40stündiges Gebet beginnt

Von Dekan Monsignore Richard Distler

"Beten bis Dienstag". Nahezu unglaublich, dass während der fröhlichen Faschingstage in der Hofkirche zum 40-stündigen Gebet eingeladen wird. Das "Gebet der 4o Stunden", wie es ursprünglich hieß, hat eine lange Tradition in Neumarkt. Es wurde und wird heute noch von der Corpus Christi Bruderschaft getragen mit ihren 345 Mitgliedern.

Diese geistliche Gebetsgemeinschaft zur tieferen Verehrung des heiligen Altarsakraments entstand in einer Zeit großer politischer und religiöser Wirren mitten im 30-jährigen Krieg am 12. März 1628. Nachdem in der Stadt die Zeit der calvinistisch-protestantischen Herrschaft durch Kurfürst Maximilian von Bayern und General Graf Tilly beendet wurde, kam das katholische Leben zu neuer Blüte. Dazu holte der Kurfürst zunächst die Jesuiten und dann die Kapuziner in die Stadt. Diese waren eifrige Seelsorger. Durch häufige Predigten, Katechesen, Krankendienst, Beichtseelsorge, Andachten und das geistliche Mysterienspiel der Passion Christi gewannen sie die Herzen der Menschen wieder für den katholischen Glauben. Eine besondere Bedeutung hatte dabei die Corpus Christi Bruderschaft. Ihr oblag vor allem die Verehrung der heiligen Eucharistie und die Wiedereinführung der Fronleichnamsprozession.

Zu einem zweiten geistlichen Anschub kam es im Jahr 1733 durch die Stiftung des 10-stündigen Gebets am Allerseelensonntag und des 40-stündigen Gebets an den Fastnachtstagen. Dieses wurde in der extra geschmückten Hofkirche wie ein Triduum, also als eine Drei-Tage-Feier vor der Beginn der Fastenzeit im Blick auf das Österliche Triduum begangen. Der honorige Stifter war der Neumarkter Stadtarzt Dr. Dominikus Fasing. "Seine Stiftungen waren edel, groß und für die Ewigkeit berechnet, er wollte nicht seiner Zeit, sondern auch der fernsten Zukunft dienen", so würdigt ihn Pfarrer M. Romstöck, der bekannte Neumarkter Heimatforscher. Dr. Fasing stiftete auch die wunderschöne Monstranz der Hofkirche aus einer Augsburger Goldschmiedewerkstätte, einen barocken Kreuzpartikel, einen Kelch und die 4 holzgeschnitzten Evangelistenfiguren auf dem Fronleichnamshimmel, der noch heute Verwendung bei den Prozessionen findet.

Auf dem Grabstein von Dr. Fasing bei der St. Johanneskirche ist der Vers zu lesen: "Das Gebet zu 40 Stunden heilt so manche Seelenwunden". Es geht also bei diesem "Beten bis Dienstag" nicht um ein "Gegenbeten gegen den Fasching", sondern um geistlichen Gewinn und um die Vertiefung der Beziehung zu Christus, der im Altarsakrament gegenwärtig ist. Auch heute kann jeder Katholik, Männer wie Frauen oder Jugendlicher der Gemeinschaft der Corpus Christi Bruderschaft beitreten bei einem Jahresbeitrag von nur 2.-Euro. Die Einkünfte werden bei Bedarf für die Renovierung und Restaurierung liturgischer Gewänder und Geräte verwendet. Für jedes verstorbene Mitglied wird eine Seelenmesse gefeiert. Gerade in einer Zeit, wie der unseren, in der das Materielle eine immer größere Rolle spielt, erinnert uns das 40-stündige Gebet daran, welch verborgene innere Kräfte das Beten wecken und verleihen kann.

NB: Die Betstunden sind am Sonntag von 12.oo-18.oo, am Montag von 10.00-18.oo und am Dienstag von 10.00-15.00, dann ist die Feierliche Schlussandacht mit der Festpredigt von Domkapitular Monsignore Paul Schmidt, Eichstätt. Die Betstunden werden eingeleitet durch 3 festliche Gottesdienste zu Ehren der hl. Eucharistie, jeden Tag um 9.00 Uhr
01.03.14
Neumarkt: 40stündiges Gebet beginnt
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