Musik, auf die man sich einlassen muss
NEUMARKT/OBERWEILING.
Die Kneipenbühne eröffnete am Samstag die neue Saison mit dem Dissonanzentrio. So nennen sich die drei jungen Musikwissenschaftler Markus Hahn, Konstantin Voigt und David Spischak, die sich beim Studium in Erlangen gefunden und beschlossen haben, „andere“ Musik zu machen - jenseits vom Mainstream.
Auf dem Programm stand dementsprechend minimal Music, verbunden mit Kirchenliedern, Freejazz, Jazzklassik - „Experimentelles“ also. Von der „Toccata in a-Moll“ über die „Hypnotische Jazznummer“ bis zum „Triptychon des Sonnenaufgangs für Farbenhörer“ war alles Mögliche geboten auf der Liste, die den Kneipenbühnen-Besuchern vorlag. Man konnte zum Beispiel gespannt sein, wie das klingt, wenn ein „altgriechisches Pattern permanent wiederholt“ und das Kirchenlied „Nun sich der Tag geendet hat“ (Adam Krieger, 1656) darüber gelegt wird: Leise begann der E-Bass, dann dazu sanftes Schlagen der Handtrommeln, das der geloopten und sampelten Viertonreihe Struktur verlieh. Darüber spielte die Gitarre Melodien, die an traumartige Unterwasserlandschaften erinnerten und heraus kam eine elegisch/coole Nummer, freie Musik ohne Netz und doppelten Boden, mit Mut zu Neuem und Verbindung zum Alten. Bemerkenswert!
Der Philosoph und Mathematiker an der Gitarre, der Kunsthistoriker und Bühnenkomponist am Schlagzeug, und der Freejazzer und Synästhetiker (heißt, dass er Musik als Farbnuancen sehen oder – umgekehrt - Farben hören kann) am Bass wurden im zweiten Set unterstützt von Dr. Thomas Röder (ehemaliges Mitglied der legendären Deutschrockband „Ihre Kinder“), Dozent für Musikwissenschaft an der Uni Erlangen, der auf Altsaxophon und Klarinette einen äußerst spannenden Beitrag zur Musik des Trios lieferte.
Das Vertrauen auf die eigene Musikalität und die Magie des gegenwärtigen Moments schafften Strukturen, die entweder streng tragende Fundamente waren oder sich leicht wie Zeichen im Wellenspiel ergaben. Dieses Spannungsfeld konnte natürlich nur umgesetzt werden, weil die Musiker in der Theorie gefestigt und im Spiel routiniert sind: Ihre Musik will nicht gefällig sein, ist aber ästhetisch. Die strengen Ideen verschiedener Stile gerieten spontan in ungedämpften Konflikt, und doch löste sich alles spielerisch auf, weil die Musiker gelernt haben von alten und neuen Meistern: Da wurde beispielsweise das Phase-Shifting mit Melodiepatterns von Steve Reich genutzt und gleichzeitig die serielle Arbeit mit zwölf Tönen a la Schönberg.
Man konnte sich als Zuhörer einfühlen in die treibende und zugleich ruhende Rhythmik von Miles Davis und John Coltrane, in die Lust an Zufall und Methode von John Cage, konnte sich einfühlen in die Sinnlichkeit griechischer Volkslieder und die kindliche Frömmigkeit alter Kirchengesänge – und spürte immer die Suche nach neuer Einheit.
Bei der ,,Griechenpolka vom kleinen Fischer'' schienen die großen Trommeln und der Bass geradezu zu singen, während die Gitarre anrührend zärtliche Melodien dazu entwarf. Ein besonderes Highlight bildete „Le Nouvel Loop“: Ein Takt aus Bachs c-Moll-Präludium, nach Prinzipien der Minimal Music bearbeitet, wiederholte sich in kontinuierlicher Verschiebung und Beschleunigung. Da konnte man in Trance verfallen ... Dagegen klang „Jean-Pierre“, ein Miles-Davis-Stück, geradezu sexy.
Musik, auf die man sich einlassen muss. Man bekommt dergleichen schließlich nicht so schnell wieder zu hören.
Vorschau:
Mr. Jones in OWei
NEUMARKT/OBERWEILING. Am Samstag gibt der Liedermacher Mr. Jones sein um ein Jahr verspätetes Debüt (es musste im vergangenen Jahr wegen Erkrankung entfallen) in der Kneipenbühne, denn bereits im Herbst 2002 erschien das hervorragende neues Album 'Waitin' For Me', das er damals gerne dem O'wei'-Publikum vorgestellt hätte.
Noch mehr als bei seinen beiden ersten CDs wird klar, dass dieses Werk eines Senkrechtstarters in der Folk und Singer/Songwriterszene auch weit über die Grenzen dieses Genres hinaus Gehör finden wird. Die intensiven, mit Gitarre und Mundharmonika und einer sehr wandlungsfähigen Stimme vorgetragenen Songs faszinieren jeden Zuhörer. Mit diesem neuen Werk wird Mr Jones dem Namen, den er sich in den letzten Jahren bei Songwriterkollegen und beim Publikum gemacht hat, wieder einmal mehr als gerecht. Presse, Rundfunk und eine immer größer werdende Fangemeinde loben denn auch mit Recht seine 'hervorragend erzählten Road Stories' und 'eine Musik, die sich keinen Trends anpasst, sondern unverfälscht und ehrlich ist'.
Während auf der neuen CD mit Ausnahme zweier Cover-Versionen nur eigene Werke von Mr Jones zu hören sind, bietet sich live für den Zuhörer zudem noch ein weitreichendes Repertoire von traditionellen Folksongs über Lieder des frühen Bob Dylan bis hin zu Interpretationen der Werke diverser amerikanischer Singer/Songwriter. Deshalb ist auch für jeden an handgemachter Musik Interessierten etwas zu finden ist, wenn Mr Jones die Bühne betritt. Und gerade weil seine Musik aufgrund dieser Vielseitigkeit in keine Schublade passt, ist sie so interessant und hörenswert.
Neben diversen Auftritten in renommierten Clubs in den Staaten und in Europa wurde Mr Jones in den letzten Jahren bereits zu mehreren Live Radio Shows in die USA eingeladen. Airplay auf Radiostationen in weltweit 14 Ländern brachte ihm Vergleiche mit dem 'akustischen Neil Young zu seiner besten Zeit', einem 'Vertreter der glorreichen Zeit des Greenwich Village' und andere Prädikate, sowie durchweg hervorragende Kritiken ein.
An die neue CD schloss sich im Oktober 2002 eine Tour durch Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien, Holland, England und Schottland an. Dies zusammen mit dem erstklassigen amerikanischen Singer/ Songwriter Eric Taylor, der die Mr Jones CD ‚Waitin' For Me' in Houston, Texas produziert hat.
Die Tatsache, dass sich für die Aufnahmen zur aktuellen CD Musiker ersten Ranges eingefunden haben, unterstreicht die Einzigartigkeit dieses Künstlers, der von vielen als der 'einzige authentische amerikanische Singer/ Song-writer im deutschen Sprachraum' bezeichnet wird.
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