neumarktonline Dokumentation
Neujahrsempfang der Stadt Neumarkt 2026
Von Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!
Sehr geehrte Gäste des Neujahrsempfangs der Stadt Neumarkt!
Es ist eine gute Tradition, dass wir uns heute zum Neujahrsempfang treffen. Nicht, weil es schon immer so war oder weil es im Terminkalender steht. Sondern weil wir uns einer Sache vergewissern müssen: Dass wir – trotz aller Unterschiede und aller Debatten – eine Schicksalsgemeinschaft sind. Dass diese Stadt mehr ist als eine Ansammlung von Gebäuden und Straßen. Nein, sie ist unser gemeinsames Projekt – unser Herzensprojekt.
Wenn wir ehrlich sind, dann spüren wir alle, dass der Wind in Deutschland rauer weht. Wir leben in einer Zeit, die viele Menschen als Dauer-Krise empfinden. Die Nachrichten aus der Weltpolitik, die wirtschaftlichen Sorgen, die Kriege in unserer Nachbarschaft – all das macht nicht an unseren Stadtgrenzen halt. Es sickert in unseren Alltag ein. Es sorgt für Verunsicherung, manchmal für Wut, oft für Erschöpfung.
Auch Kommunen sind im Krisen-Modus. Viele stehen vor großen finanziellen Herausforderungen. Auch in Neumarkt spüren wir diesen Gegenwind, wenn auch nicht in diesem Ausmaß. Dennoch gestaltet sich die Aufstellung des städtischen Haushalts für 2026 anspruchsvoll. Das zwingt uns zur Ehrlichkeit. Wir werden in diesem Jahr priorisieren müssen. Wir werden Nein sagen müssen zu Dingen, die wünschenswert wären, um Ja sagen zu können zu Dingen, die notwendig sind. Aber an einem werden wir nicht sparen: an der Zukunft unserer Kinder – also nicht an Bildung und nicht an der Infrastruktur.
Wir haben in Neumarkt noch Handlungsspielräume, um die uns viele Kommunen beneiden. Aber wir müssen wachsam bleiben.
Was uns auch auszeichnet: In unserer Stadtverwaltung arbeiten unglaublich viele kluge Köpfe. Experten in ihren Fachgebieten. Der Motor der Behörde läuft also. Das ist eine gute Basis, damit unsere Stadt vorankommen kann.
Der Erfolg der Verwaltung ist für mich die Summe aus Sparsamkeit und dem Fleiß der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wie meine ich das? Diese Verbindung aus Einsatzbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein ist für meine Verwaltung kein Selbstzweck, sondern täglich gelebte Praxis.
Fleiß bedeutet für mich, nicht nur viel zu tun, sondern es gut zu tun – mit Blick auf Wirkung und Nachhaltigkeit. Sparsamkeit wiederum heißt, das Beste aus unseren Ressourcen zu machen: klug zu entscheiden, geschickt zu planen und immer das Wohl der Bürgerinnen und Bürger im Blick zu behalten. Und ich finde, dass wir da gut unterwegs sind.
Ich möchte kurz einige wenige Projekte erwähnen, mit denen ich Ihnen zeigen kann, dass der Kurs stimmt:
Projekt 1- Thema Innenstadt: Unsere Testläufe für mehr Grün in der Marktstraße und am Rathausplatz wurden von der Bürgerschaft sehr positiv aufgenommen. Neue
Sitzgelegenheiten, Schatten spendende Bäume und Sonnensegel steigerten die Aufenthaltsqualität. Der sogenannte Spielbrunnen, der mehrere Wochen lang auf dem Rathausplatz aufgebaut war, war für Kinder und Familien eine Sensation. Das zeigt, dass wir das Element Wasser in der Innenstadt verstetigen müssen.
