Sternwarte Neumarkt
Auf der Spur des Christsterns

Das Foto zeigt die enge Konjunktion von Jupiter und Venus,
aufgenommen von Harald Liederer im Jahre 2004.
Könnte
dies der "Weihnachtsstern" gewesen sein?
NEUMARKT. Um den "Stern von Bethlehem" aus astronomischer Sicht geht es bei einem Vortrag auf der Neumarkter Sternwarte.
Matthias Gräter von der Nürnberger Astronomischen Arbeitsgemeinschaft e.V. (NAA) will am Freitag um 20 Uhr über den neuesten wissenschaftlichen Stand bei der Forschung um den "Weihnachtsstern" berichten.
Es ist bereits Tradition geworden, rechtzeitig zu Weihnachten über die Geschehnisse des Himmels zur Zeit Christi Geburt
zu berichten.
Die Fritz-Weithas-Sternwarte widmete sich in den letzten Jahren bei Vorträgen zu diesem Thema jedoch ausschließlich den Kindern.
Doch nun werde es Zeit, daß man auch die Erwachsenen ausreichend informiert, hieß es.
In ihrer letzten Veranstaltung im alten Jahr wird die Zeit auf der Sternwarte mit moderner Technik zurückgedreht und der Sternen-
himmel zu der Zeit eingestellt, als König Herodes über das Land herrschte.
Man hört immer wieder, dass die Geschichte des Sterns von Bethlehem einen realen Hintergrund haben könnte. Weltweit haben sich
deshalb die Wissenschaftler eingehend mit dieser Thematik beschäftigt und versucht, die biblischen Worte mit historischen Fakten
auf Plausibilität zu überprüfen - und das nicht erst seit ein paar Jahren, sondern weiter zurückliegend bereits im 4. und 5. Jahrhundert.
Ungefähr zu der Zeit der Geburt Christi soll es ein Himmelsphänomen gegeben haben, das die Menschen damals so faszinierte,
dass sie es als Gottesbotschaft interpretierten. Der Stern wird im Neuen Testament im Evangelium des Apostels Matthäus an zwei Stellen erwähnt.
Auffallend ist, dass von den vier Evangelisten nur Matthäus am Anfang des zweiten Kapitels davon berichtet [Matth. 2,1-2]
Was ist also dran?
Um die Frage nach der astronomischen Grundlage des "Sterns" weiter zu klären, muss festgestellt werden, wann die Sterndeuter
in Bethlehem angekommen sein könnten. Ein weiterer Hinweis findet sich im Evangelium nach Lukas [2,1-2].
Verschiedene Wissenschaftler vermuteten einen Kometen als "Stern von Bethlehem". Chinesische Quellen berichten von einem Kometen
mit einem Schweif im Jahr 5 v. Chr., der im Sternbild Steinbock zu sehen war . Kometen wurden aber mit schlechten Ereignissen in Verbindung gebracht.
Außerdem schreibt Matthäus in der Bibel ausdrücklich von einem Stern.
Was war also dieser Stern?
Am 25. Dezember 2 v.Chr. wurde Jupiter im Sternbild Jungfrau stationär, um zu seiner Oppositionsschleife anzusetzen. Bethlehem liegt südlich von Jerusalem. Zur üblichen Beobachtungszeit stand der Planet von Jerusalem aus gesehen über Bethlehem. Dies erklärt die Bedeutung des "Stillstands" [Matth. 2,9].
Wäre dies eine eindeutige Klärung des Sterns von Bethlehem? Damals gab es keine eindeutige Trennung zwischen der Astrologie und der Astronomie. Im Gegensatz zu den heutigen Astrologen beobachteten damals die Sterndeuter noch intensiv den Himmel und notierten die Bewegungen von Sonne, Mond und den Planeten zwischen den Sternen mit großer Sorgfalt.
Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass das astrologische Wissen und die besondere Abfolge der Konjunktionen des Planeten Jupiter, die Sterndeuter
veranlasst haben könnten, die Reise nach Israel zu unternehmen, um dem neugeborenen König zu huldigen.
