Oberpfalz beherbergen etliche Orchideenarten, darunter die wohl auffälligste und spektakulärste Art: den Europäischen Frauenschuh. Der Name beschreibt sehr schön das Aussehen der großen, gelb und braunrot gefärbten Blüten, deren auffälligstes Blütenblatt die Form eines rundlichen, gelben Pantoffels hat.


Ein Frauenschuh im Landkreis Neumarkt
Foto: Judith Knitl
In Bayern liegen die Verbreitungsschwerpunkte des Frauenschuhs in Gebieten mit kalkhaltigen Böden wie im Alpen- und Voralpenraum, in Teilen Frankens, aber auch im Oberpfälzer Jura. Besonders in den Landkreisen Neumarkt und Amberg sind große Bestände mit zum Teil mehreren hundert blühenden Sprossen zu finden.

Um die markante Pflanze dauerhaft in den Wäldern zu erhalten, muss bei der Waldbewirtschaftung etwas Rücksicht auf Frauenschuhbestände genommen werden. Das ist meist nicht so schwierig, wie es klingt, denn die Art gedeiht am besten bei Lichtverhältnissen, die etwas dunkler sind als „Halbschatten“, und dies kommt in Wirtschaftswäldern nicht selten vor; der Frauenschuh profitiert also häufig von der Holznutzung, ohne die viele Wälder zu dicht und zu dunkel für ihn wären.

Um also die Art zu erhalten und Waldbesitzende bestmöglich zum „Wohl und Weh“ der Orchidee beraten zu können, ist einiges Wissen nötig. Deshalb trafen sich 19 Forstleute der Forstverwaltung und der Bayerischen Staatsforsten aus ganz Bayern zu einer Fortbildungsveranstaltung, die von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft gemeinsam mit der Fachstelle Waldnaturschutz Oberpfalz im Raum Kastl und Lauterhofen angeboten wurde. Nach Vorträgen zu Biologie und Schutz des Frauenschuhs erfolgte zur praktischen Vertiefung eine Exkursion zu Vorkommen der Art im Privatwald und im Gemeindewald. Vor Ort wurden die Wuchsbedingungen, der Einfluss forstlicher Maßnahmen, wie etwa Durchforstungen, und mögliche Schutz- und Fördermaßnahmen diskutiert; auch einer der Waldeigentümer präsentierte Bestände mit Frauenschuh in seinem Wald, in denen bereits verschiedene Maßnahmen zur Förderung der Art durchgeführt wurden.


Eine verzwickte Angelegenheit ist die Bestäubung der sonderbar geformten Blüte: sie wird durch bestimmte Solitärbienenarten erledigt, die von Farbe und Duft angelockt werden und durch eine große Öffnung in den „Pantoffel“ gelangen. Durch diese Öffnung geht es aber nicht mehr hinaus, da die Ränder zu glatt sind. Stattdessen werden die recht kleinen Bienen durch feine Härchen zu einem engen Ausgang geleitet, durch den sie sich hinausquetschen müssen, und dort bekommen sie entweder Pollen mit auf den Weg oder streifen bereits erhaltene ab. Der Frauenschuh bietet dafür übrigens nicht einmal Nektar als Belohnung. Der Pantoffel ist also eine „Kesselfalle“, aber immerhin eine, die ihre Opfer wieder freilässt und nicht verspeist.
28.05.26
Neumarkt: Orchideen in den Wäldern
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