Stromautobahn "überflüssig"


Auch das Fernsehen berichtete von der "Trassenkonferenz" in Pegnitz

NEUMARKT. Eine Süd-Ost-Gleichstromtrasse ist "völlig überflüssig", sagten Fachleute bei einer "Trassenkonferenz" in Pegnitz, an der auch zahlreiche Mitglieder von Bürgerinitiativen aus dem Landkreis Neumarkt teilnahmen.

Zahlreiche Wissenschaftler, Abgeordnete, Vertreter der Bürgerinitiativen aus ganz Bayern, Landräte, Bürgermeister, Kommunalpolitiker und Medienvertreter waren am Montagabend der Einladung des Pegnitzer Bürgermeisters Uwe Raab gefolgt und kamen in die Wiesweiherhalle zur "Stromtrassenkonferenz Süd-Ost". Auch Prof. Franz Walter vom "Institut für Demokratieforschung der Universität Göttingen" war zu der hochkarätig besetzten Veranstaltung eingeladen worden.


Bei der Trassenkonferenz in Pegnitz solidarisierte sich der
Wissenschaftler Prof. Dr. Christian von Hirschhausen mit der
Bürgerinitiative "Trassenwahn 17.01", die ihm ein Tshirt
überreichte. An einem Vortrag vor zwei Wochen hatte er einen
Vertreter der Bürgerinitiative darauf angesprochen, dass er sich
über ein solches Tshirt freuen würde. Sieglinde Hampel, Bastian
Fürst und Daniela Wehner überreichten ihm am Montagabend
prompt eines.
Der Infrastrukturforscher Christian von Hirschhausen bezeichnete die Gleichstrompassage Süd-Ost als völlig überflüssig. Die Thesen des Professors vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin: Die Trasse sei eine Leitung für Braunkohlestrom, und die Versorgungssicherheit in Bayern sei ohne die Trasse auch nach Abschaltung des letzten Kernkraftwerkes im Jahr 2022 keineswegs in Gefahr.

Auch zur Basis des Gesetzgebungsverfahrens und der Kenntnisse der Bundestagsabgeordneten, welche die Stromtrasse gesetzlich vorgegeben haben, äußerte sich der renomierte Wissenschaftler aus der Bundeshauptstadt unmißverständlich: "Es gibt keinen einzigen Bundestagsabgeordneten, der auch nur die entfernteste Ahnung hätte, was da gerechnet wurde". Denn, so von Hirschhausen: "Diese Daten stehen nicht zur Verfügung."

Von Andrea Hennecken, Fachanwältin für Verwaltungsrecht, erfuhren die Teilnehmer der Konferenz, dass es bei Gleichstrom keine Grenzwerte für elektrische Felder gebe und Nordrhein-Westfalen einen "Abstandserlass NRW" von Stromtrassen zur Wohnbebauung habe. Einen "Abstandserlass Bayern" hingegen gebe es nicht.

Ab sofort liegen die Pläne zum Bau der Gleichstrompassage Süd-Ost auf Eis. Der Netzbetreiber Amprion hat mitgeteilt, den "Antrag auf Bundesfachplanung" für die Gleichstrompassage Süd-Ost bis auf weiteres nicht stellen. Der Antrag auf Bundesfachplanung wäre der erste Schritt im Planverfahren für die Stromautobahn gewesen.

Dieses "Verzögern der Fachplanung - so die Einschätzung von Bürgermeister Helmut Himmler aus der Gemeinde Berg - sei durch Einflußnahme der Politik zustande gekommen und habe letztlich nur die Bedeutung, das für die politische Klasse unangenehme Thema über die Kommunalwahlen, die Europawahl im Mai sowie die Landtagswahl in Thüringen im Herbst zu schieben. Prof. Hirschhausen meinte hierzu in Pegnitz, dass man sich auf einen etwa dreijährigen Prozess einstellen müsse, bis definitiv über die Gleichstrompassage Süd-Ost entschieden werde.

Einstimmig wurde von den Konferenzteilnehmern beschlossen, die nicht erforderliche Gleichstromtrasse zu verhindern. Die vermeintliche Alternative einer Erdverlegung der Stromleitung stelle sich daher gegenwärtig nicht. Diskutiert wurde auch die erforderliche Organisation der Bürgerinitiativen für die Zeit der Auseinandersetzung. "Gemeinsam sind wir eine Macht!" - so Bürgermeister Raab in seinem mit großen Beifall bedachten Schlußwort.


Auch Mitglieder der Bürgerinitiative aus Berg waren nach Pegnitz gekommen
25.02.14
Neumarkt: Stromautobahn "überflüssig"
Telefon Redaktion


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