Heute ein Erfolgsmodell


Vor der Mitgliederversammlung wurde eine Führung über das Außengelände mit den Baumhäusern am Umweltbildungszentrum angeboten
Foto: LPV
NEUMARKT. Das Umweltbildungs- und Regionalentwicklungszentrum "Haus am Habsberg" feiert heuer sein zehnjähriges Bestehen und das Projekt Juradistl erhielt erst vor wenigen Tagen den Deutschen Landschaftspflegepreis.

Das und manch weiteres sehr Erfreuliche konnte Landrat und Vorstandsvorsitzender Willibald Gailler bei der Mitgliederversammlung berichten.

Ganz zu Beginn seines Berichts stellte Landrat Gailler das nun zehnjährige Bestehen des "Hauses am Habsberg" heraus, für das der Landschaftspflegeverband von Beginn an die fachlich-inhaltliche Leitung innehat.

Was im Juli 2007 als Einstieg des Landkreises in die Umweltbildung begann, sei heute ein Erfolgsmodell. Das Umweltbildungszentrum sei fest verankert in der Region und in den Köpfen der Menschen, sagte Gailler.

Jahr für Jahr nehmen mehr als 10.000 Personen die Bildungsangebote wahr. Im vergangenen Jahr fanden 330 Veranstaltungen statt. Ein deutlicher Schwerpunkt liegt bei den Umweltbildungseinheiten für Schulklassen, die eine ganz zentrale Zielgruppe sind. Kinder und Jugendliche an die Natur, an den bewussten Umgang mit Lebensmitteln oder an das Gärtnern heranzuführen, dafür Freude zu wecken und hier Kompetenzen auszubilden, sei eine zentrale Aufgabe für die Zukunftsgestaltung.

Die jährlich etwa 70 öffentlichen Veranstaltungen im Jahresprogramm spiegeln das Grundthema des "Hauses am Habsberg".


"Nachhaltig leben - von der Tradition zur Moderne", Obstbaumschnittkurse, Sensenmähkurse, Alte Gemüsesorten neu entdecken, ein Besuch bei einem Juradistl-Schäfer, eine Fledermausnacht oder eine Naturführung am Kuppenalb-Wanderweg - all das werde mit hoher Qualität angeboten. Und das wüßten die Besucher zu schätzen - die Angebote und Kurse sind fast immer ausgebucht.

Dieses große Interesse zeigte sich auch beim Erlebnistag zum Jubiläum am Sonntag vor zwei Wochen. Rund 1000 Besucher nutzten das Angebot, einfach mal über das großzügige Außengelände zu streifen. Und bei den Aktionen, vom Niedrigseilgarten, über Kräuterführungen, Weidenflechten, Miniaturgärten pflanzen bis zu einem Imker-Kurzworkshop, war für jeden etwas dabei.

Wichtige Partner des "Hauses am Habsberg", wie die Kreisgruppen vom Landesbund für Vogelschutz und vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub oder das Energiebüro des Landkreises beteiligten sich an diesem Erlebnistag.

Das Außengelände am "Haus am Habsberg" ist, wovon sich einige Teilnehmer vor Beginn der Mitgliederversammlung bei einer Kurzführung durch Geschäftsführer Werner Thumann überzeugen konnten, ein kleines Paradies geworden. Wo sich einst ein Acker erstreckte, sorgen heute auf insgesamt 2,4 Hektar eine große Streuobstwiese, fast 300 Meter Hecken, Waldrandvorpflanzungen, ein Acker in Dreifelderwirtschaft, eine kräuterreiche Wiese, ein Insektenhotel und Bienenkästen sowie der Bauerngarten für hohen Strukturreichtum und damit für höchste Biodiversität.

Neben dem Jahresbetrieb in der Umweltbildung beteiligt sich das "Haus am Habsberg" regelmäßig an sogenannten Modellprojekten, gefördert über Mittel des Bayerischen Ministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz. Momentan befasst sich ein Förderprojekt mit dem Titel "Nahaufnahme Natur - Biologische Vielfalt im Focus" mit Naturfotografie und will hier speziell Jugendliche für unsere heimische Natur sensibilisieren und begeistern.

Neben der Umweltbildung bewältigte der Landschaftspflegeverband im klassischen Aufgabenfeld des Naturschutzes und der Landschaftspflege auch im Jahr 2016 ein großes Maßnahmenvolumen.

Um Arten- und Lebensraumvielfalt im Landkreis Neumarkt zu erhalten und zu fördern, führt der Landschaftspflegeverband jährlich eine große Anzahl von Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen in der Landschaftspflege, in der Gewässerentwicklung und seit 2017 auch wieder in der Heckenpflege durch.

