Pfleiderer
Riesen-Auftrag aus China
NEUMARKT. Kurz vor dem geplanten Verkauf der
track systems hat die (Noch-)Pfleiderer-Tochter einen riesigen Auftrag aus China an Land gezogen.
Wie mehrfach berichtet scheiterte der geplante Verkauf von
Pfleiderer track systems an die "Vossloh AG" bisher an Bedenken des Kartellamtes. Der Kaufvertrag war bereits unterschrieben. Inzwischen sieht sich Pfleiderer auch nach anderen Käufern um, hieß es. Und mit dem neuen Riesen-Auftrag aus Fernost wird die angepriesene Tochter ja nicht unbedingt häßlicher...
Die
Pfleiderer track systems unterzeichnete am Mittwoch gemeinsam mit Vertretern des chinesischen Eisenbahnministeriums (MoR) einen Vertrag über den Know-how-Transfer modernster Bahntechnologie nach China. Der Vertrag beinhaltet sämtliche Nutzungsrechte an der Festen Fahrbahn-Technologie
Rheda 2000 im Hoheitsgebiet der Volksrepublik China. Die Transferleistung beinhaltet auch die Schulung des chinesischen Fachpersonals in Europa und vor Ort, heißt es in einer Pfleiderer-Mitteilung.
Darüber hinaus soll die
Pfleiderer track systems federführend innerhalb einer Gruppe europäischer Firmen tätig sein, die den Bau von
Rheda 2000 in der Volksrepublik China hinsichtlich einer fachgerechten und qualitativ hochwertigen Umsetzung dieser Technologie unterstützen.
Erstes Projekt für die Firmengruppe – bestehend aus
Pfleiderer track systems, Eichholz, Heitkamp und der niederländischen Royal BAM Group – ist die Planung und der Bau der zweigleisigen Bahnstrecke von Wuhan nach Guangzhou im Südosten Chinas. Der überwiegende Teil der insgesamt 989 km langen Hochgeschwindigkeitsstrecke soll in
Rheda 2000 ausgeführt werden. Damit ist dies bei weitem das größte Feste Fahrbahnprojekt in China, welches mit ausländischer Beteiligung realisiert werden soll. Die Inbetriebnahme der Bahnstrecke ist für 2010 vorgesehen.
Darüber hinaus bietet das riesige Land ein enormes Bahnentwicklungspotential, das vor allem ca. 12.000 km Hochgeschwindigkeitsstrecken – die so genannten PDL’s (Passenger Dedicated Line) – umfasst. In Deutschland, das neben Japan im Einsatz der Festen Fahrbahn-Technologie führend ist, wurden seit 1972 rund 800 Kilometer Gleis als Feste Fahrbahn verlegt.
Für die Planung und den Bau von
Rheda 2000 offeriert
Pfleiderer track systems mit seinen Partnerfirmen den chinesischen Bahnbetreibern neben kompetenter Beratung bei der Planung und dem Engineering auch die Unterstützung für den Bau der Festen Fahrbahnstrecke. Mehr als zwei Millionen spezielle
Rheda 2000-Zweiblockschwellen sollen hier eingebaut werden. Die
Pfleiderer track systems stellt hierzu im Zuge eines Joint Ventures ihre Produktionsanlagentechnik den chinesischen Schwellenherstellern zur Verfügung. Für den späteren Einbau liefern die Unternehmen Spezialmaschinen zur Justierung und Errichtung des Systems
Rheda 2000 direkt an die Strecke. Die Einbautechnik orientiert sich in erster Linie an den umfassenden Ergebnissen, die im holländischen Projekt
HSL ZUID gewonnen wurden.
Für die optimale Durchführung des Projekts wird die
Pfleiderer track systems eine Niederlassung vor Ort errichten. Hier werden Spezialisten tätig sein, die neben der Planung und dem Engineering auch die reibungslose Abwicklung sicherstellen.
Für Hans Bachmann, Bereichsvorstand der
Pfleiderer track systems, ist das Projekt ein weiterer Beleg dafür, dass das Unternehmen als technologisch führender Systemanbieter für Bahn-Infrastrukturtechnik international attraktive Markpotentiale erschließen kann: “Die Strecke, das unternehmerische Konzept und die Entscheidung für unser Fahrwegsystem
Rheda 2000 werden eine große Signalwirkung auf weitere internationale Hochgeschwindigkeitsprojekte der Bahnen haben.“
25.01.06
Kapitalerhöhung geplant
NEUMARKT. Die Pfleiderer AG will bis zum Jahr 2008 einen Umsatz von zwei Milliarden Euro erreichen.
