Die Klage bleibt

NEUMARKT. BUND-Vorsitzender Prof. Dr. Hubert Weiger antwortet Seubersdorfs Brgermeister Meier auf dessen Kritik an der Umgehungs-Klage.

Der oberste Naturschtzer kann die von Meier genannten "Schrecken und Entsetzen" angesichts der Klage gegen die geplante Seubersdorfer Umgehungsstrae nicht nachvollziehen und spricht in seinem Antwortschreiben von "verbalem Katastrophismus".


Brgermeister Meier hatte die Naturschtzer gebeten, ihre Klage gegen das Projekt zurckzunehmen (wir berichteten).

Wir verffentlichen auch das Schreiben Weigerts im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Brgermeister Meier,

fr Ihren Brief zur umstrittenen Ortsumfahrung Seubersdorf bedanke ich mich.

Warum Sie darin presseffentlich mit Schrecken und Entsetzen auf die vom BUND Naturschutz eingereichte Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss fr die geplante Ortsumfahrung Seubersdorf reagiert haben, ist fr mich beim besten Willen nicht nachvollziehbar.
Ich halte diesen verbalen Katastrophismus fr umso unangemessener, als der BN mit dieser Klage nichts anderes getan hat, als demokratisch legitimierte Rechte wahrzunehmen und seinen satzungsgemen Aufgaben zum Schutz von Natur und Landschaft zu entsprechen.

Die von Ihnen zur Rechtfertigung vorgebrachten Argumente knnen unsere Einwendungen und Bedenken gegen dieses Projekt in keinem Punkt entkrften.

Dass Sie als wesentlichen Grund fr den Bau dieser Ortsumgehung zuallererst die Sicherung der Seubersdorfer Trinkwasserversorgung nennen, ist doch ein deutliches Indiz dafr, dass nicht einmal Sie selber verkehrliche Grnde als ausreichend betrachten, um alleine damit dieses Verkehrsprojekt zu rechtfertigen.
Dieses Hilfsargument erscheint dem BN umso fragwrdiger, als die Verbesserung des Trinkwasserschutzes ohnehin erfolgen msste und fr den Bau der geplanten Ortsumfahrung mehr als 4 ha Wald gerodet werden sollen, die bislang dem Trinkwasserschutz dienen.

Als ebenso wenig stichhaltig erscheint mir aber auch die von Ihnen als weiteren Rechtfertigungsgrund angefhrte deutliche Verringerung des Verkehrs in Seubersdorf. Dies nicht zuletzt deshalb, weil die Verkehrsbelastung im Ort nachweislich v. a. auf Ziel- und Quellverkehr zurckzufhren und somit alleine durch den Bau einer Ortsumfahrung auch nicht wirklich sprbar zu verringern ist.

berdies rechtfertigen Durchgangsverkehrszahlen, die dreimal so hoch wie in Seubersdorf sind (z.B. in Berg bei Neumarkt) nach Auskunft staatlicher Stellen nicht einmal den Bau sicherer Fugngerberwege.
Auch in Ihrem Nachbarort Dawang, vom gleichen Durchgangsverkehr wie Seubersdorf betroffen, hlt das zustndige Bauamt wegen zu geringen Verkehrsaufkommens die Einrichtung einer Ampelanlage nicht fr erforderlich.

Die bevorstehende Abstufung der jetzigen B 8 ist auch ein klarer Hinweis dafr, dass diese Strae keine berregionale Bedeutung mehr hat - auch nicht fr den Gterverkehr.
DieZahl an LKW, die einen kurzen Umweg in Kauf nehmen mssen, um die hhenbeschrnkte Bahnunterfhrung bei Seubersdorf zu umfahren steht jedenfalls in keinem vertretbaren Verhltnis zum damit verbundenen Flchenverbrauch und zu den bei Realisierung der Ortsumfahrung erforderlichen Waldrodungen, Verlusten an Naherholungsmglichkeiten und landschaftsbildprgenden Hecken.

Nicht von ungefhr hat sich beim Brgerentscheid die Mehrheit der vom Durchgangsverkehr tatschlich betroffenen Brgerinnen und Brger aus Dawang und Seubersdorf gegen die Ortsumfahrung ausgesprochen und in der gesamten Flchengemeinde auch nur eine uerst knappe Mehrheit von 52% fr dieses Bauprojekt pldiert.

Ich sehe deshalb keinen wirklich berzeugenden Grund, der bei Bercksichtigung der Belange des verfassungsrechtlich gebotenen Natur -, Arten- und Landschaftsschutzes fr den Bau der von Ihnen so vehement geforderten Ortsumfahrung spricht.
Somit besteht fr den BUND Naturschutz auch kein Anlass, seine Klage zurckzuziehen.
Nach unserer berzeugung gibt es ausreichend praxiserprobte Mglichkeiten, die innerrtliche Verkehrsbelastung zu verringern, ohne dafr die mit dem Bau einer neutrassierten Ortsumfahrung verbundenen Eingriffe in Natur und Landschaft in Kauf nehmen zu mssen.

Dass sich auch vor Ort etliche umweltbewusste Brgerinnen und Brger gegen dieses zweifelhafte Projekt engagieren, ist fr mich ein deutliches Indiz dafr, dass auch sie im Bau einer Ortsumfahrung keineswegs die einzige Mglichkeit zur Verringerung der rtlichen Verkehrsbelastung sehen.
Ich wrde mich deshalb sehr freuen, wenn auch Sie natur- und umweltschonendere Manahmen als Alternative in Betracht ziehen knnten.

Mit freundlichen Gren

Hubert Weiger

10.02.15
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