"Neue Väter"

Von Dekan Monsignore Richard Distler

"Neue Väter braucht das Land". Dieses Schlagwort ging vor einigen Jahren durch unsere Republik. Was hat man wohl unter den "neuen Vätern" zu verstehen? Gewiss keine Patriarchen, Machos und Tyrannen. Eher schon Männer, die es verstehen, eine Familie zu führen. Männer, die ein wachsames Auge auf Frau und Kinder werfen und ihnen Schutz und Sicherheit bieten, aber auch Wärme, Zärtlichkeit und Geborgenheit.

Jahrhunderte lang gab es oft ein völlig anderes Idealbild eines Mannes und Vaters. Man sah in ihm den Krieger, Kämpfer und Verteidiger und den, der immer stark sein musste und sich keine Schwäche erlauben durfte. Darf ein Mann nicht auch mal Schwäche und Gefühle zeigen, ohne gleich als "Weichling" zu gelten? Die wirkliche Stärke eines Menschen, eines Mannes wie einer Frau, zeigt sich doch wohl eher dort, wo er Nähe und Zuwendung vor allem gegenüber den Schwächeren zeigt, als im "Draufhauen" oder in der ständigen Selbstbehauptung. Das heißt nicht, dass ein Mann und Vater auch ganz bewusst leiten und führen soll und sich Übersicht verschafft, was eine Familie braucht oder was eine Aufgabe oder eine Gemeinschaft von ihm erwartet, fordert und verlangt.

Heute, am Hochfest des hl. Josef von Nazareth fragen wir uns: Was war denn er für ein Mann und Vater? Gehört er zu den "neuen Vätern", die unser Land braucht oder spiegelt sich in ihm das überlieferte Mannesideal? Ich sehe im heiligen Josef, dem Bräutigam der Gottesmutter und dem Nähr- und Pflegevater Jesu, einen Mann und Vater, der eher ein völlig anderes Vaterbild verkörpert.

Wenn einzelne Väter oder auch Mütter heute die eigene Ehe, ihre Kinder oder die Familie, in der sie bislang lebten, verlassen, dann war es bei Josef genau umgekehrt. Er steht zu seiner jungen Familie vor allem dann, als es brenzlich und schwierig wird. Er steht sogar zu seiner jungen Braut und Frau namens Maria, als diese ein Kind erwartet, das nicht von ihm stammt, sondern ein geheimnisvolles Geschenk Gottes ist.

Gewiss hat Josef gezögert und überlegt, ob er da wirklich mitmachen kann. Ja, auch diese Bedenkzeit war notwendig und zeugt von der Echtheit, Geradlinigkeit und Aufrichtigkeit dieses Mannes und Vaters. Es war gerade die Beziehungskrise zwischen Josef und Maria, die ihn besonders wach und sensibel machte für den Anruf Gottes. Gerade in diesem kritischen Moment spricht Gott durch seinen Engel mitten hinein in die tiefste Seele des Josef. Er ringt mit sich und dem Plan Gottes und lässt sich auf ihn ein ohne Wenn und Aber. Das Gleiche passiert noch einmal, als er die junge Familie nach Ägypten in Sicherheit zu bringen hatte und dann zum dritten Mal, als es um die Rückkehr nach Israel und in seine Heimat Galiläa geht.

Immer stellt Josef seinen Mann, eben nicht als Macho, Herrscher oder gar Tyrann, sondern als der fürsorgliche, umsichtige und tatkräftige Vater. Ich denke, nicht nur das äußerst positive Bild von Maria, sondern auch das von seinem Pflegevater Josef muss in Jesus einen tiefen Eindruck hinterlassen haben. Es hat ihn stark gemacht und zutiefst geformt und geprägt. So stelle ich die Frage: "Braucht nicht gerade unser Land solche Väter und gewiss auch solch starke Mütter?"
19.03.14
Neumarkt: "Neue Väter"
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