Projekt 2: Der Hochschul-Standort Neumarkt entwickelt sich gut. Die Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm bietet neben dem bestehenden Bachelor-Studiengang „Management in der Öko-Branche“ seit Beginn des Wintersemesters den Master-Studiengang „Nachhaltige Ernährungssysteme, Kreislauf- und Ressourcenwirtschaft“ an. Damit wuchs die Zahl der Professoren von drei auf sechs. Die Planung der Ohm sieht bis 2030 noch vier weitere Professoren-Stellen vor – dann insgesamt zehn. Bis dahin rechnet die Hochschule mit 400 Studierenden in Neumarkt. Bei der Gelegenheit möchte ich mich bei Finanzminister Albert Füracker und Wissenschaftsminister Markus Blume bedanken. Beide haben bei einem von der Stadt initiierten Gespräch über die Zukunft des Hochschul-Standorts unsere Bitte um Unterstützung gehört. Nicht vergessen dürfen wir natürlich die Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden, die eine tolle Arbeit leistet und im LGS-Schauturm untergebracht wird. Exemplarisch nenne ich hier neben Fort- und Weiterbildungsangeboten den Bereich HealthCare-Management.
Projekt 3: Der Umbau der OBI-Kreuzung ist eines der größten Straßen-Projekte in der Stadtgeschichte. 6,1 Millionen Euro sind für die Maßnahme veranschlagt, die noch bis Ende Oktober dauern wird. Aktuell sind wir auf den Tag genau im Zeitplan. Und wir hoffen, dass das so bleibt. Natürlich müssen die Verkehrsteilnehmer immer wieder Geduld aufbringen. Aber am Ende wird die Kreuzung, die täglich rund 24.000 Fahrzeuge nutzen, wesentlich leistungsfähiger sein.
Projekt 4: Neumarkt hat ein Herz für Familien. Aktuell werden in den Kinderbetreuungseinrichtungen der Stadt 1247 Kindergartenkinder und 372 Krippenkinder betreut, in Summe also 1619 Kinder. Der Bedarf wächst stetig. Mit der Kita „Neuer Markt“ und der geplanten „Kita Rotbuchenstraße“ bauen wir rechtzeitig an der Zukunft. Beide Einrichtungen werden uns in die Lage versetzen, vor die Bedarfswelle zu kommen. Wir können dann also in Sachen Platzangebot agieren anstatt reagieren zu müssen. Übrigens: Im Regierungsbezirk Oberpfalz hat Neumarkt dann die erste Kita, die auf einem Dach gebaut wird. Deswegen soll sie auch „Wolkennest“ heißen.
Projekt 5: Wir wollen nachhaltiges und bezahlbares Wohnen in Neumarkt. Deswegen freue ich mich, dass wir vergangenes Jahr den Zuschlag für ein Projekt der BayernHeim, einem Unternehmen des Freistaats, bekommen konnten. BayernHeim plant in Neumarkt rund 120 barrierefreie Wohnungen nach dem Prinzip der sogenannten einkommens-orientierten Förderung. Das hilft Familien mit mittlerem Einkommen – und sorgt dafür, dass für sie Wohnen finanzierbar bleibt.
Projekt 6: Wir nehmen die Anliegen unserer jungen Mitbürgerinnen und Mitbürger ernst. Bei einer Jugendbefragung hatten rund 400 Kinder und Jugendliche ihre Wünsche, Ideen und Bedarfe geäußert und sich so aktiv an der Entwicklung ihrer Stadt beteiligt. Der Dirt-Park wurde im Stadtteil Hasenheide bereits realisiert. Nun haben wir mit der weiteren Abarbeitung der Wunschliste auf dem Jugendplatz an der Mistelbacher Allee begonnen. Nach dem bereits fertigen Beachvolleyballfeld werden wir hier auch eine legale Graffiti Wand, Tischtennisplatten, einen Multifunktionsplatz und Sitzmöglichkeiten schaffen.