Ohne schriftliche Berichte über die Reise der Magi aus dem Osten oder andere datierbare Zeugnisse zur Geburt Jesu lässt sich der "Stern von Bethlehem" wohl nie eindeutig klären.
Aber im Licht der neuesten historischen Daten zu Herodes und seinen letzten Lebensjahren liegt es doch sehr nahe, den Planeten Jupiter als den biblischen "Stern"anzusehen.
Um die Zeit von Christi Geburt, in den Jahren 3 und 2 v. Chr. führte er im Sternbild Löwe fünf enge Konjunktionen mit Venus und Regulus durch,
wobei er mit Venus zweimal zu einem "einzigen Stern" verschmolz.
Im wohltemperierten Vortragsraum der Sternwarte werden diese Fragen von Matthias Gräter aufgegriffen um dann umfassend
beantwortet zu werden. Gräter leitet die Volkssternwarte in Nürnberg und ist seit vielen Jahrzehnten ein versierter Beobachter des Himmels. Die Besucher haben nach dem Vortrag ausreichend
Gelegenheit, mit dem Referenten zu diskutieren.
Anschließend kann dann bei klarem Himmel die "Bühne der Nacht" betreten werden.
18.12.08
Kinder jagen "Himmelsjäger"

Der große Orionnebel, fotografiert mit Teleskopen der Stern-
warte Neumarkt von Harald Liederer und Gerald Reiser in Digi-
taltechnik
NEUMARKT. Bei einem Kinderabend auf der Fritz-Weithas-Sternwarte geht es am Freitag ab 19 Uhr um den "Himmelsjäger Orion".
Jetzt ist es wieder soweit: Der mächtige Himmelsjäger Orion geht im Osten auf und bestimmt während des gesamten Winterhalbjahres auf der Himmelsnordhemisphäre das Geschehen der nächtlichen Bühne.
Seine Erscheinung ist so klar und prächtig, dass gerade er seit den allerfrühesten Zeiten bekannt ist.
Orion ist gleichzeitig der Sohn von Zeus, dem Göttervater, von Meeresgott Poseidon und noch einem Gott (der Hermes, Apollon oder Ares war). Orion bedeutet soviel wie, "der aus der Erde Geborene".
Er wuchs zu einem riesenhaften Mann heran mit breiten Schultern und wurde als der größte und beste Jäger im ganzen
Land berühmt. Auch er war sich dessen bewußt und prahlte deshalb nicht wenig ob seiner Künste. Um seinen Tod ranken sich daher allerlei Gerüchte.
Odysseus begegnete ihn bei seiner Fahrt in die Unterwelt und viele Göttinnen, unter anderem Eros und Artemis, begehrten ihn.
Gerald Reiser will den Kindern die Sagengeschichten um diesen mächtigen Himmelsjäger erzählen und das Sternenbild ausführlich erklären.
Im Sternbild Orion, direkt im "Schwertgehänge" des Jägers sozusagen, liegt auch das schönste Himmelsobjekt des Himmels, das mit den Fernrohren überhaupt beobachtet werden kann:
"Der große Orionnebel", eine gewaltige Sternenwolke, 1400 Lichtjahre entfernt, die selbst mit dem bloßem Auge sichtbar ist. In dieser Sternenwolke werden neue Generationen
von Sternen geboren und man kann direkt in die "Kinderstube" von Sternen hineinblicken. Auf Fotografien ist dieser Nebel als der Farbenprächtigste zu sehen.
Die Sterne die in diesem Nebel eingebettet liegen, regen ihn zum Leuchten an. Der Durchmesser dieser Wolke wird auf etwa 25 Lichtjahre bestimmt.
Schon mit kleinen Fernrohren und nur 30facher Vergrößerung erschließt sich der Nebel dem Beobachter als strukturreiches Gebilde.
Bei klaren Himmel können die Kinder dann anschließend mitverfolgen, wie der Himmelsjäger im Osten aufgeht und den
Plejaden, den Töchtern des Atlas, hinterherjagt und
versucht, mit einer Keule, den antrabenden Stier abzuwehren.
