"Keine Konkurrenz"

NEUMARKT. Asylbewerber stellen im Helferbereich keine Konkurrenz für die heimischen Arbeitnehmer dar, hieß es vom Neumarkter Arbeitsamt.

„Eine gelungene Integration braucht vieles, aber vor allem Zeit“, sagte die Geschäftsstellenleiterin Monika Auerbach. Die SPD-Kreistagsfraktion mit ihrem Sprecher Dirk Lippmann hatte Auerbach zu einem Informationsgespräch eingeladen, um sich über die aktuelle Situation und Integration der Flüchtlinge in den lokalen Arbeitsmarkt ein Bild zu machen.

Als anerkannte Asylbewerber gebe es derzeit 250 Menschen im Landkreis, man spüre, dass die Verfahren jetzt zügig vorankämen, berichtete Auerbach. Ein Großteil der Menschen seien schon in Integrationskursen und Alphabetisierungskursen oder für diese Kurse vorgemerkt. Bei all diesen Maßnahmen seien immer Deutschkurse ein Bestandteil.


Der lokale Arbeitsmarkt im Landkreis Neumarkt sei so offen, dass es mit den Arbeitserlaubnissen keinerlei Probleme gebe, sagte Auerbach. Im Helferbereich komme es zu keinen Konkurrenzsituationen mit den heimischen Arbeitnehmern. Das Arbeitsamt werde Arbeitslose ohne Migrationshintergrund jedenfalls definitiv nicht vernachlässigen.

Der stellvertretende Landrat Helmut Himmler erklärte, dass die Integration eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei. Die Sozialsysteme dürften nicht damit belastet werden.

Da viele der Flüchtlinge über keinen gültigen Führerschein verfügten, sei die Mobilität zu den Integrationskursen oder der Arbeitsstätte schon ein Problem. Der ÖPNV stoße hier an seine Grenzen in einem Flächenlandkreis wie der Landkreis Neumarkt. Dennoch sei festzustellen, dass die Flüchtlinge nicht mehr in die Ballungszentren zögen, sondern aus freien Stücken im Landkreis blieben.

Die dezentrale Unterbringung im Landkreis, die bisher gut funktioniere, und das allgemein günstige Umfeld trage zu der Erkenntnis bei, dass hier die Integration am besten gelingen könne.

Beim Integrationsprozess befinde man sich nach Angaben Auerbachs eindeutig erst am Anfang. Bei den Jugendlichen gehe man davon aus, dass es fünf Jahre dauere, um eine umfassende berufliche Qualifikation zu erreichen. Die bisherigen Rückmeldungen aus den Unternehmen, die Flüchtlinge einen Arbeitsplatz bieten, seien positiv.

Im Rückblick fasste Helmut Himmler zusammen, dass das Flüchtlingsthema 2014 noch überschaubar gewesen sei. Im letzten Jahr sei man aber dann davon überrollt worden, so dass es eine gewisse Zeit brauche, bis sich die Verwaltungen auf allen Ebenen neu darauf eingestellt hätten. Er zeigte sich überzeugt, dass ein Großteil der jungen Leute den Weg in die Gesellschaft finden würde.

Kreisrat Erwin Jung sprach den Mangel an bezahlbaren Wohnraum an, der auch im Landkreis für viele Menschen ein Thema sei, nicht nur für die Flüchtlinge. Der soziale Wohnungsbau müsse schnell in die Spur kommen, um diesem Problem nachhaltig zu begegnen.

Die Dietfurter Bürgermeisterin Carolin Braun sah hier aber auch die Chance, die Versäumnisse der letzten zehn Jahre in diesem Sektor zu korrigieren.

Im Übrigen stellte Auerbach fest, dass mit Sprachproblemen nicht nur die Flüchtlinge zu kämpfen hätten. Auch bei Menschen aus dem EU-Ausland wie Spanien oder Bulgarien gebe es immer wieder Sprachbarrieren. Neben dem Spracherwerb sei es aber für die Flüchtlinge genauso wichtig, die deutsche Lebenskultur vermittelt zu bekommen. Einen großen Beitrag würden hier auch die ehrenamtlich aktiven Gruppen im Landkreis leisten. Wenn sich Zustände wie 2015 nicht noch einmal wiederholen, dann könne die Integration mit der benötigten Zeit gut gelingen.
24.05.16
Neumarkt: "Keine Konkurrenz"
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