Projekt 7: Daseinsvorsorge ist das Versprechen der Stadt an ihre Bürgerinnen und Bürger. Wir sorgen für klares Trinkwasser, Parks und Grünflächen. Die Stadt saniert Schulen und schafft Einrichtungen, die Jung und Alt verbinden. Zur Daseinsvorsorge gehört übrigens auch, dass wir unsere Hilfsdienste dauerhaft gut ausstatten, Beispiel Feuerwehr: Das Feuerwehrhaus in Pölling ist fertig, in Stauf wurde die Baumaßnahme 2025 begonnen. Und Ende 2026 werden wir, wenn alles gut läuft, die Einweihung der Hauptfeuerwache feiern können.
Sie sehen: Wir schieben viele Dinge an!
Ermutigt werden wir in unserem Tun von durchaus guten Nachrichten, die es trotz der Krisenstimmung im Land für die Städte unserer Größenordnung gibt. Man verheißt uns eine gute Zukunft. Denn der Boom findet längst auch in den Mittelstädten, also jenseits der Metropolen, statt.
So verbreitet zum Beispiel die Bertelsmann-Stiftung in ihrem „Wegweiser Kommune“ Optimismus: Die Experten sagen eine Attraktivitätssteigerung voraus. Die Begründung: Städte wie Neumarkt ziehen Familien, Senioren und Pendler an, indem sie Nahversorgung, Bildung und Innovation bieten. Und sie entlasten Großstädte bei Wohnraum.
Dass sich Neumarkt nicht verstecken muss, hat uns vor wenigen Monaten auch das Wirtschaftsmagazin „Capital“ bestätigt. Wir gehören zum exklusiven Kreis der „100 besten Lagen“ in Deutschland.
Um als Stadt weiter erfolgreich zu sein, ist und bleibt es entscheidend, dass wir uns in der Kommunalpolitik in den großen Linien einig sind: In einer Welt, die immer unübersichtlicher wird, müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass unsere Stadt ein Anker der Stabilität bleibt.
Die Menschen erwarten von uns keine weltpolitischen Wunder. Sie erwarten, dass der Alltag funktioniert. Dass die Schule saniert wird. Dass der Bus kommt. Dass man sich sicher fühlt. Dass Genehmigungen schnell erteilt werden. Dass eine Stadt auch gemeinsam feiert.
Ich kann ihnen als Ihr Oberbürgermeister nicht versprechen, dass die Welt morgen wieder einfacher wird. Das wäre unredlich. Meine Aufgabe ist es, mit meiner Stadtverwaltung dafür zu sorgen, dass wir in dieser komplizierten Welt unseren Kurs als Stadt Neumarkt halten.
Und deshalb möchte ich heute Abend die Gelegenheit nutzen und mit Ihnen über meine Vorstellungen und Ziele sprechen. Darüber, wie wir uns in den Jahren bis 2035 zukunftssicher aufstellen und damit Neumarkt attraktiv und lebenswert halten können. Mein Anspruch ist, dass wir die dauerhafte Handlungsfähigkeit unserer Heimatstadt durch eine klare Prioritätensetzung sicherstellen. Und dafür brauchen wir einen Plan.
Mein Programm mit dem Titel „Zukunft 2035: Fortschritt. Verantwortung. Zusammenhalt.“ ist das Ergebnis von intensiven und produktiven Diskussionen mit meinen Verwaltungsspitzen. Wir haben über unsere strategischen Ziele gesprochen. Über die Haltung, die wir zur Zielerreichung in der Stadtverwaltung benötigen. Und wir haben uns – was entscheidend ist – auf Handlungsfelder verständigt, von denen wir glauben, dass sie für eine gute Zukunft Neumarkts entscheidend sind.
Das Ergebnis ist ein grundsätzliches Zielbild für unsere Heimatstadt. Diese Ideen möchte ich Ihnen heute vorstellen. Es wird dann die Aufgabe des neuen Stadtrats sein, mit uns diese
Gedanken aufzunehmen, die dafür nötigen vielfältigen Einzelmaßnahmen zu diskutieren und zu beschließen und in die Umsetzung zu bringen.
