Stromtrasse: viel Gegenwind


Protest gegen die geplante Stromtrasse: auch im kleinen Ort Kettenbach formierte sich spontaner Protest

NEUMARKT. Ob der "kleine Saal" der Nürnberger Meistersingerhalle reichen wird ? Aus dem Landkreis Neumarkt kommt ein Protest-Sturm auf die Planer der Stromtrasse zu.

"Stromtrassenwahnsinn" ist noch einer der druckreifen Begriffe, die bei Versammlungen in zahlreichen Orten des Landkreises zu hören sind.

Nachdem neumarktonline über die Pläne berichtet hat, möglicherweise eine Gleichstomtrasse durch den Landkreis Neumarkt zu bauen (Bericht hier), formierte sich innerhalb weniger Tage der Widerstand: Bürgermeister aller politischer Parteien und der Landrat haben erbitterten Protest angekündigt (wir berichteten), Anlieger, Bauernverband und "ganz normale" Bürger sind stocksauer.

Live-Übertragung

NEUMARKT. Auch in Postbauer-Heng regt sich Widerstand gegen die geplante Stromtrasse.

Wie Bürgermeister Horst Kratzer mitteilte, will das Bayerische Fernsehen am nächsten Dienstag in Postbauer-Heng eine Live-Übertragung für die BR-Abendschau durchführen.

Außerdem wird eine Unterschriftenliste gegen die Trassen-Planungen vorbereitet.
Besonders verärgert ist man auch, daß die möglichen Bauherren nicht einmal in den Landkreis kommen: "Informations-Veranstaltungen" sind in Kulmbach, Nürnberg und Donauwörth geplant. Die Firma "Amprion" muß sich darauf einrichten, daß ihr ein heftiger oberpfälzer Gegenwind direkt ins Gesicht weht, wenn sie am 29. Januar in die Meistersingerhalle zur Info-Veranstaltung einlädt. Vereine, Verbände und Parteien haben schon kostenlose Busse für Protestierer gechartert, Einzelpersonen bieten Mitfahrgelegenheiten in die Noris an.

Die geplante Gleichstromtrasse von Sachsen in den Süden Bayerns, die viele Gemeinden und Ortschaften im Landkreis Neumarkt direkt durchqzeren würde, war auch der Grund für eine von den Bewohnern organsierten Bürgerversammlung in Kettenbach in der Gemeinde Berg.

Nahezu aus jeder Familie aus Kettenbach, aus den Nachbardörfern und auch der Nachbargemeinde Postbauer-Heng kamen besorgte Bürger, um sich zu beraten. "Fakt" sei, dass man diese Planungen so nicht hinnehmen werde, hieß es. Einig war man sich, dass vielen Bürgern die Dimensionen dieser Trasse noch gar nicht wirklich bewusst sind. Es handelt sich bei der geplanten Stromtrasse um ein Pilotvorhaben, die Mastenhöhen werden nach Angaben des Netzplaners Amprion um die 70 Meter Höhe betragen. "Vergleichbar ist dies mit etwa drei übereinander gestapelten Baukränen oder der Höhe der Kirche St. Johannes in Neumarkt", hieß es bei der Zusammenkunft.

Nicht nachvollziehbar sei außerdem die Trassenführung, die sich in einem "scheinbar willkürlichen Zickzackkurs" von Ost nach Süd bewegt. "Die Zerstörung des Landschaftsbildes ist so nicht hinnehmbar. Bisher geltende gesetzliche Regularien werden bei der geplanten Trassenführung wie es scheint völlig außer Acht gelassen", hieß es in Kettenbach. So würden nach den Plänen auch Schneisen in Landschaftsschutzgebiete geschnitten und sogar Naturschutzgebiete überquert. Auch anderer wertvoller Lebensraum und die Heimat von tausenden Bürgern werde unwiderruflich zerstört.

Auch gesundheitliche Gefährdungen für den Menschen könnten von den Strommasten ausgehen, hieß es bei der Bürgerversammlung. So gäbe es Untersuchungen, dass Leukämieerkrankungen bei Kindern neben Hochspannungstrassen statistisch häufiger auftrete. Auch weitere gesundheitliche Auswirkungen seien veröffentlicht.

Weiter könne man bei den "zunehmenden orkanartigen Stürmen" davon ausgehen, dass die Standsicherheit dieser Anlagen nicht gegeben sein wird, befürchtet man in Kettenbach.

Die Bürger von Kettenbach und den Nachbardörfern haben sich nun zusammengeschlossen. Man werde entschieden Widerstand gegen die Planung und Ausführung der Trasse leisten. Außerdem will man sich mit anderen Interessensgemeinschaften organisieren. Geplant ist auch eine Austauschplattform, die gemeinsame Maßnahmen organisiert.

In Frage gestellt werden müsse auch die Sinnhaftigkeit dieses Projekt. Vielmehr müßten dezentrale Versorgungskonzepte forciert werden. Nicht nur im Landkreis Neumarkt habe man gezeigt, dass dies möglich ist. Derzeit seien hier bereits mehr als 60 Prozent der Stromerzeugung auf regenerative Erzeugung vor Ort zurückzuführen.
24.01.14
Neumarkt: Stromtrasse: viel Gegenwind
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