"Handlungsspielräume nutzen"NEUMARKT. Die Pfleiderer AG wird im laufenden Geschäftsjahr der Konjunkturschwäche in Deutschland mit einem umfangreichen Maßnahmen-Paket zur Ergebnissicherung begegnen und durch die Ausweitung ihrer internationalen Aktivitäten neue Wachstums- und Ertragspotenziale erschließen. Wie der Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Ralf H. Bufe auf der Hauptversammlung der Gesellschaft am Dienstag in der Neumarkter Jurahalle erläuterte, will das Unternehmen bis Ende 2003 rund 50 Mio. Euro an Sach- und Personalkosten einsparen bzw. durch Produktivitätsfortschritte zusätzlich erlösen.Den jüngsten Großauftrag von rund 80 Mio. Euro für die Pfleiderer track systems, den das Unternehmen für die Beteiligung am Bau der neuen holländischen Hochgeschwindigkeitsstrecke erhielt, bezeichnete Bufe als großen Erfolg bei der weiteren Internationalisierung der Geschäftsaktivitäten. „Unsere Maßnahmen zielen nicht nur darauf ab, unsere Standorte zu erhalten und die große Mehrzahl der Arbeitsplätze zu sichern. Wir wollen unsere Produktivität erhöhen und die Ertragskraft steigern,“ so Prof. Bufe, der deutlich machte, dass alle wesentlichen operativen Bereiche des Konzerns auch unter schwierigen Marktbedingungen profitabel arbeiten, die internationalen Aktivitäten aber einen überdurchschnittlichen Ergebnisbeitrag liefern. „Unsere beiden polnischen Werke, die zum Umsatz der Pfleiderer Holzwerkstoffe rund ein Drittel beisteuern, profitieren von der dynamischen Nachfrageentwicklung in Polen und Osteuropa.“ Der Auslandsanteil am Konzern-Umsatz der 2002 bei 48,4 Prozent lag, soll kontinuierlich auf deutlich über 50 Prozent ausgebaut werden. So laufen derzeit u.a. die Planungen zum Bau eines neuen Produktionsstandortes für Holzwerkstoffe in Russland. Im Geschäftsjahr 2002 hatte sich die Pfleiderer AG auf die beiden Geschäftsbereiche Holzwerkstoffe und Infrastrukturtechnik fokussiert und die baunahen Bereiche Fenster und Türen sowie Dämmstofftechnik erfolgreich abgegeben. Mit den Veräußerungserlösen in Höhe von rund 225 Mio. Euro konnte das Unternehmen seine Konzern-Nettoverschuldung um rund 40 Prozent auf 307,7 Mio. Euro zurückführen, seine Risikostruktur nachhaltig verbessern und seine unternehmerischen Handlungsspielräume sichern. „In wirtschaftlich schwierigen Zeiten hat Stabilität für uns Vorrang“, so Prof. Bufe. „Mit der Fokussierung auf zwei Bereiche haben wir solide und stabile Grundlagen geschaffen. Darauf können wir aufbauen, um neue Wachstumschancen zu nutzen und unsere Ertragskraft zu steigern.“ Bei weitgehend stabilen Umsatzerlösen in Höhe von 1.028,4 Mio. Euro erzielte der Pfleiderer Konzern zum 31.12.2002 ein operatives Ergebnis (EBT der fortzuführenden Aktivitäten) von 33,6 Mio. Euro. In der Folge des Desinvestments kam es jedoch zu Buchverlusten, die sich zusammen mit anderen Einmaleffekten auf insgesamt 52,5 Mio. Euro summierten. Dadurch belief sich das EBT nach außerordentlichen Belastungen im Geschäftsjahr 2002 auf minus 18,8 Mio. Euro. Keine GewinnausschüttungZum Ausgleich der negativen Einmaleffekte im Einzelabschluss der Pfleiderer AG wurde auf die Kapitalrücklage der Gesellschaft zurück gegriffen, so dass gemäß § 150 Abs.1 Aktiengesetz für 2002 keine Gewinnausschüttung erfolgen durfte. Diesen Preis habe man bewußt in Kauf genommen, um durch die erfolgten Weichenstellungen eine stabile Unternehmensentwicklung in den kommenden Jahren zu sichern, appellierte der Vorstand an die anwesenden Aktionäre. „Wir haben hier langfristigen Perspektiven für unseren Unternehmenswert klar den Vorrang gegeben vor kurzfristigen Rendite-Effekten.“Für das kommende Jahr, so Prof. Bufe, sei es das Ziel, wieder eine Dividende auszuschütten, “wenn Unternehmensergebnis und Cashflow es erlauben.“ Das Maßnahmen-Paket zur Ergebnissicherung und -steigerung, das im März / April dieses Jahres beschlossen worden war, wird derzeit planmäßig umgesetzt. Von dem angestrebten Einsparvolumen in Höhe von 50 Mio. Euro konnte bis Ende Mai bereits mehr als ein Viertel realisiert werden. Der Großteil der Kostenreduzierungen wird im dritten und vierten Quartal wirksam werden. Nach erfahrungsgemäß schwachen Sommermonaten ist dann aufgrund der üblichen saisonalen Branchenzyklen auch mit einer deutlichen Belebung der Umsatz- und Ergebnisentwicklung im Bereich Holzwerkstoffe zu rechnen. Zusätzliche Impulse werden in der zweiten Jahreshälfte vom neuen Marken- und Vertriebskonzept ausgehen, mit dem die Pfleiderer Holzwerkstoffe ihre Marktpräsenz stärken und die Wertschöpfung erhöhen wollen. Große Erwartungen verbindet die Pfleiderer AG mit ihrem Bereich Verkehrssysteme. Er verfügt mit dem patentierten System der „Festen Fahrbahn“ über ein technologisches Spitzenprodukt, das sich beim Neubau von Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecken durch besondere Vorteile hinsichtlich Präzision, Belastbarkeit, Haltbarkeit und Sicherheit auszeichnet. Neben der Beteiligung am Bau der neuen holländischen Hochgeschwindigkeitsstrecke HSL-ZUID / NL, erhielt die Pfleiderer track systems vor kurzem den Auftrag für das Engineering an der ersten Hochgeschwindigkeitsstrecke Taiwans. Der Abschluss des Folgeauftrags für die Lieferung von Bahnschwellen wird in Kürze erwartet. Das Projekt mit einem Gesamtvolumen für die Pfleiderer AG von rund 20 Mio. Euro eröffnet gute Chancen zum Einstieg in den asiatischen Wachstumsmarkt. Für das laufende Geschäftsjahr geht der Vorstand der Pfleiderer AG davon aus, dass die Umsatzerlöse zum 31. Dezember 2003 erneut über der Schwelle von 1 Mrd. Euro liegen werden. Bei einer weiterhin erfolgreichen Umsetzung der Maßnahmen zur Ergebnissicherung erwartet das Unternehmen zum Jahresende ein operatives Ergebnis im positiven zweistelligen Millionen Euro-Bereich. Erstellt am
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