Natürlich dürfen Sie nicht erwarten, dass wir alles gleichzeitig in Angriff nehmen. Stellen Sie sich vor, Sie bauen Ihr eigenes Traumhaus. Sie fangen sicher nicht an, gleichzeitig Wände hochzuziehen, das Dach zu decken und den Garten anzulegen – das wäre das reinste Chaos! Stattdessen legen Sie zuerst das sichere Fundament.
Genau so werden wir in der Stadtverwaltung arbeiten: Unsere sieben Handlungsfelder werden zeitnah angepackt, aber ohne Hektik, damit alles stabil steht und langfristig unsere Stadt bereichert.
Was ist nun die Vision, nach der Politik in Neumarkt nach meiner Ansicht handeln soll?
„Wir gestalten ein lebenswertes und nachhaltiges Zuhause für alle Bürgerinnen und Bürger, Familien und Unternehmen.“
Das soll unser übergeordnetes und langfristiges Leitbild als Stadtverwaltung sein. Diese Vision ist deshalb wichtig, weil sie uns eine Richtung gibt, weil sie Entscheidungen bündelt und Ressourcen auf das Wesentliche fokussiert. Gerade in einer Stadtverwaltung, in der zig Themen parallel laufen müssen, ist dieser Kompass unabdingbar. So stellen wir sicher, dass alle Ämter in dieselbe Richtung arbeiten. Diese Vision ist so etwas wie der Polarstern, der uns immer daran erinnert, Kurs zu halten.
Eine Strategie für eine Stadt unserer Größe kann nicht gelingen, wenn man sich nicht gleichzeitig noch einmal den Auftrag und den Daseinszweck einer Verwaltung klar macht. Würde ich gefragt, wie ich mir die Haltung aller meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorstelle, würde ich folgendermaßen antworten:
„Als verantwortungsvolle Möglichmacher schaffen wir die besten Rahmenbedin-gungen für ein lebendiges Miteinander und ein spürbar gutes Lebensgefühl.
Mit echter Bürgernähe, Verlässlichkeit und Lösungskompetenz prägen wir das Leben in Neumarkt – heute und für kommende Generationen.“
Die Kern-Werte, die uns bei unserer Arbeit leiten sollen, sind Mut, Vertrauen und Weitsicht. Wir müssen als Verwaltung mutig nach vorne gehen, Dinge neu denken. Wir müssen Vertrauen in unsere Stärke haben, aber auch Vertrauen in die Bürgerinnen und Bürger und ihre Ideen. Wir begegnen den Bürgern auf Augenhöhe. Und wir brauchen bei der Zukunftsentwicklung Weitsicht. Wir als Verwaltung müssen vorausdenken und rechtzeitig die richtigen Weichen stellen.
Um unsere Stadt bis 2035 zukunftssicher aufzustellen, ist mein Vorschlag, dass wir sieben Handlungsfelder bearbeiten – wie gesagt: nicht alle gleichzeitig, sondern in einer sinnvollen Reihenfolge und dann umso intensiver.
Handlungsfeld 1: Aufwertung der Innenstadt:
Die Innenstadt ist das Herz Neumarkts – und ein Herz muss schlagen. Wir gestalten die Innenstadt bis 2035 zum urbanen Wohnzimmer: mit mehr Grün, Aufenthaltsqualität und Begegnung. Hier soll ein Mix aus Gastronomie, Kultur, Wohnen, Handwerk und Handel entstehen – ein Ort der echten Begegnung. Eine lebendige Innenstadt wirkt wie ein Magnet: Sie zieht Menschen an, fördert den Austausch und stärkt das lokale Gewerbe. Wenn wir das Zentrum attraktiv gestalten, schaffen wir einen Ort, an dem sich Sicherheit mit Lebensfreude paart und wo jede Generation ihren Platz findet – sei es beim Kaffeetrinken im Schatten der Bäume oder beim abendlichen Kulturgenuss.
