Man spricht miteinander


Forstwirtschaft und Naturschützer sprechen wieder miteinander
Foto: Greiner
NEUMARKT. Naturschutz und Waldwirtschaft standen sich vor etlichen Jahren noch beinahe unversöhnlich gegenüber. Jetzt spricht man miteinander - jedenfalls im Landkreis Neumarkt.

Man wolle den Dialog wieder aufnehmen, hieß es zum Beispiel vom Bund Naturschutz. Das begann im Herbst mit einer gemeinsamen Waldbegehung am Läufelberg bei Altenveldorf und wurde jetzt mit einem Vortragsabend in Mühlhausen fortgesetzt.

Noch vor einigen Jahren lagen die Vorstellungen von Forstwirtschaft und Naturschutz oft weit auseinander. Inzwischen jedoch stehe mit Harald Gebhardt dem Neumarkter Landwirtschaftsamt ein Chef vor, der auf die Kritiker der Waldbewirtschaftung zugehe und die Notwendigkeit des Naturschutzes im Wald deutlich bejahe, sagte Alfons Greiner vom BN-Vorstand.


Mühlhausen hatten die Naturschützer gewählt, weil die Absicht der Forstverwaltung, einen Waldweg in den Ellmannsdorfer Wald zu bauen, der für 40-Tonner ausgelegt ist, auf wenig Gegenliebe stieß. Dies zeigte auch die Diskussion, in der eine Reihe der Zuhörer wenig Verständnis für eine solche Maßnahme zeigten.

In seinem Vortrag ging Gebhardt zunächst auf die Waldverteilung im Landkreis Neumarkt ein. Während der Waldanteil prozentual etwa dem bayerischen Durchschnitt entspricht, hat der Landkreis Neumarkt einen recht hohen Anteil an Privatwald. Dafür und für die körperschaftlichen Waldbesitzer ist in Bayern die Bayerische Forstverwaltung zuständig, für den Staatswald sind es die Bayerischen Staatsforsten.

Ohne menschliches Zutun würde in Bayern in weiten Bereichen Buchenwald vorherrschen. Durch extreme Nutzung der Wälder in vergangenen Jahrhunderten habe es aber vielfach eine starke Übernutzung und Verarmung der Waldstandorte gegeben. Hier habe eine umsichtige Forstwirtschaft Fehler der Vergangenheit beseitigt und stehe jetzt wegen der immer stärker spürbaren Klimaerwärmung wieder vor einer großen Herausforderung. Hinzu komme ein nicht unbeträchtlicher Eintrag an Stickstoff aus der Luft.

Andererseits sind beträchtliche Erfolge im Bereich des Naturschutzes und der Artenvielfalt zu vermelden, so Harald Gebhardt. Dazu gehört, dass der Totholzanteil im Wald bundesweit steigt und damit viele Arten wieder einen Lebensraum finden, der im Plantagenwald verloren ging. Gebhardt sieht den Artenschutz im gesamten Wald auf einem guten Weg und er äußerte auch die Bitte, Standorte von seltenen Arten wie zum Beispiel dem Habicht zu melden, denn nur wenn der Horststandort bekannt ist, kann zur kritischen Brut- und Aufzuchtzeit die forstwirtschaftliche Tätigkeit im größeren Umkreis eingestellt werden.

Die Naturschützer zeigten sich erfreut, dass dem Artenschutz im Forst wieder deutlich mehr Augenmerk gewidmet werde. Andererseits kam auch sehr deutlich die Klage, dass der Schutz der Fledermäuse fast nur noch von Privatpersonen betrieben wird und das Forstpersonal im Gegensatz zu früher hierfür keine Zeit mehr habe. Denn auch hier stünde der Staat in der Verantwortung.

Am Beispiel der Esche wollte Harald Gebhardt zeigen, wie schwierig es ist, den Waldbesitzern die richtigen Ratschläge zu geben. Durch die Einwanderung eines Pilzes aus Asien stehen die Eschen jetzt vor dem Absterben. Davor gab es für diese Baumart keine Probleme.

Der Fichte macht die Klimaerwärmung zu schaffen. Die Waldklimastation Altdorf könne bereits eine Temperaturerhöhung von einem Grad celsius nachweisen. Die Klimakonferenz von Paris hat 1,5 Grad Erwärmung als Maximum ausgegeben. „Da sind wir schon verdammt nah dran“, hieß es in Mühlhausen.

Hinzu kommt, dass die Wasserversorgung der Bäume extremer wird. Die Trockenphasen werden länger und damit sind die Bäume geschwächt. Und hier befürchten viele Naturschützer eine weitere Gefahr, wenn der Waldwegebau weiterhin so zunimmt.

Für Gebhardt ist der Einsatz von großen Maschinen unumgänglich und es komme vor allem darauf an, wie der Mensch mit der Maschine umgeht. Ein Harvester könne oft schonender im Wald agieren als ein Rücke-Pferd. Andererseits werde der Gebrauch von vielen hundert PS für manchen Maschinisten zum Selbstzweck.

Hier wird es weitere Diskussionen geben, denn es war klar, dass es beim Waldwegebau und beim Maschineneinsatz unterschiedliche Standpunkte gibt. Beim Aspekt „Wald als Lebensraum“ gibt es dagegen viele Gemeinsamkeiten von Naturschützern und dem Leiter des Landwirtschaftsamtes. Für den BN werde von entscheidender Bedeutung sein, wie sich das Gesamtkonzept Naturwaldflächen in Bayern entwickelt, denn hier sei aus Sicht des Natur- und Artenschutzes noch viel zu entwickeln.

Der Landkreis wird zwar keinen Nationalpark bekommen, aber Flächen im Wald, die sich selbst überlassen bleiben, sind nötig, hieß es. Und wie wichtig Wildnis für den Menschen sei, sehe man beim Bund Naturschutz in Neumarkt immer wieder, wenn vor allem junge Menschen ins Deusmauerer Moor geführt werden. „Wir brauchen Wildnis, auch in unserer Heimat“, so Alfons Greiner.
28.11.17
Neumarkt: Man spricht miteinander
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