Spatz hat Schnabel vorn


Der Spatz oder Haussperling holte sich seinen Spitzenplatz im Landkreis Neumarkt zurück
Foto:Z.Tunka
NEUMARKT. Der Hausspatz hat sich im Landkreis Neumarkt seinen Spitzenplatz als Wintervogel vom Feldsperling und der Kohlmeise zurückgeholt.

404 Teilnehmer haben am ersten Januar-Wochenende insgesamt 11.009 Vögel im Landkreis gezählt und im Rahmen der Aktion „Stunde der Wintervögel“ an den Landesbund für Vogelschutz gemeldet.

Während bayernweit die Kohlmeise der häufigste Wintervogel ist, belegte diesen Platz im Landkreis Neumarkt heuer erstmals nach einigen Jahren wieder der Hausspatz, der seinen Vetter vom Land, den Feldsperling, auf den zweiten Platz verdrängt hat. Auf Platz drei landete hier dann die Kohlmeise.

Der LBV freut sich in Bayern über ein neues Rekordergebnis bei der Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“. Über 26.000 Teilnehmer zählten Anfang Januar insgesamt über 700.000 Vögel und sahen dabei im Durchschnitt 40 gefiederte Freunde pro Garten. Die bisherige Rekordteilnahme von 2013 wurde damit um über 3.000 Naturfreunde übertroffen.


Dabei flog die Kohlmeise unter anderem wegen mehrerer erfolgreicher Bruten auf den Spitzenplatz und ist somit wie im Vorjahr der häufigste Wintervogel in Bayerns Gärten. Zudem erlebt der Freistaat derzeit eine Invasion von nordeuropäischen Erlenzeisigen, was den kleinen Finken sogar zum sechsthäufigsten Vogel machte. Der LBV und sein bundesweiter Partner NABU freuen sich auch über das gute Abschneiden des Stieglitzes. Der Vogels des Jahres 2016 wurde doppelt so oft wie in den Vorjahren beobachtet.

In Bayern sicherte sich die Kohlmeise, anders als bundesweit, deutlich den Spitzenplatz vor dem Vorjahreszweiten Feldsperling. „Auch die guten Brutbedingungen der letzten beiden Jahre haben unserer größten heimischen Meise geholfen, nun zwei Jahre in Folge ganz oben in den bayerischen Vogelcharts zu stehen“, sagte der LBV-Agrarbiologe Alf Pille. Hinzu kommt außerdem ein winterbedingter Zuzug von Kohlmeisen aus Nord- und Osteuropa. Knapp hinter dem Feld- belegt der Haussperling den dritten Rang. Danach reihen sich ebenfalls wie schon 2015 Amsel (4.) und Blaumeise (5.) ein. Der Erlenzeisig springt vom 20. auf den 6. Platz. Es folgen Grünfink (7.) und Buchfink (8.)

Für ein erfreuliches Ergebnis sorgte der Stieglitz. Der Vogel des Jahres 2016 landete auf Platz 13 und wurde mehr als doppelt so häufig gezählt wie in den Vorjahren. „Hier kommen viele Faktoren zusammen. Sehr wahrscheinlich hat der Stieglitz zwei Bruten erfolgreich durchgebracht, seine Nahrungspflanzen waren wegen des wenigen Schnees bisher stets gut verfügbar und dazu kamen sicher auch noch einige Stieglitz-Schwärme aus Nordeuropa“, so Alf Pille. Ob es dem Stieglitz aber tatsächlich besser geht, werden erst die Zahlen der Stunde der Gartenvögel vom 13. bis 16. Mai zeigen.

Auch einigen anderen Vogelarten verhalf der lange Sommer zu einem höheren Bruterfolg und somit zu mehr Jungvögeln. Dies führte zu einer Invasion von Erlenzeisigen aus Nord- und Nordosteuropa, so dass der kleine, gelbgrün-gestreiften Finkenvogel acht Mal mehr gezählt wurde als 2015. „Besonders viele wurden dabei im Südosten Bayerns beobachtet, wo es der Erlenzeisig in manchen Landkreisen wie Rosenheim oder Traunstein sogar unter die drei häufigsten Vögel schaffte“, so Pille.

Bayernweit wurden auch mehr Mittel- und Grauspechte gesichtet, die eigentlich zu den eher seltenen Vogelarten gehören. Hier mag es sich zwar in manchen Fällen um eine mögliche Verwechslung mit dem viel häufigeren Bunt- bzw. Grünspecht handeln. „Aber eindeutige Fotobeweise von Teilnehmern zeigen uns dennoch, dass der Mittelspecht tatsächlich öfter als in den Vorjahren beobachtet wurde“, weiß der LBV-Biologe.

Spektakulär ist die Meldung von Schneesperlingen im Berchtesgadener Land. Hier wurde ein Schwarm von 16 Vögeln an einer Berghütte am Untersberg auf einer Höhe von 1300 Metern beobachtet. „Das ist wirklich eine Besonderheit, denn der Hochgebirgsvogel lässt sich nur sehr selten unter 1500 Meter blicken“, sagt Alf Pille. Außerdem wurden mit insgesamt 118 Fichtenkreuzschnäbeln so viele gesichtet wie noch nie bei der Aktion. Der „Wandervogel“ ist immer nur dort zu finden, wo es gerade viele fruchtende Fichten und Kiefernbestände gibt.