Eine starke Mitte verhindert Vereinsamung und sorgt dafür, dass unsere Stadt ein wiedererkennbares Gesicht behält. Eine starke Mitte, das ist klar, muss aber auch gut erreichbar bleiben. Um diese Ziele zu verwirklichen, kann ich mir verschiedenste Maßnahmen vorstellen:
- klimaangepasste Begrünung
- die Entsiegelung von Bereichen durch Baumpflanzungen
- den Ausbau kostenloser Sitzbereiche in der Marktstraße und am Rathausplatz
- Wasserspiele
- eine Stärkung des Wochenmarkts
- Belebungsaktionen am Residenzplatz und im Stadtgraben
- die Unterstützung von Eigentümern bei Sanierungen
- und natürlich: Verkehrslösungen, die eine Innenstadt bereichern
Handlungsfeld 2: Familienfreundlichkeit:
Familien bilden die Mitte unserer Gesellschaft – und wenn sie hier gut leben können, ist das unser bester Standortfaktor. Eine Stadt, die für alle Menschen – von den Kindern bis zu den Senioren –gut ist, ist für alle Menschen gut. Familienfreundlichkeit bedeutet für uns, den Stress aus dem Alltag zu nehmen und echte Wahlfreiheit zu schaffen. Wenn junge Eltern wissen, dass ihre Kinder in besten Händen sind, können sie ihre beruflichen Träume verfolgen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
Gleichzeitig dürfen wir das Älterwerden nicht als Last, sondern als wertvolle Lebensphase begreifen. Unsere Senioren verfügen über einen Schatz an Erfahrung und Zeit, den wir in das Stadtleben noch stärker integrieren wollen. Wer hier aufwächst, soll hier auch alt werden wollen, weil er weiß: Hier wird niemand vergessen, und Unterstützung ist nur einen Steinwurf entfernt. Möglich wird das, wenn wir bis 2035 weiterhin in moderne Kitas, flexible Betreuungszeiten, sichere Schulwege, starke Schulen und generationengerechtes Wohnen investieren. Damit bekommen Kinder Chancen, Eltern die nötigen Freiräume und ältere Menschen die so wichtige Teilhabe.
Ich stelle mir auch vor, dass wir unsere schon jetzt vorhandenen Stärken plakativer im Stadt-Marketing darstellen. Denn nicht alle Angebote sind den Menschen bekannt.
Wir brauchen aber gleichzeitig Beteiligungsplattformen für alle Generationen. Die Schwarmintelligenz unserer Bürgerinnen und Bürger muss nur angezapft werden.
Handlungsfeld 3: Stärkung als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort
2035 soll Neumarkt weiterhin ein attraktiver Standort sein. Für Familienunternehmen. Für Unternehmen, die erweitern wollen. Aber auch für neue Ansiedlungen und für Innovations-Hubs. Denn ein starker Wirtschaftsstandort ist die Grundvoraussetzung für eine handlungsfähige Stadt. Nur wenn Unternehmen hier investieren und Arbeitsplätze schaffen, haben wir die Mittel, um Schulen, Kultur oder unsere Infrastruktur zu finanzieren.
Wirtschaft im Jahr 2035 bedeutet allerdings mehr als reine Industrieansiedlung: Wir müssen ein Ökosystem für Innovation schaffen. Wenn wir jungen Gründern den roten Teppich ausrollen, holen wir die Ideen von morgen heute schon in unsere Nachbarschaft. Wir wollen eine Stadt sein, in der Traditionshandwerk und High-Tech-Startups voneinander lernen. Das schafft eine Krisenfestigkeit, die uns auch in stürmischen Zeiten stabil hält.
Unsere kleine, aber feine Innovationsschmiede, das Maker’s Home, hat einen fulminanten Start hingelegt. Dort werden unternehmerische Herausforderungen von klugen Köpfen gelöst. Zukünftig müssen wir uns als Stadt hier noch kräftiger engagieren, denn das Gründungspotenzial ist wichtig für eine resiliente Wirtschaft in Neumarkt.