Allein im klassischen Tätigkeitsfeld der Landschaftspflege sind es jährlich rund 100 Einzelmaßnahmen, die geplant, durchgeführt und fördertechnisch abgewickelt werden.

Für die Umsetzung dieser zahlreichen Maßnahmen sind die Landwirte zusammen mit den Maschinenringen Neumarkt plus und Jura-Hemau die wichtigsten Partner. Über 40 Landwirte aus dem gesamten Landkreis sind in der Landschaftspflege aktiv und schätzen dieses Zusatzeinkommen.

Im Arbeitsbereich der Gewässerentwicklung wurde im Jahr 2016 die Renaturierung des Oberlaufs der Wissinger Laber mit Sanierung des Freihauser Weihers abgeschlossen.

In den Startlöchern steht nun das Projekt zur Renaturierung des Hengerbachs in der Marktgemeinde Postbauer-Heng. Auf rund 1,3 Kilometer Länge erhält hier der Hengerbach ein naturnahes Bachbett zurück. Auf den angrenzenden Flächen entstehen Feuchtmulden und extensiv genutzte Wiesen. Das Wasserwirtschaftsamt Regensburg hat diese umfangreiche Maßnahme mit einem Fördersatz von 75 Prozent bewilligt. Der Flächenankauf erfolgte über die Ersatzgelder, abgewickelt zusammen mit der Unteren Naturschutzbehörde.

Seit dem vergangenen Winter läuft nun auch wieder die Heckenpflege im Rahmen des Bayerischen Kulturlandschaftsprogramms. Der Landschaftspflegeverband beantragte die Erneuerungs-Pflege für insgesamt 14 Heckenelemente in den Gemeindegebieten von Dietfurt, Seubersdorf und Pilsach. Die Pflege erstreckt sich über fünf Jahre; das erste Pflegejahr ist bereits komplett abgewickelt. Auch hier erfolgt die Ausführung, wie bei der Landschaftspflege, über Landwirte.

Die Auszahlungen für alle durchgeführten Maßnahmen der Landschaftspflege und Gewässerentwicklung betrugen im Haushaltsjahr 2016 rund 416.000 Euro. Der Landschaftspflegeverband erhielt 2016 dafür Zuschüsse des Freistaats Bayern in Höhe von rund 368.600 Euro.

Regelmäßig führt der Landschaftspflegeverband Neumarkt auch Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen als Real-Ausgleich, insbesondere für die Kommunen durch. Im Jahr 2016 erfolgte die Umsetzung von Ausgleichsmaßnahmen für Neumarkt, Sengenthal, Pilsach, Postbauer-Heng, Parsberg, Dietfurt und Berching.

Im Rahmen des Pilotprojekts zur Verwendung der Ersatzgelder aus der Windkraft, das der Landschaftspflegeverband im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde umsetzt und für das die vierjährige Pilotphase nun ablief, konnten rund 36 Heltar auf 15 zusammenhängenden Flächenkomplexen angekauft werden. Dies war ein deutlich höherer Umfang als zu Projektbeginn erwartet. Neue Flächeneigentümer wurden überwiegend die Gemeinden oder in Einzelfällen der Landesbund für Vogelschutz oder der Bayerische Naturschutzfonds.

Für alle Ankaufsflächen wurden Pflege- und Entwicklungskonzepte erstellt, die nun nach und nach umgesetzt werden. Ende Mai konnte in einem Abschlusstermin zusammen mit der Unteren Naturschutzbehörde und dem Bayerischen Naturschutzfonds eine sehr gute Projektbilanz vorgelegt werden. Alle Beteiligten waren sich einig, dass diese erfolgreiche Arbeit in einem Anschluss-Projekt fortgesetzt werden soll. Das Neumarkter Modell zur Verwendung der Ersatzgelder stoße weiterhin bayernweit auf großes Interesse. Bei den Bayerischen Naturschutztagen 2016 in Bad Reichenhall wurde es Vertretern aller bayerischen Naturschutzbehörden als Modellprojekt präsentiert.

Zum Schluss berichtete Landrat Gailler, dass das Projekt "Juradistl" erst vor wenigen Tagen den Deutschen Landschaftspflegepreis 2017 erhielt (wir berichteten). In der Kategorie "Vorbildliche Projekte" wurde "Juradistl" im Rahmen eines Festakts in Regensburg in Anwesenheit von Ministerin Ulrike Scharf mit dem ersten Preis ausgezeichnet.
19.07.17
Neumarkt: Heute ein Erfolgsmodell
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