Unrhmliche Geschichte


MdB Alois Karl wurde darauf aufmerksam, dass bei dieser Ausstellung in Berlin ber das Durchgangslager Neumarkt informiert wird

NEUMARKT. Im Paul-Lbe-Haus des Deutschen Bundestages ist derzeit auch von der Stadt Neumarkt die Rede - allerdings nicht von ihrer Schokoladenseite.

Bei einer Ausstellung in unmittelbarer Nhe des Reichstagsgebudes wird auch ber NS-Zwangsarbeit im Wahlkreis Amberg-Sulzbach-Neumarkt thematisiert. Die Stammlager Sulzbach-Rosenberg und das Durchgangslager Neumarkt werden exemplarisch fr den Umgang mit Zwangsarbeitern dargestellt.


Im Paul-Lbe-Haus beraten nicht nur die Ausschsse des Deutschen Bundestages, sondern im Innenbereich werden auch traditionell wechselnde politische Themen mit Ausstellungen beleuchtet. Die aktuelle Ausstellung informiert ber die Schicksale von Zwangsarbeitern whrend des Zweiten Weltkriegs im lndlichen Raum in Deutschland. Bei der Betrachtung dieser Ausstellung ist Bundestagsabgeordneter Alois Karl darauf aufmerksam geworden, dass dabei das Stammlager Sulzbach-Rosenberg sowie das Durchgangslager in Neumarkt stellvertretend fr die NS-Zwangsarbeit in Bayern aufgearbeitet wurden.

Im Stammlager XIII a in Sulzbach-Rosenberg waren whrend des Krieges ber 2.700 Zwangsarbeiter untergebracht, weitere rund 37.000 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene waren in Auenlagern bei ihren Arbeitsorten im weiteren Umkreis verteilt. Die Barackensiedlung in Neumarkt, von der noch Reste erhalten sind, lag im Bereich des heutigen Ortsteils Wolfstein.

Es war ein Durchgangslager, von wo aus Menschen, die aus Ost- und Sdosteuropa nach Deutschland deportiert worden waren, auf ganz Nordbayern verteilt wurden, um in Fabriken oder der Landwirtschaft zu arbeiten. Fr viele hie das, dass sie in der Fremde an Unterernhrung oder fehlender medizinischer Betreuung sterben mussten. Heute haben mehr als 5.000 tote Zwangsarbeiter, zusammengetragen aus ganz Bayern, an der Kriegsgrbersttte am Fhrenweg ihre letzte Ruhe gefunden.

Die Ausstellung im Deutschen Bundestag luft noch bis Freitag.

Zum Hintergrund: Bundestagsprsident Prof. Dr. Norbert Lammert hatte die Ausstellung NS-Zwangsarbeit im lndlichen Raum. Ausstellungsprojekte gegen das Vergessen in der Halle des Paul-Lbe-Hauses im Berliner Parlamentsviertel erffnet. Es handelt sich um eine Ausstellung der Projektgruppe Zwangsarbeit e.V. im Auftrag des Deutschen Bundestages. Zur Ausstellung sprach der Vorsitzende der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft, Dr. Michael Jansen.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges waren es mehr als 13 Millionen Mnner, Frauen und Kinder aus fast ganz Europa, die im Deutschen Reich Zwangsarbeit leisten mussten. Sie schufteten auf den Feldern der Landwirte, in der Rstungsindustrie, in Privathaushalten und in so gut wie jedem Handwerks- und Gewerbebetrieb ob im Hotel, in der Limonadenfabrik, beim Bcker, Grtner, Schneider oder im Friseursalon.

Die Zwangsarbeiter gelten als grte Opfergruppe des nationalsozialistischen Systems. Whrend ihre Geschichte und Geschichten in greren Stdten weitgehend erforscht und verffentlicht wurden, hat das Schicksal der Deportierten in den lndlichen Regionen Deutschlands bis dato nur wenig Beachtung gefunden. Sulzbach-Rosenberg und Neumarkt, wo viele Flchtlinge nach dem Krieg zuerst unterkamen und sich schlielich niederlieen, drfte einige der wenigen rhmlichen Ausnahmen sein. Das Schicksal der Deportierten ist Teil der Geschichte der Stdte.
21.02.16
Neumarkt: Unrhmliche Geschichte
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ISSN 1614-2853
15. Jahrgang
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