Gedanken zum Aschermittwoch


Von Dekan Monsignore Richard Distler

Der Aschermittwoch erinnert uns an die Vergänglichkeit und Brüchigkeit unseres menschlichen Daseins. Viele kommen an diesem Tag zu den Gottesdiensten und beugen ihr Haupt, um sich das Aschenkreuz auflegen zu lassen. Dabei erinnert der Priester oder Diakon an das bekannte Wort: "Gedenke, o Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehren wirst!" Vergiss nicht o Mensch, wer du eigentlich bist. Du hast eine ungeahnte Größe in dir.

Der Mensch hat die Erde urbar gemacht und Kontinente erobert. Bald schon greift er nach den Sternen, zumindest nach benachbarten Planeten. Die Größe des Menschen begegnet uns in technischen Errungenschaften, sportlichen Höchstleistungen oder in grandiosen musikalischen Kompositionen. Aber ist der Mensch nicht oft ganz klein und recht kleinlich, wenn es ihm um sein Recht geht, um sein Geld und Gut, um Haus und Habe oder um sein Territorium, wie derzeit in der Ukraine und auf der Krim? Da beginnt der Mensch zu zählen, zu rechnen und den andern misstrauisch zu berechnen oder gar mit Waffen und Krieg zu drohen.

Besonders klein und niedrig fühlen wir uns, wenn wir mit unserer Vergänglichkeit und Sterblichkeit konfrontiert werden. Deshalb ist der Aschermittwoch etwas Heilsames. Das Aschenkreuz auf unserem Haupt bewahrt uns vor Größenwahn, es macht uns demütig und bescheiden. Es erinnert uns an unsere Grenzen und an unsere Begrenztheit und lässt uns wieder das rechte Maß für unser Leben erkennen. Ist nicht das Maßhalten, das Verzichtenkönnen und das vernünftige Fasten in unserer oft so üppigen und maßlos gewordenen Welt so etwas wie eine heilsame Medizin? Deshalb lädt uns jetzt in diesen heiligen 40 Tagen die Kirche zu besonderem Maßhalten, Verzichten und sinnvollem Fasten ein. Aber auch Krankheiten, Operationen und Therapien lehren uns das heilsame Verzichten. Da spüren wir plötzlich die Grenzen aller Größe unseres Daseins, auch die Grenzen aller Machbarkeit. Aber was tun, wenn wir unsere Ohnmacht erfahren, die der moderne Mensch eigentlich nicht mehr gewohnt ist? Was tun in aller Hoffnungslosigkeit, die kranke, schwerkranke und alte Menschen im Blick auf den Tod befallen kann? Das Erste ist, Unsere Zerbrechlichkeit und Sterblichkeit anschauen und annehmen, auch wenn es schwer fällt.

Das Zweite ist: Die Spannung aushalten zwischen unserer Größe und unserem Elend, zwischen unserer Vergänglichkeit, unserem "Zu Asche werden" und der christlichen Hoffnung auf die Auferstehung. Sagt doch der heilige Paulus im ersten Korintherbrief: "Alles Vergängliche muss mit Unvergänglichkeit und alles Verwesliche an uns Menschen muss mit Unverweslichkeit umkleidet werden". Genau darin spiegelt sich die andere Seite des Aschermittwochs: Die Asche wird in Kreuzesform aufgelegt. Es ist unser Ausschau-halten nach dem Tag der Erlösung, unser Zugehen auf Ostern, auf die Auferstehung der Toten und das ewige Leben bei Gott. Gerade dieser tröstliche Ausblick, diese unzerstörbare christliche Hoffnung hilft uns, die Tragik unserer Sterblichkeit und Vergänglichkeit überhaupt aushalten zu können.
04.03.14
Neumarkt: Gedanken zum Aschermittwoch
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