Gedanken zu Fronleichnam

Von Dekan Mosnignore Richard Distler

Man nannte ihn den Kranzltag oder Prangertag. Es war ein Festtag und alles war auf den Beinen. Man zog das schönste Gewand an, Mädchen trugen ein "Kranzl" im Haar und streuten Blumen auf die Altarstufen. Den Weg säumten frische Birken, auf der Straße lag Gras und an den Fenstern sah man Kreuze, Blumengirlangen oder rote Tücher. Es war gewiss nicht übertrieben prunkvoll, doch das gläubige Volk gab sich alle Mühe, die Straßen und Häuser in eine festliche Stimmung zu tauchen.

Aber wozu das alles? War das nur Nostalgie, Tradition? Und vor allem für wen das alles? Man tat und tut es auch heute noch für den "Herrn", der geheimisvoll in der Hostie mit der Montranz unter aufgespanntem Himmel durch die Straßen getragen wird. Man tat und tut es für den heiligen Fronleichnam, für den "Herrenleib" mit dem der Priester in alle 4 Himmelsrichtungen und an 4 schön geschmückten Altären die Gassen, Straßen und Häuser, ja sogar die ganze Welt segnet.

Mag sein, dass jetzt Kritiker fragen: Ist das alles biblisch? Wo findet man so etwas im Alten oder Neuen Testament? Gewiss findet man Fronleichnam so nicht in der heiligen Schrift. Und dennoch heißt es in der Geheimen Offenbarung des Johannes: "Seht das Zelt Gottes unter den Menschen. Ich sah das neue Jerusalem vom Himmel herabkommen. Es war bereit wie ein Braut, die sich für ihren Bräutigam geschmückt hat!"


Finden sich nicht all diese Motive "Schmuck", "Himmel", "Zelt Gottes" auch in der Fronleichnamsprozession? Doch dann fährt der Seher fort: "Ich sah die Wohnung Gottes unter den Menschen. Er wird in ihrer Mitte wohnen. Sie werden sein Volk sein und er, Gott, wird bei ihnen sein!" Aber wo finden wir die Wohnung Gottes unter den Menschen? Durchaus in den Herzen der Menschen, durchaus im Wort Gottes, aber auch im heiligen Sakrament des Altares, in der Eucharistie, im Tabernakel.

Doch an Fronleichnam öffnen die Katholiken die Tabernakeltüren und tragen das Allerheiligste dieser Welt aus den Kirchen hinaus ins Leben, in die Gassen, Straßen, Dörfer und Städte. Aber warum geschieht das? Da möchte die Kirche aller Welt und jedem Bewohner zeigen, wer nicht bloß der Herr der Kirche, sondern auch der Herr der Welt und der Schöpfer aller ist. Es ist der in der Hostie verborgene Christus, der alle und jeden segnet.

Wenn schon Pokal- und Champions-Leage- Sieger oder gar Weltmeister mit Pomp und Gloria empfangen werden, warum nicht umso mehr dem Sieger über den Tod, dem Spender des Lebens, dem Herrn der Zukunft am Fronleichnamsfest einen großartigen Empfang bereiten? Dieser Empfang oder diese Prozession richtet sich gegen niemanden. Im Gegenteil: Da ist jeder willkommen, weil jedem Segen und Heil zuteil werden kann, der für ihn offen ist.

Fronleichnam ist deshalb keine Schau, Kleider- oder gar Modeschau. Dieser hohe Feiertag ist vielmehr ein Fest, das allen sagen möchte: "Da schau her, er ist da, er ist mitten unter uns, mitten in unserer Welt, mitten in unserer Stadt. Gott ist nicht fern, er selbst will unter uns wohen. Er will unser Gott sein und wir haben die Ehre, sein Volk zu sein!" Es ist die Einladung des großen heiligen Thomas von Aquin, der in seinem Fronleichnams-Hymnus mit uns singt: "Gottheit tief verborgen, betend nah ich dir. Unter diesen Zeichen bist du wahrhaft hier. Sieh mit ganzem Herzen schenk ich mich dir hin, weil vor solchem Wunder ich nur Armut bin".
15.06.17
Neumarkt: Gedanken zu Fronleichnam
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