Beeindruckend ist außerdem die immer stärker zunehmende Zahl an Silberreihern in Bayern. Mit knapp 700 Vögeln landete der große und elegante weiße Reiher erneut zwei Plätze vor seinem weitaus bekannteren Verwandten, dem Graureiher. Früher ein äußerst seltener Gast, ist er im Winter in größeren Trupps gut auf Wiesen und Äckern zu sehen. „Obwohl die Silberreiher in Bayern immer mehr werden, brüten sie noch nicht bei uns. Warum das so ist, wissen wir immer noch nicht“, verrät Alf Pille.

Mit Abstand die meisten Vögel bekamen mit 48 pro Garten die Teilnehmer in Niederbayern zu sehen. Nahezu alle anderen Regierungsbezirke lagen um den bayerischen Durchschnitt von 40: Schwaben (42), Oberfranken (41), Oberpfalz (41), Unterfranken (40) und Mittelfranken (39). Nur die Oberbayern zählten mit 36 Vögeln pro Garten deutlich weniger als die anderen Vogelfreunde. Im Landkreis Neumarkt lag die durchschnittliche Zahl bei 43.

In vielen Großstädten lagen die Zahlen besonders niedrig: So bekamen Nürnberger im Schnitt nur 32, Würzburger 31 und Münchner sogar nur 26 Vögel zu sehen. Eine Ausnahme ist dabei Augsburg, hier kamen im Schnitt 37 Vögel in einen Garten.

Die Ergebnisse aus dem Landkreis Neumarkt:

    2016

    1. Haussperling(Spatz) 1737
    2. Feldsperling 1595
    3. Kohlmeise 1410
    4. Amsel 973
    5. Blaumeise 886
    6. Grünfink/Grünling 621
    7. Erlenzeisig 478
    8. Elster 358
    9. Buchfink 339
    10. Kleiber 256
    11. Eichelhäher 224
    12. Rotkehlchen 207
    13. Wacholderdrossel 173
    14. Goldammer 159
    15. Rabenkrähe 138
    16. Buntspecht 135
    17. Schwanzmeise 131
    18. Tannenmeise 119
    19. Gimpel/Dompfaff 116
    20. Kernbeißer 114
    21. Stieglitz(Distelfink) 106
    22. Dohle 92
    23. Sumpfmeise 87
    24. Türkentaube 82
    25. Ringeltaube 73
    26. Saatkrähe 59
    27. Bergfink 54
    28. Haubenmeise 51
    29. Weidenmeise 37
    30. Zaunkönig 24
    31. Hausrotschwanz 23
    32. Grünspecht 20
    33. Mäusebussard 15
    34. Stockente 14
    35. Sperber 11
    36. Wintergoldhähnchen 10
    37. Turmfalke 8
    38. Gartenbaumläufer 8
    39. Habicht 8
    40. Bluthänfling 8
    41. Straßentaube 6
    42. Silberreiher
    43. Star 5
    44. Nilgans 5
    45. Fichtenkreuzschnabel 5
    46. Tannenhäher 4
    47. Misteldrossel 4
    48. Heckenbraunelle 4
    49. Graureiher 3
    50. Singdrossel 2
    51. Kolkrabe 2
    52. Schleiereule 2
    53. Mönchsgrasmücke 1
    54. Schwarzspecht 1

    2015

  1. Feldsperling 1545
  2. Haussperling(Spatz) 1395
  3. Kohlmeise 1146
  4. Blaumeise 836
  5. Amsel 695
  6. Grünfink 571
  7. Buchfink 369
  8. Elster 275
  9. Kleiber 192
  10. Rabenkrähe 162
  11. Dohle 156
  12. Rotkehlchen 150
  13. Goldammer 147
  14. Buntspecht 144
  15. Eichelhäher 143
  16. Gimpel 131
  17. Erlenzeisig 112
  18. Schwanzmeise 77
  19. Sumpfmeise 75
  20. Tannenmeise 68
  21. Türkentaube 62
  22. Kernbeißer 54
  23. Haubenmeise 53
  24. Wacholderdrossel 52
  25. Bergfink 49
  26. Weidenmeise 45
  27. Ringeltaube 41
  28. Kolkrabe 27
  29. Zaunkönig 24
  30. Star 20
  31. Sperber 14
  32. Grünspecht 13
  33. Mäusebussard 13
  34. Heckenbraunelle 13
  35. Straßentaube 13
  36. Seidenschwanz 13
  37. Stieglitz 12
  38. Graureiher 12
  39. Saatkrähe 11
  40. Habicht 9
  41. Silberreiher 9
  42. Turmfalke 8
  43. Girlitz 8
  44. Nilgans 8
  45. Gartenbaumläufer 7
  46. Kormoran 7
  47. Wintergoldhähnchen 6
  48. Graugans 6
  49. Singdrossel 4
  50. Hausrotschwanz 4
  51. Tannenhäher 4
  52. Stockente 4
  53. Gebirgsstelze 2
  54. Merlin 1
  55. Mönchsgrasmücke 1
  56. Zilpzalp 1
  57. Wanderfalke 1
29.01.16
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ISSN 1614-2853
15. Jahrgang
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