Der Eintritt zu der Veranstaltung ist anlässlich des Nikolaustages frei. Spenden werden aber gerne angenommen.
02.12.08
Fernrohr unterm Christbaum ?
NEUMARKT. Ein Fernrohr zur Himmelsbeobachtung unterm Christbaum ? Die Neumarkter Sternwarte will dazu am Freitag Tipps geben.
Die diversen Discounter bieten rechtzeitig zur Weihnachtszeit entsprechende Angebote an, aber ist diese Optik auch gut genug?
Am Freitag ab 20 Uhr können die Besucher der Sternwarte ihr vielleicht schon
vorhandenes eigenes Fernrohr mit auf die Sternwarte bringen, oder sich eingehend über den möglichen Kauf
eines Teleskopes beraten lassen. Bei schlechtem Wetter werden im Vortragsraum die Geräte aufgebaut und erklärt.
Fachkundige Mitglieder und erfahrene Himmelsbeobachter erklären die einzelnen Typen und geben Tipps zum
Beobachten mit Fernrohr - und vielleicht den letzten Ausschlag zum Kauf.
Dabei wird auch auf Besonderheiten eingegangen, die beim Kauf sonst oft nicht beachtet werden und die über den "Spaßfaktor"
für die Zukunft entscheiden. Denn meist landet so ein gekauftes Fernrohr nach wenigen erfolglosen Beobachtungen in der Ecke und
alle sind frustriert und wenden sich von der Astronomie ab.
Die Fritz-Weithas-Sternwarte und deren Mitglieder haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Bevölkerung umfassend und volksnah über
die Wunder des Universums aufzuklären. Dazu gehört auch, daß einmal mehr über die Beobachtungspraxis und die Beobachtungs-
geräte selbst informiert wird, um dem Besucher die Scheu zu nehmen, mit geeigneten Mitteln in den Himmel zu schauen.
Die Astronomie ist immerhin die älteste Wissenschaft der Menschheit und hat einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, was aus den
Menschen heute geworden ist und wo man heute steht.
21.11.08
Starke Schwankungen
NEUMARKT. Um zwei "interessante Veränderliche" am Winterhimmel geht es bei einem Vortrag von Andreas Viertel am Freitag um 20 Uhr auf der Sternwarte Neumarkt.
Die Sonne strahlt in unverminderter Helligkeit und wird dies noch rund vier Milliarden Jahre gleichmäßig tun.
Diese relative stabile Leuchtkraft beschert das Leben auf dem Planeten Erde.
Doch selbst sie ist regelmäßigen Helligkeitsschwankungen unterworfen, das sich alle el Jahre aufgrund des
Sonnenfleckenzyklus wiederholt. Diese Schwankung ist allerdings nicht direkt beobachtbar, nur schwache 0,1 Prozent wird sie dabei
schwächer oder heller.
Wer jedoch wie die Astronomen intensiv den Nachthimmel beobachtet, der stellt fest, daß es Sterne gibt, die in ihrer
Helligkeit mehr oder weniger stark schwanken. Dabei stellt sich aber keinerlei Muster heraus. Einige schwanken relativ schnell regelmäßig,
andere hingegen unterliegen jahrzehntelangen Schwankungen von einer zur nächsten Größenklasse, andere wiederum schwanken so stark,
daß ihre Helligkeit von bis zu zehn Größenklassen zunimmt - sie sind bis zu 10 000 mal heller oder schwächer als ursprünglich.
Die Veränderungen darf man aber nicht mit dem klassischen Sternfunkeln am Nachthimmel verwechseln, dies ist die Folge von
Luftbewegungen in der Erdatmosphäre.
Zehntausende solcher sogenannter "Veränderlichen Sterne" sind bis heute bekannt. Andreas Viertel wird am Freitag zunächst die Prozesse und Arten solcher Sterne erklären und dann auf zwei besonders interessante Veränderliche, die sich
zur Zeit am Winterhimmel aktiv verändern eingehen.
Im Anschluß werden diese Sterne in den Fernrohren der Sternwarte eingestellt und beobachtet.
11.11.08