neumarktonline Dokumentation
Konstituierende Sitzung des Stadtrats
Von Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn
Sehr geehrte Mitglieder des Stadtrates,
sehr geehrte Herren Abteilungsleiter,
liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!
Heute ist ein Tag des Wechsels, ein Tag des Dankes und ein Tag des Aufbruchs. Wenn wir hier in dieser konstituierenden Sitzung zusammenkommen, dann tun wir das im Bewusstsein, dass Demokratie kein abstrakter Begriff aus den Lehrbüchern ist. Demokratie wird zum Beispiel im Stadtrats-Gremium mit Leben gefüllt. Sie lebt davon, dass Menschen bereit sind, ihre Freizeit, ihre Kraft und manchmal auch ihren Schlaf zu opfern, um Verantwortung für ihre Heimat zu übernehmen.
Manch einer stellt sich die Arbeit eines Stadtrates vielleicht als trockene Debatte vor. Doch wer im Rathaus-Saal am Tisch sitzt, weiß: Es ist weit mehr als das. Ein Stadtratsmitglied zu sein, ist ein Ehrenamt, das den ganzen Menschen fordert. Seinen Mut, sein Herz für die Stadt und seine unerschütterliche Zuversicht.
Was dürfen die Bürger von den 40 Neumarkter Stadträten erwarten? Und Gleiches gilt natürlich für die Bürgermeister.
Sachverstand und Neugier: Man muss bereit sein, sich in die Tiefe zu graben – egal ob es um die Statik einer Brücke, die Feinheiten des Haushaltsrechts oder die pädagogischen Konzepte unserer Kitas geht.
Rückgrat und Kompromissbereitschaft: Man braucht eine klare Haltung, aber auch die Größe, für das Gemeinwohl einen Schritt auf andere zuzugehen. Ein Kompromiss ist in der Politik kein Zeichen von Schwäche, sondern die höchste Kunst des Zusammenlebens.
Ein dickes Fell und ein offenes Ohr: Ein Stadtratsmitglied ist der erste Ansprechpartner beim Bäcker, im Verein oder beim Spaziergang. Man bekommt ungefiltertes Lob, aber oft auch deutliche Kritik zu hören. Diesen Spagat zwischen den Erwartungen der Bürger und der Realität der Machbarkeit auszuhalten, ist die eigentliche Herkulesaufgabe dieses Amtes.
Wir haben in der vergangenen Stadtrats-Periode oft intensiv gerungen. Ja, es war manchmal kontrovers – und das ist gut so! Reibung erzeugt Wärme, und Streit in der Sache ist der Motor des Fortschritts. Ich danke Ihnen allen ausdrücklich dafür, dass diese Diskussionen stets fair und respektvoll geführt wurden. Wir haben uns aber in jedem Fall danach immer wieder gemeinsam an einen Tisch gesetzt. Das ist das Fundament unserer politischen Kultur in Neumarkt.
Wenn wir auf die vergangenen sechs Jahre zurückblicken, wird die Dimension dieses Einsatzes erst durch Zahlen richtig greifbar: Sage und schreibe 266 Sitzungen des Stadtrats, der Senate oder der Ausschüsse fanden in dieser Zeit statt. Hinzu kamen Fraktionssitzungen oder Treffen der Bürgermeister und Fraktionsvorsitzenden und Vieles mehr.
Das ist kein Sprint, das ist ein Marathon des Ehrenamts. In diesen Sitzungen haben Sie die Weichen für die Zukunft unserer Stadt gestellt. Und die Ergebnisse können sich sehen lassen.
Die Rahmenbedingungen für Kommunen sind in den letzten Jahren wahrlich nicht einfacher geworden. Wir alle spüren den Druck: Die finanziellen Spielräume werden extrem enger, die Aufgaben der Städte nehmen zu. Doch dieses Gremium hat bewiesen, dass man auch in schwierigem Fahrwasser mutig investieren kann, ohne die nächste Generation zu belasten.
Sie alle haben mit Ihrer Arbeit Spuren in Neumarkt hinterlassen, die man nicht nur sehen, sondern auch in harten Zahlen messen kann und muss:
- Das Gesamtvolumen des Haushalts 2026 beträgt 184,5 Millionen Euro.
- Die Investitionen wurden für 2026 mit einem Betrag von 48,17 Millionen Euro geplant.
- Alleine die Ausgaben für Baukosten belaufen sich im Haushaltsansatz 2026 auf 33,8 Millionen Euro.
- Trotz dieser hohen Summe haben Sie darauf geachtet, dass Neumarkt handlungsfähig bleibt. Und so beträgt unsere Rücklage immer noch 59,5 Millionen Euro.
- Zusätzlich haben Sie allein im Jahr 2025 über 17,23 Millionen Euro an freiwilligen Leistungen genehmigt. Das ist das Geld für unsere Vereine, für die Kultur, für das soziale Miteinander – kurz: für die Seele unserer Stadt.
- Bei einem Schuldenstand von lediglich 21,10 Euro pro Kopf und gleichzeitig solch massiven Investitionen können wir mit Fug und Recht behaupten: Wir haben das Haus Neumarkt gemeinsam bestens bestellt.
Sie haben die Stadt nicht nur verwaltet, Sie haben sie aktiv gestaltet und vorangebracht. All diese Erfolge fielen nicht vom Himmel. Sie wurden in Sitzungen vorbereitet und hart erarbeitet. Ein Gremium ist jedoch immer im Fluss, und heute markiert diese Sitzung für viele von uns eine vielleicht auch schmerzliche Zäsur.
14 Mandatsträgerinnen und Mandatsträger scheiden heute aus diesem Gremium aus. Einige von Ihnen haben nur eine Periode gewirkt, andere haben über Jahrzehnte hinweg die Geschichte Neumarkts mitgeschrieben. Sie haben einen Teil Ihrer Lebenszeit in den Dienst der Allgemeinheit gestellt.
„Politik ist ein starkes, langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich." So hat der Soziologe Max Weber die Tätigkeit von Mandatsträgern beschrieben. Sie alle haben diese Bretter gebohrt. Sie haben Verantwortung getragen, auch wenn es schwierig war. Und Sie haben Weitblick bewiesen, als es um die großen Weichenstellungen ging. Neumarkt wäre heute nicht diese florierende, selbstbewusste Stadt ohne Ihren Einsatz.
Ich möchte nun diese 14 verdienten Personen einzeln in alphabetischer Reihenfolge aufrufen und sie mit dem Respekt und dem herzlichen Dank verabschieden, der ihnen nach dieser intensiven und erfolgreichen Zeit zusteht.
Es handelt sich hier um das zur Verfügung gestellte Rede-Manuskript. Die tatsächlich gehaltene Rede kann davon geringfügig abweichen
6.Mai 2026