Auf den Grund gegangen


Mit dem Kescher wurden Kleinstlebewesen gefangen
Foto: Katrin Mayer
NEUMARKT. Naturschützer haben die Gewässerqualität des Zellerbachs in der Gemeinde Deining erfasst - und dabei vielfältiges Leben am Grund entdeckt.

Zehn Ehrenamtliche nahmen dabei einen 100 Meter langen Bachabschnitt genau unter die Lupe. Ziel der Aktion war es, im Rahmen eines bundesweiten „FLOW“-Projekts wertvolle Daten zu kleinen Fließgewässern zu liefern.

Die Untersuchung gliederte sich in drei zentrale Teilbereiche. Zunächst wurde die Gewässerstruktur bewertet. Dabei nahmen die Teilnehmer unter anderem das Umfeld des Baches in den Blick, das überwiegend von Grünland geprägt ist. Auch die Uferbeschaffenheit – etwa ob diese naturnah oder verbaut sind – sowie unterschiedliche Sedimenttypen im Bachbett wurden erfasst.

Im zweiten Schritt folgte die Analyse chemischer Parameter. Die Ergebnisse zeigten insgesamt gute bis sehr gute Werte bei Ammonium, Nitrit, Phosphat und dem pH-Wert. Lediglich der Nitratwert mit 15 mg/l ließ Verbesserungspotenzial erkennen, da der auf eine mäßige Belastung durch beispielsweise Dünger hinweist.

Den aufwändigsten Teil der Untersuchung stellte die Analyse des sogenannten „Makrozoobenthos“ dar – also jener Kleinstlebewesen, die am Gewässergrund leben und als wichtige Indikatoren für die Wasserqualität gelten. Da konnten die Ehrenamtlichen eine beeindruckende Vielfalt feststellen: Neben rund 600 Bachflohkrebsen jeglicher Größen fanden sich auch zahlreiche Larven von Köcher-, Eintags- und Steinfliegen sowie eine Libellenlarve und Schnecken, Käfer und Würmer. Die Tiere wurden nach der Bestimmung zurück in den Bach gesetzt.

Besonders faszinierend war der Fund der auffallend großen Eintagsfliegenlarve des „Dreischwänzigen Aderhafts“, er gilt als SPEAR-Art, das bedeutet, dass er empfindlich auf Pestizideinsatz reagiert. Auch die schiere Menge an Köcherfliegenlarven beeindruckte: Insgesamt wurden auf dem untersuchten Abschnitt knapp 300 Exemplare gezählt. Hinzu kamen 133 Eintagsfliegenlarven aus vier verschiedenen Familien.


Trotz dieser Vielfalt und des guten Werts für die Gewässergüte ergab die Bewertung anhand der besonders sensiblen Arten (SPEAR-Index) nur die Kategorie mäßig mit Tendenz zu gut. Für eine Verbesserung dieses Werts und der Lebensqualität für sensible Arten könnten sich bereits kleine Anpassungen wie die Einhaltung eines Gewässerrandstreifens positiv auswirken, hieß es.

Für die Teilnehmer war der Tag am Bach nicht nur arbeitsreich, sondern auch äußerst lehrreich.

Das FLOW-Projekt, initiiert und geleitet vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung , läuft bundesweit seit 2021. Hintergrund ist, dass sich nur etwa zehn Prozent der Gewässer in einem guten ökologischen Zustand befinden. Insbesondere für kleinere Bäche fehlen bislang häufig verlässliche Daten. Dort setzt das Citizen-Science-Projekt an: Es soll diese Lücken schließen und gleichzeitig Wissen über Gewässerökologie in der Bevölkerung verbreiten.

Auch im kommenden Jahr ist geplant, das Projekt im Landkreis fortzuführen und weitere geeignete Bäche zu untersuchen.


Die Projektgruppe des Bundes Naturschutz am Zellerbach
Foto: Norbert Brandt
07.05.26
Neumarkt: Auf den Grund gegangen
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