Einsatz in Westafrika


Neugeborene in Nigeria

NEUMARKT. Dr. Götz Gerresheim, Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Neumarkter Klinikums, ist von seinem Einsatz mit "Ärzte ohne Grenzen" aus Nigeria zurückgekehrt.

Zusammen mit einem internationalen Team von Ärzten, Hebammen und Krankenpflegern hat der Narkosearzt vier Wochen in einem Projekt gearbeitet, dass sich auf Geburtshilfe spezialisiert hat. Am Dienstag nächster woche wird er am Klinikum über seine Arbeit berichten.


Im Norden von Nigeria versucht die islamistische Gruppierung Boko Haram (wörtlich etwa: „moderne Erziehung ist Sünde“) gewaltvoll einen islamistischen Staat zu gründen. Wegen der unsteten Sicherheitslage in der Region hat die Zivilbevölkerung nur einen begrenzten Zugang zu medizinischer Versorgung.

Die humanitäre Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" betreibt in Jahun, ganz im Norden des Landes an der Grenze zum Niger, ein Krankenhaus, das sich in erster Linie auf Geburtshilfe spezialisiert hat. Wegen fehlender Vorsorgeuntersuchungen und des allgemein schlechten Gesundheits- und Ernährungszustandes der Frauen verlaufen viele Schwangerschaften komplikationsreich. Viele werdende Mütter leiden unter chronischer Mangelernährung oder schwerer Blutarmut aufgrund von Malariainfektion. In der Klinik in Jahun werden pro Jahr knapp 8000 Geburten betreut. Zum Vergleich: Das Klinikum in Neumarkt betreut etwa 800 Geburten pro Jahr.

Dr. Gerresheim hat auf seinem vierten Einsatz mit der Organisation das internationale Team als Narkosearzt und Intensivmediziner ergänzt. Seine Arbeit hat sich in dieser Zeit sowohl auf den Operationssaal wie auch auf die Betreuung der Mütter und der Neugeborenen konzentriert. „Im Grunde unterscheidet sich die Teilnarkose bei einem Kaiserschnitt nicht von der Betreuung einer solchen Operation in Deutschland“, so der Narkosearzt. „Das Ziel ist, hier wie in Afrika, ein möglichst großes Maß an Sicherheit für die Mutter und das neugeborene Kind zu erreichen.“

Als schwieriger empfand es Dr. Gerresheim, die komplikationsreichen Fälle auf der Intensivstation zu betreuen. Hier seien die Arbeitsbedingungen und die zur Verfügung stehenden Mittel kaum mit dem hiesigen Standard vergleichbar gewesen: Zum einen waren die apparativen Behandlungsmöglichkeiten begrenzt, vor allem weil nicht immer Strom zur Verfügung stand. Zum Zweiten war aber auch die Auswahl der zur Verfügung stehenden Medikamente eingeschränkt und viele Fälle wurden durch zusätzliche Tropenerkrankungen erschwert.

Die größte Herausforderung empfand der 45jährige Arzt aber in der Betreuung der Neugeborenen: Viele benötigten in den ersten Lebenstagen wegen Infektionen, Frühgeburten oder allgemeiner Schwäche eine intensive medizinische Behandlung. Zu diesem Zweck wurde eine spezielle Neugeborenenstation eingerichtet, auf der ständig zehn bis 15 kritisch kranke Babies betreut wurden.

Die Sterblichkeit der Säuglinge auf dieser Station war sehr groß. „Trotz aller Bemühungen haben wir fast jeden Tag ein Kind verloren, das habe ich als sehr belastend empfunden“, so der Mediziner. In diesen Situationen hat vor allem die Gemeinschaft des Behandlungsteams geholfen: „Wir haben uns gegenseitig sehr unterstützt, uns beraten und immer wieder ermutigt.“

Unterstützung fand Dr. Gerresheim auch durch das Klinikum. Klinikleitung und Vorgesetzte haben seine Abwesenheit ermöglicht und die Kollegen haben ihn am Klinikum vertreten. Nach einer sehr intensiven Zeit arbeitet Dr. Gerresheim nun wieder auf der Intensivstation des Klinikums.

Am 10. März hält Dr. Gerresheim um 19 Uhr im Schul- und Studienzentrum des Klinikums einen öffentlichen Vortrag über seine Arbeit. Der Besuch ist kostenlos.


Dr. Götz Gerresheim
06.03.15
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