Handlungsfeld 4: Stärkung und Modernisierung der Infrastruktur
Infrastruktur ist für eine Stadt lebenswichtig, weil sie grundlegende Funktionen sicherstellt. Dieses Fundament muss unerschütterlich sein. Ein umfassender Infrastrukturplan, den wir zeitnah erstellen wollen, soll der Masterplan für unsere Daseinsvorsorge sein. Feste Bestandteile dieses Plans sind für mich Punkte wie die Instandhaltung bzw. die Erneuerung unserer Kläranlage, Straßensanierungen und Straßenbau-Projekte, technische Bauwerke wie Brücken, der Radwegebau, Projekte der sozialen Infrastruktur wie Kitas und Schulen sowie die Sanierung von Bestandsgebäuden, die der Stadt gehören.
Infrastruktur bedeutet heute aber auch Energie-Souveränität. Wir stellen unsere Energieversorgung lokal und regenerativ auf. Die Stadtwerke machen wichtige Schritte in diese Richtung. Mit zwei Groß-Photovoltaikanlagen sowie zwei Windkraftanlagen für unser eigenes Netz werden wir Energie für mehr als 22.000 Haushalte in Neumarkt liefern können. Vorausschauend ist, dass die Stadtwerke Speicherlösungen auf ihrer Agenda haben, mit denen wir das schwankende Angebot erneuerbarer Energien ausgleichen, das Stromnetz stabilisieren und die Versorgungssicherheit erhöhen können.
Handlungsfeld 5: Bezahlbarer Wohnraum
Bezahlbarer Wohnraum ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit und des Zusammenhalts. Das ist keine neue Erkenntnis. Doch der Weg zum Ziel ist ein schwieriger. Wir wollen bis zum Jahr 2035 in unserer Stadt Quartiere, in denen Durchmischung gelebt wird und in denen sich niemand zwischen der Miete und der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben entscheiden muss. Damit wir dieses Ziel erreichen können, müssen wir als Stadt mit unserer Wohnungsbaugesellschaft weiter Gas geben. Daneben brauchen wir unsere Bauträger, die qualitativ bauen. Aber an Bord müssen auch Privatleute. Gemeinsam müssen wir uns dem Ziel verschreiben, für Wohnraum zu sorgen. Bedenkenswerte Lösungen sind für mich beispielsweise die Vergabe städtischer Grundstücke nach Konzeptqualität oder lokalbezogene Angebote für Neumarkterinnen und Neumarkter.
Mit dem Bau-Turbo bekommen wir ein Instrument an die Hand, um einfacher Wohnraum schaffen zu können. Vorletzte Woche hat mit dem Stadtrat die Diskussion begonnen. Wir reden einerseits über die Konzepte der Siedlungspolitik und andererseits über eine einheitliche Grundlage, auf deren Basis die Verwaltung zügig entscheiden kann.
Handlungsfeld 6: Klimaanpassung und Klimaschutz
Wir spüren alle, dass sich unsere Umwelt verändert. Maßnahmen zur Klimaanpassung sind deswegen richtigerweise zu einer Maßgabe für Projekte einer Stadtverwaltung geworden.
Wenn wir unsere Stadt klimafest machen, investieren wir in die Gesundheit unserer Bürger. Mehr Grünflächen, Bäume und Wasserwege kühlen unsere Plätze und Straßen in heißen Sommern. Maßnahmen zur Klimaanpassung schützen aber auch das Hab und Gut der Bürger – etwa vor Starkregen-Ereignissen. Für all das benötigen wir Klimakonzepte, die für uns einen Handlungsleitfaden bilden.