Das sagte Vorstandssprecher Hans H. Overdiek in einem Gespräch mit der "Börsen-Zeitung" (Freitags-Ausgabe). Der durch das Kartellamt vorerst gestoppte Verkauf der Bahnschwellen-Aktivitäten an die Vossloh AG (
wir berichteten) werde Pfleiderer nicht aufhalten können: "Wir gehen davon aus, dass wir Ende April 2006 verkaufen", sagte Overdiek der Zeitung zufolge. Das Unternehmen sehe sich nach anderen Kaufinteressenten um, wenn Vossloh die Bedenken des Kartellamtes nicht ausräumen könne.

Hans H. Overdiek
Fotos:Pfleiderer AG
Mit dem Verkaufserlösen der Bahnschwellen-Aktivitäten, die Analysten auf rund 130 Millionen Euro schätzten, soll die Kunz-Übernahme zum Teil refinanziert werden, hieß es. Der Kauf der Kunz-Gruppe (
wir berichteten) dürfte einer der wichtigsten Bausteine bei Pfleiderer sein, um die hochgesteckten Ziele erreichen zu können.
Demnach soll im Jahr 2008 einen Umsatz von zwei Milliarden Euro angestrebt werden. Dabei soll die operative Rendite in Bezug auf das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) auf 16,5 bis 17 Prozent steigen. Dies entspräche in zwei Jahren - "unter Einbeziehung möglicher weiterer Zukäufe" - einem EBITDA von rund 340 bis 350 Millionen Euro.
In diesem Jahr strebt Pfleiderer ein EBITDA von mindestens 200 Millionen Euro bei 1,4 Milliarden Euro Umsatz an, was einer durchschnittlichen Jahresmarge von 14,3 Prozent entspräche.
Die Erwartungen seinen nach den Worten Overdieks eingetroffen. Der erhoffte Umsatzzuwachs auf zwei Milliarden Euro bis 2008 soll zur Hälfte aus eigener Kraft, zur anderen Hälfte aus weiteren Zukäufen kommen. Erneute Übernahmen sollen die Position des Unternehmens im Kerngeschäft stärken.
Um weitere Akquisitionen und Investitionen finanzieren zu können, sei im April eine Kapitalerhöhung geplant. Man gehe davon aus, zehn Millionen neue Stückaktien mit einem Bezugsrecht für Altaktionäre auszugeben. Overdiek rechnet dabei mit einem Bruttoerlös von rund 150 Millionen Euro.
Die Nachfrage im mitteleuropäischen Geschäft zieht nach Pfleiderer-Einschätzung an. Dazu zählt Overdiek neben Deutschland auch Polen, wo Pfleiderer mit einer eigenen börsennotierten Tochter vertreten ist. Aber auch das Exportgeschäft nach Benelux und Skandinavien verzeichne Zuwächse. "Wir spüren dies bei unseren Auftragseingängen. Unsere Kapazitäten sind derzeit voll ausgelastet", zitiert die "Börsen-Zeitung" den Vorstandssprecher. Die Preisniveaus seien "akzeptabel".
20.01.06
track systems-Verkauf geplatzt ?
NEUMARKT. Der Verkauf des Pfleiderer-Geschäftsbereichs
track systems scheint zu scheitern ! Das Kartellamt hat "nachhaltige Bedenken"!
Der Verkauf der
track systems an die Vossloh AG ist eigentlich seit Monaten perfekt. Im August wurde bereits ein Vertrag unterzeichnet (
wir berichteten). Doch jetzt muß sich die Pfleiderer AG möglicherweise nach einem neuen Käufer umsehen.
Pfleiderer beendet jedenfalls die "vereinbarte Exklusivität" mit Vossloh zur Übernahme der
track systems, hieß es am Donnerstag-Abend in einer
Ad hoc-Mitteilung. Gleichzeitig kündigte das Neumarkter Unternehmen die "Wiederaufnahme der Gespräche mit weiteren Interessenten" an.
Im Prozess der Freigabe zur Übernahme des Geschäftsbereiches
track systems der
Pfleiderer AG durch die
Vossloh AG habe
das Kartellamt "nachhaltige Bedenken" geäußert, hieß es von Pfleiderer. Damit bestünden für den Vorstand der
Pfleiderer AG deutliche Zweifel, dass die Transaktion mit der Vossloh AG zeitnah zum
Abschluss komme. Von
Vossloh hieß es dagegen, unter Umständen könnten die Bedenken des Bundeskartellamts ausgeräumt werden.
Trotzdem werde die mit Vossloh vertraglich vereinbarte Exklusivität zum Jahres-
ende 2005 aufgehoben, kündigte Pfleiderer an. Ab 1. Januar 2006 könne die Pfleiderer AG den Kaufvertrag
jederzeit beenden.
Die Pfleiderer AG nehme ab Januar 2006 die Gespräche mit potenziellen Käufern, die
zwischenzeitlich geruht haben, wieder auf. Und man habe keinen Ladenhüter anzubieten: Der Geschäftsbereich
track systems habe im
laufenden Geschäftsjahr operative Ergebnisse erwirtschaftet, die deutlich über den
Erwartungen lagen.
Foto:Pfleiderer AG
23.12.05