„Revolution auf dem Acker“


Besonders die Gründungsmitglieder wurden beid er Feierstunde ausgezeichnet

NEUMARKT. Mit einem Festakt haben rund 55 Öko-Landwirte ein stolzes Jubiläum gefeiert: Vor 25 Jahren haben sie sich zur „Erzeugergemeinschaft für ökologische Braurohstoffe (EZÖB)“ zusammengeschlossen und beliefern seitdem die Neumarkter Lammsbräu mit den ökologisch angebauten Braurohstoffen Gerste, Weizen, Dinkel und Hopfen.

Diese Zusammenarbeit sei wegweisend, weil fünfjährige Rahmenverträge mit weit überdurchschnittlichen Konditionen und garantierten Abnahmemengen den Landwirten und ihren Familien eine echte Perspektive ermöglichten, hieß es. Dadurch sei auch für die Brauerei der immer schwieriger werdende Rohstoffnachschub aus der Region langfristig sichergestellt.

„Durch die EZÖB reden wir nicht mehr über Geld, sondern über Qualität oder Naturschutz. Wir sind Partner auf Augenhöhe und fördern einander. Unser Konzept ist dadurch krisensicher – das erkennen inzwischen auch andere Lebensmittelhersteller“, sagte Initiator und Brauerei-Inhaber Dr. Franz Ehrnsperger


Ehrnsperger dankte vor allem den acht noch aktiven Gründungsmitgliedern für ihren Pioniergeist, ihr Durchhaltevermögen und ihre Treue. Allen Landwirten zollte er Respekt, wie engagiert sie über die Feldarbeit hinaus und oft auch gegen Widerstände für den Ökolandbau und die EZÖB werben. Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, der Vorstand des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft, erörterte in seinem Festvortrag, wie die ökologische Landwirtschaft zukunftsfähig bleibt: Sie brauche Fairness, Vernetzung, regionale Verankerung und Wertschätzung – die EZÖB sei der lebende Beweis, dass es so wirklich funktioniere.

Obwohl „Ökos“ heute nicht mehr wie damals als „Spinner“ gelten, sei dieser Zusammenschluss mit dem jahrelangen direkten Kontakt zwischen Landwirt und Hersteller, mit dem Ausmaß an Transparenz und Fairness einzigartig in Bayern. Die EZÖB sei sogar der größte Erzeuger von Bio-Braugetreide in Deutschland: Aus einst 24 „Öko-Revoluzzern“ sind inzwischen 134 Mitglieder geworden, die im Umkreis von 100 Kilometern um Neumarkt rund 4000 Hektar Fläche ökologisch bewirtschaften. 2014 haben sie über 1.700 Tonnen verbandszertifiziertes Öko-Braugetreide erzeugt und decken damit gut 60 Prozent des Lammsbräu-Bedarfs.

Die Struktur der EZÖB-Bauern ist vielfältig: Kleine Höfe mit unter zehn Hektar Fläche gibt es genauso wie solche mit weit über 100 Hektar, inzwischen betagte Gründungsmitglieder sind gleichermaßen aktiv wie "junge Überzeugungstäter", auf etlichen ist "geballte Frauenpower" zu spüren, und Einzelkämpfer gibt es ebenso wie Familienbetriebe. Nur zwei der EZÖB-Mitglieder bauen den gesamten Hopfenbedarf an, der Rest von ihnen liefert die verschiedenen Braugetreidesorten für die Lammsbräu-eigene Mälzerei; 45 Prozent der Höfe halten zudem Tiere. Bei aller Verschiedenheit verbindet die EZÖB-Bauern, dass sie einem der namhaften Ökoverbände angeschlossen sind - Bioland, Naturland, Biokreis oder Demeter - und höchste Qualitätsansprüche erfüllen.

In den vergangenen 25 Jahren haben EZÖB und Lammsbräu immer wieder neue Akzente für eine zukunftsfähige Landwirtschaft gesetzt, hieß es bei der Fieerstunde: So haben etwa die heute weit verbreiteten Blühstreifen ihren Ursprung in dieser Kooperation. Kraftvoll würden beide erfolgreich gegen die Agrogentechnik kämpfen und langfristige Konzepte wie Kulturlandpläne und ein Ackerwildkräuterprojekt verfolgen.

Zu einer zukunftsfähigen Struktur gehören auch die Konsumenten. Deswegen mache die Initiative „Fair zum Bauern“ sichtbar, dass Lammsbräu pro Kiste Bier für die Braurohstoffe einen Euro mehr als andere Brauereien zahlt; das mache jährlich mehr als 500.000 Euro zusätzliches Einkommen und sichere die Zukunft bäuerlicher Bio-Familienbetriebe.
27.10.14
Neumarkt: „Revolution auf dem Acker“
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