MdB Alois Karl

Gemischte Gefühle

NEUMARKT. Mit Blick auf seine Heimatstadt Neumarkt zog Alois Karl auf der sonnigen Terrasse des Berggasthofes Sammüller eine positive Bilanz hinsichtlich seines persönlichen Wahlkampfes und dem Erststimmenergebnis.

Die Basis hierfür seien nicht nur seine Erfolge als Neumarkter Oberbürgermeister gewesen. Vielmehr habe er von Dietfurt bis Auerbach in den letzten sechs Wochen neben seinem Amt als Oberbürgermeister noch 160 Ortstermine wahrgenommen. „58,8 Prozent Erstimmen ist ein Vertrauensbeweis der Bürger, der mich doch sehr gefreut hat. Dies gilt umso mehr, da ich schon bei meiner ersten Kandidatur das Ergebnis von Rudolf Kraus im Wahljahr 2002 beinahe einstellen konnte, ohne dabei auf den Stoiber-Bonus hinsichtlich einer Kanzlerkandidatur aufbauen zu können“, bilanzierte Alois Karl. Auch in der CSU-Landesgruppe sehe man das Abschneiden von Alois Karl sehr positiv, wie der Neumarkter aus einem Telefonat mit deren Parlamentarischem Geschäftsführer, Dr. Peter Ramsauer, zu berichten wusste. „Es war für mich schon positiv überraschend, dass ich bei meiner erstmaligen Kandidatur gleich das beste Erststimmenergebnis in der Oberpfalz einfahren konnte. Und auch im bayernweiten Vergleich haben mich die Bürger des Wahlkreises besser gewählt, als dies bei zwei Drittel der anderen CSU-Direktbewerber der Fall war“, zeigte sich Alois Karl erfreut.

Gemischt fiel hingegen die Bilanz hinsichtlich des Abschneidens der CDU/CSU auf höherer Ebene aus. Wenn in Bayern die CSU 44 von 45 Direktwahlkreisen gewonnen habe, so müsse man von einem guten Ergebnis sprechen. Leider habe die CSU dennoch bei der Zweitstimme einige Verluste hinnehmen müssen. Diese Verluste seien auch auf eine massive Zweistimmenkampagne der FDP zurückzuführen, die zu Lasten der CSU-Listenbewerber bei vielen Bürgern verfangen habe. Die Union werden bei der Fraktionssitzung in Berlin sicherlich auch besprechen, wie sie künftig auf solche Aktionen reagieren wolle.

Angesprochen auf das Gesamtwahlergebnis räumte Karl ein, dass dies für die Politik eine Herausforderung darstelle: "Die Wähler wollen nicht rot-grün und einen Bundeskanzler Gerhard Schröder. 58 Prozent haben gegen diese Option gestimmt". Leider hätten nur 45 Prozent aktiv für eine schwarz-gelbe Regierung votiert, die für einen Wechsel in unserem Land geworben habe.

Zu den Chancen einer schwarz-gelb-grünen Bundesregierung sagte der künftige Bundestagsabgeordnete, daß zunächst geprüft werden müsse, welche inhaltlichen Schnittmengen sich bei Sondierungsgesprächen abzeichneten. Sicherlich gebe es in Teilbereichen, wie Wirtschaft oder Steuern einige Berührungspunkte, während in Bereichen, wie der Energiepolitik, unterschiedliche Positionen vorhanden seien.

Zu Äußerungen aus den Kreisen der Neumarkter SPD, Alois Karl werde unter Günther Beckstein das Amt eines Parlamentarischen Staatssekretärs beim Bundesinnenminister übertragen werden, stellte Karl klar: Zunächst gelte es mögliche Koalitionen und Sachfragen zu klären, bevor man über Posten rede. Daher wolle er sich zu jetzigem Zeitpunkt an keinen derartigen Spekulationen beteiligen.

Zudem hätten die Wahlergebnisse gezeigt, dass manches öffentlich aufgebauscht werde, was in der Realität kaum eine Rolle spiele. So haben Karl 72 Prozent der Berchinger ihre Stimme gegeben. Dies sei ein hervorragendes Ergebnis, dass auf dem Niveau von Rudolf Kraus aus dem Jahr 1998 liege: "Viele Berchinger wissen noch sehr genau, dass ich gemeinsam mit den Berchingern für ein Gymnasium in ihrer Stadt votiert habe. Deshalb habe ich den unechten Kompromiss des Kultusministeriums – Gymnasium für Beilngries, Realschule für Berching – für nicht sachgerecht gehalten und mich dagegen ausgesprochen“ erläuterte der künftige Wahlkreisabgeordnete weiter.

Wie sehr ein konsequentes Eintreten bei den Bürgern geschätzt werde, hätten ihn zahlreiche Gespräch bei Veranstaltungen und Infoständen gezeigt. Viele Neumarkter hätten ihm spontan gesagt, dass sie ihn gerne als „ihren OB“ behalten würden. Umso höher sei es als ein Zeichen der Wertschätzung und Treue der Stadtbürger zu werten, dass ihm über 65 Prozent der Neumarkter ihre Stimme für ein Mandat in Berlin gegeben hätten, bilanzierte Alois Karl.

