Bischof: "Satire darf nicht alles"


Die Gäste des Neujahrsempfangs, unter ihnen auch der frühere Eichstätter Bischof Dr. Walter Mixa und Neumarkts Landrat Willibald Gailler (r.)
Foto: pde/Anita Hirschbeck
NEUMARKT. Bischof Hanke verurteilt beim Neujahrsempfang des Diözesanrats den Terror von Paris, sagte aber auch: "Satire darf in der Tat nicht einfach alles".

"Das in Paris Geschehene ist Terror und nichts als Terror. Wir trauern um die Opfer", sagte Hanke in der ehemaligen fürstbischöflichen Residenz in Eichstätt.

Nach den Attentaten habe es Äußerungen gegeben, dass Religionen – auch die christliche – Gewaltpotenzial in sich trügen. Der Bischof sagte, dass das junge Christentum in seinen ersten drei Jahrhunderten eine friedliche Bewegung gewesen sei. Christen hätten zu dieser Zeit vielmehr selbst Gewalt erlitten. Erst als sich Kirche und Politik im vierten Jahrhundert verknüpft hätten, sei dem Missbrauch von Gewalt unter religiösem Vorzeichen die Tür geöffnet worden. Selbst dann habe sich aber kein Gewalttäter auf Jesus berufen können. "Denn dieser nahm lieber freiwillig den Tod am Kreuz auf sich, als dass er irdische Gewalt angewendet hätte", erklärte Bischof Hanke. "Alles, was dem Gottesreich dienen soll, muss auf irdische Gewaltausübung verzichten."


Der Bischof warf die Frage auf, wie die Pressefreiheit zu verteidigen sei. Dabei erinnerte er auch an die Verantwortung der Presse. Niemand könne Satire als Bestandteil freiheitlicher Kommunikation infrage stellen, möge sie auch brüskieren. Andererseits gehöre auch Religionsfreiheit zur Menschenwürde.

"Satire darf in der Tat nicht einfach alles", sagte Bischof Hanke. Er bezog sich auf das Motto "Je suis Charlie" (deutsch: "Ich bin Charlie"), unter dem weltweit Solidaritätsbekundungen mit dem französischen Magazin standen. Bischof Hanke gab zu Bedenken: "Ich als Christ muss keineswegs Charlie sein, und kann dennoch ein entschiedener Befürworter der Pressefreiheit und ein zutiefst Betroffener angesichts der Pariser Mordopfer sein."

Die Pressefreiheit könne verteidigt werden, indem Bürger zentralen Werten Gestalt in Haltungen und Einstellungen gäben. Christen sollten aus dem Nährboden ihres Glaubens Werte mit Leben füllen, etwa die Würde des Menschen, Freiheit, Gleichheit und Solidarität. Bischof Hanke sprach sich in diesem Zusammenhang gegen assistierte Sterbehilfe und für Engagement in der Flüchtlingsarbeit ein.

Die Vielfalt der Religionen und Kulturen unter dem Dach der Toleranz und Religionsfreiheit habe Zukunft, sagte der Bischof. Allerdings müsse nicht nur der Staat Religionsfreiheit gewähren, sondern auch die Menschen untereinander.

Im Anschluss an Bischof Hankes Rede sprach der Diözesanratsvorsitzende Christian Gärtner über die islamfeindlichen Demonstrationen, die seit mehreren Monaten in Dresden und andernorts stattfinden. Es sei kein Zufall, dass vor allem in Ostdeutschland – "eine der gottes- und glaubensfernsten Regionen weltweit" – Zehntausende "den Parolen rechtsradikaler Rattenfänger" auf den Leim und unter dem Schlagwort Pedgida auf die Straße gingen. "Es sind diffuse Ängste, die vor allem dort gedeihen, wo die universelle christliche Botschaft von Glaube, Liebe und Hoffnung nicht mehr in den Herzen der Menschen lebendig ist", meinte Gärtner.

Vor dem Neujahrsempfang in der Eichstätter Residenz hatten Bischof Hanke, der evangelisch-lutherische Regionalbischof Hans-Martin Weiss aus Regensburg und Metropolit Serafim Joanta als Vertreter der rumänisch-orthodoxen Kirche einen ökumenischen Gottesdienst im Dom gefeiert. Damit eröffneten sie auch die Gebetswoche für die Einheit der Christen vom 18. bis 25. Januar im Bistum Eichstätt.
18.01.15
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