Viel zu tun für Bauarbeiter: Die hohe Wohnungsnachfrage hat in den vergangenen Jahren zu
einem Boom der Baubranche geführt
Foto: IG Bau
NEUMARKT. Im vergangenen Jahr wurden im Landkreis Neumarkt insgesamt 864 Wohnungen gebaut – darunter 414 in Ein- und Zweifamilienhäusern.
Das sind 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei investierten
Bauherren 174 Millionen Euro, wie die Industriegewerkschaft Bau mitteilt.
Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes.
IG Bau-Bezirksvorsitzender Christian Lang sieht beim Neubau jedoch „deutlich Luft nach
oben“.
Entscheidend sei, was gebaut werde: „Die Wohnungen müssen zum Portemonnaie
und zur Lohntüte der Menschen passen. Es kommt darauf an, vor allem bezahlbare
Wohnungen und Sozialwohnungen zu bauen.“ Dazu sei es dringend erforderlich, die
steuerliche Abschreibung im Mietwohnungsbau dauerhaft von derzeit zwei auf drei
Prozent zu erhöhen.
Darüber hinaus brauche der soziale Wohnungsbau eine Förderung
von mindestens sechs Milliarden Euro pro Jahr durch Bund und Länder – und das
kontinuierlich für die nächsten Jahre. In diesem Jahr unterstütze der Bund den Bau von
Sozialmietwohnungen mit lediglich 1,5 Milliarden Euro, ab 2020 werden die Mittel sogar auf
eine Milliarde abgesenkt. Zudem fallen pro Jahr rund 80.000 Sozialwohnungen aus der
befristeten Mietpreisbindung heraus – deutlich mehr als in den letzten Jahren neu gebaut
wurden.
Der Bau brauche eine Perspektive. Und die bekomme er durch eine dauerhaft wirksame
und verlässliche Förderung. Nur dann würden in der gesamten Prozesskette – von der
Baustoffherstellung bis zur Verarbeitung auf dem Bau – die dringend notwendigen
Kapazitäten ausgebaut. Und das bedeute zusätzliche Fachkräfte und sichere
Arbeitsplätze, zusätzliche Produktionsstraßen und Baumaschinen, sagte Bezirkschef
Christian Lang. Die Baubranche müsse die Gewissheit haben, dass alles, worin sie heute
investiert, auch in fünf und zehn Jahren noch gebraucht werde.
Genau diese Signale fehlten allerdings in der aktuellen Wohnungsbaupolitik: So schaffe
etwa das zeitlich begrenzte Baukindergeld keine nachhaltigen Impulse. Statt in den Neubau
fließe die Förderung hier oft in den Kauf von alten Gebäuden.
„Es ist fatal, die Wohnungsbaupolitik von Wahl zu Wahl zu planen, statt verlässliche und
wirksame Rahmenbedingungen zu schaffen. Immerhin ist der Wohnungsbau bei
wachsender Bevölkerung unverzichtbar und ein wichtiger Motor der Binnenkonjunktur –
auch im Landkreis Neumarkt“, sagte Lang.
Nach Angaben des Statistischen
Bundesamts wurden im vergangenen Jahr bundesweit rund 285.000 Wohnungen gebaut.
„Damit hinkt die Große Koalition ihrem Ziel, pro Jahr 375.000 neue Wohnungen zu
schaffen, deutlich hinterher“, so die IG Bau.