Wir müssen auch das Prinzip der „Schwammstadt“ im Blick behalten. Das ist ein stadtplanerisches Konzept, bei dem Regenwasser möglichst vor Ort aufgenommen, gespeichert, versickert und wieder verdunstet wird. Aber wir sollten das nicht nur in Gebieten, die wir in unserer Stadt Neumarkt neu erschließen, umsetzen. Gute Beispiele gibt es bereits in der Maria-Hilf-Straße, im Eingangsbereich der Hochschule, in der Mühlstraße, bei den Außenanlagen des Donauer-Kindergartens, aber auch im Gewerbegebiet Stauf Süd.
Ich sehe diesen ökologischen Umbau als Chance, unsere Stadt attraktiver und lebenswerter zu machen. Dieses Versprechen muss die nächste Generation von uns auch erwarten dürfen.
Handlungsfeld 7: Digitalisierung
Um unsere Verwaltung zu digitalisieren, brauchen wir einen Masterplan. Er muss ganz unterschiedliche Fragen beantworten: Was wollen wir als Stadtverwaltung strategisch erreichen? Wie organisieren wir eine Optimierung unserer Verwaltungsprozesse? Auf welche Technologien setzen wir? Wie arbeiten wir datenschutzkonform? Wie qualifizieren wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter? Alles mit dem Ziel, eine effizientere, bürgerfreundlichere und transparentere Verwaltung zu schaffen.
Bis spätestens 2035 muss die Verwaltung nach meiner Vorstellung digitalisiert sein. Das bedeutet: Leistungen mobil, rund um die Uhr. Das entlastet nicht nur Sie als Bürgerinnen und Bürger, sondern gibt unseren Mitarbeitern im Rathaus die Freiheit zurück, sich um die komplexen Anliegen zu kümmern, die ein persönliches Gespräch erfordern. Denn der persönliche Kontakt wird auch in Zukunft nicht durch die Digitalisierung ersetzt werden können.
Meine Damen und Herren, diese sieben Punkte sind meine Top-Handlungsfelder für die Arbeit der Stadtverwaltung bis zum Jahr 2035. Ein herausforderndes Programm, zu dem es aber keine Alternative gibt. Würden wir das nicht angehen, würden wir mit der bisherigen Leitlinie der Stadtpolitik brechen, die da lautet: immer schon heute an das Morgen denken.
Aber eines ist natürlich auch klar: Allein kann ein Oberbürgermeister diese Vision nicht zum Leben erwecken. Auch eine Verwaltung kann das nicht. Denn unsere Stadt wird nicht nur im Rathaus gebaut. Sie wird vor allem von den Menschen gebaut, die in ihr leben.
Deshalb lade ich Sie alle, die Bürgerinnen und Bürger Neumarkts, ein: Werden Sie Teil dieses Prozesses. Aktive Bürgerbeteiligung gehört zu einer modernen Stadtentwicklung. Deshalb werden wir neue, zeitgemäße Formate des Dialogs schaffen, in denen Sie Ihre Anliegen und Ideen unkompliziert einbringen können, denn Sie sind die Experten für Ihren Alltag. Zu diesen Formaten gehören natürlich die Ortsteil-Bürgerversammlungen, die wir
auch in 2026 ausgiebig machen werden. Aber gleichzeitig werden wir daran arbeiten, ganz neue Formate zu finden.
Wir haben alle Chancen, die Stadt von morgen zu bauen. Eine, auf die wir stolz sein können – modern, sozial, nachhaltig. Und ich bin sicher: Wenn wir diesen Weg gemeinsam weitergehen – entschlossen, offen, optimistisch –, dann wird unsere Stadt 2035 eine wundervolle sein.
Ich danke Ihnen allen – für Ihr Vertrauen, Ihr Engagement, Ihr Mitwirken.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein gesundes, glückliches und friedliches Jahr 2026 – ein Jahr voller Zuversicht, voller Energie und voller Lust auf Zukunft!
Es handelt sich hier um das zur Verfügung gestellte Rede-Manuskript. Die tatsächlich gehaltene Rede kann davon geringfügig abweichen
23.Januar 2026