Danach stellte der künftige Bundestagsabgeordnete seine weiteren Schritte vor. Für den 13. Oktober sei die Konstituierung des 16. Deutschen Bundestages vorgesehen. In der Folgewoche sei die Wahl "der neuen Kanzlerin" geplant, die dann eine Woche später eine Regierungserklärung im Bundestag halten werde - was aber derzeit alles nur unter dem Vorbehalt einer entsprechenden Regierungsbildung zu sehen sei.

Für Alois Karl bedeutet dies, dass er voraussichtlich am 13. Oktober sein Amt des Oberbürgermeisters niederlegen werde. Als Termin für die Oberbürgermeisterwahlen habe man sich bereits fraktionsübergreifend auf den 4. Dezember geeinigt, so dass die Parteien bis 13. Oktober ihre Kandidaten küren müssen.

Bereits jetzt hat Karl die ersten Weichen in Berlin gestellt. Bis er sich in Kürze eine eigene Berliner Unterkunft gesucht hat, kann er bei Bekannten in der Hauptstadt übernachten. Auch hinsichtlich des Personals hat er bereits Nägel mit Köpfen gemacht. In seinem Berliner Büro wird er die ehemalige Sekretärin von Rudolf Kraus übernehmen. Inhaltlich soll ihm mit Harald Frank zuarbeiten, der bereits bei drei anderen oberpfälzer Abgeordneten beschäftigt war und mit dem Berliner Umfeld vertraut ist.

Klar dementierte der scheidende Oberbürgermeister Spekulationen, er werde bisherige Mitarbeiter aus dem Rathaus mit nach Berlin nehmen: „Ich werde kein Personal aus der Stadtverwaltung abziehen. Schließlich soll mein Nachfolger auf ein eingespieltes Team bauen können.“
19.09.05

1,6 Prozentpunkte weniger

NEUMARKT. Alois Karl hat gegenüber seinem Vorgänger Rudolf Kraus vor drei Jahren 1,6 Prozentpunkte verloren.

Im Wahlkreis Amberg-Neumarkt wurde Karl von 96.172 Menschen gewählt, das sind 58,8 Prozent der Stimmen. Kraus hatte drei Jahre zuvor 60,4 Prozent erreicht. Im Vergleich zum Zweitstimmenergebnis ist dieser Rückgang allerdings durchaus moderat: Die CSU erhielt nur noch 52,2 Prozent gegenüber 63,5 Prozent vor drei Jahren.

Noch stärker war der Erststimmen-Rückgang bei den Sozialdemokraten: Christian Beyer erreichte 25,2 Prozent der Erststimmen (2002: 28,6 Prozent), die SPD legte dagegen von 25,7 auf 26,1 Prozent leicht zu.

Klare Gewinner der Wahl sind die Grünen mit 5,0 Prozent (4,5) der Erst- und 5,3 (4,7) Prozent der Zweitstimmen, die FDP mit 4,4 (3,8)Prozent der Erst- und 7,4 (3,5) Prozent der Zweitstimmen und die Linke mit 3,1 (PDS: 0,7) Prozent der Erststimmen und 3,5 (PDS: 0,5) Prozent der Zweitstimmen.
Diagramm: bundestagswahl2005.bayern.de

19.09.05

Keine Feierlaune




NEUMARKT. Erhebliche Verluste für die Union in Bund und Land - respekable Ergebnisse für CSU-Kandidat Alois Karl in Neumarkt und Amberg - bei der Neumarkter CSU wußte man am Sonntagabend nicht, ob man feiern oder trauern sollte. Karl holte im Landkreis Neumarkt 67,5 Prozent der Stimmen.

Im Landkreis Amberg-Sulzbach kam der frischgebackene Bundestagsabgeordnete auf 54,8 Prozent - so daß Karl insgesamt das letzte Ergebnis seines Amberger Vorgängers Rudolf Kraus nicht ganz erreichte.

Alois Karls erster Weg, als er von der Amberger Wahlparty am Abend in seiner Heimatstadt eintraf, führte ins Rathaus. Doch nicht aus Wehmut, sondern weil er dort die neuesten Wahlergebnisse erfuhr. Erst dann marschierte er von einem Musikduo und zahlreichen Parteifreunden begleitet ins Feuerwehrhaus, wo er zwar mit großem Applaus begrüßt wurde, wo aber nicht so rechte Feierlaune aufkommen wollte.

Obwohl Karl noch im Rathaus gesagt hatte: "Jetzt gehen wir einen löten, denn das haben wir uns verdient!"

"Wir haben ein ganze hervorragendes Ergebnis erzielt", sagte Karl bei der Zusammenkunft , die einfach nicht so recht zur Siegesfeier werden wollte. "Wir haben gearbeitet und gekämpft und haben gewonnen" . Den Einbruch der Union und vor allem der CSU in Bayern kam auch für Karl wie aus heiterem Himmel: "Gestern hat der Beckstein noch zu mir gesagter, die Zahlen stabilisieren sich".

"Das Ergebnis von Alois Karl ist hervorragend, das Zweitstimmenergebnis liegt im Trend", sagte CSU-Kreisvorsitzender Albert Füracker in einer ersten Stellungnahme gegenüber neumarktonline. Und bei den Zweitstimmen müsse man berücksichtigen, daß sich bei der letzten Wahl der "Stoiber-Effekt" ausgewirkt habe. Für eine "Katastrophe" hielt es Füracker, "daß zum ersten Mal am Abend einer Wahl nicht feststeht, wer Deutschland regieren wird."
18.09.05


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