Kraniche über Neumarkt


Auch über Neumarkt beobachtet: Kraniche auf dem Weg zu den Winterquartieren
Foto: Hans Clausen
NEUMARKT. Kraniche am Himmel über Neumarkt - was vor kurzem noch nahezu unmöglich schien, wurde am ersten Novemberwochenende für zahlreiche Naturfreunde zum Beobachtungserlebnis der besonderen Art.

Markus Erlwein vom Landesbund für Vogelschutz bestätigte gegenüber neumarktonline, daß die eigentlich am oberpfälzischen Himmel recht seltenen Vögel am Wochenende in größeren Scharen auf der Strecke zwischen Neumarkt und Hilpoltstein beobachtet wurden.

Auf dem Flug in ihr Winterquartier wurden in Bayern erstmals über 8000 Kraniche an einem Tag gezählt, hieß es. Dabei zogen die großen Vögel vor allem über Südbayern aber auch über Teile Nordbayerns hinweg. So scheint sich der Trend der vergangenen Jahre fortzusetzen, dass auf dem Herbstzug weiterhin steigenden Zahlen des "Vogels des Glücks" zu beobachten sind. Wie der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) meldet, wurden diesmal die meisten Kraniche entlang der Donau und vor allem entlang der Isar nach Westen, Südwesten und Süden gesichtet, was auf eine neu entstandene Zugroute hindeutet.

Eine der traditionellen Zugrouten der Kraniche verläuft quer durch Deutschland. Sie reicht von den großen Rastplätzen in Nordostdeutschland über Hessen und weiter Richtung Südwesten. "Bei entsprechender Wetterlage werden auch immer wieder Kranichtrupps nach Osten verschoben. Aufgrund der zunehmenden Gesamtpopulation überfliegen daher immer mehr Vögel auch Teile Nordbayerns", erklärt die LBV-Kranichexpertin Dr. Miriam Hansbauer, die auch den Fachvorstand des Kranichschutz Deutschlands in Bayern vertritt.

Seit drei Jahren steigen aber auch die Zahlen von Kranichen, die von Anfang bis Mitte November entlang und südlich der Donau ziehen, bevor sie am Nordrand der Alpen weiter nach Westen fliegen. Waren es 2011 noch über den gesamten Herbstzug verteilt in ganz Bayern etwa 5000 Vögel, wurde diese Zahl 2012 schon alleine an sechs Tagen und nur südlich der Donau beobachtet. Heuer wurden allein am 1. November über 8000 Kraniche südlich der Donau gemeldet. "Die sich offensichtlich neu etablierende Zugroute über Südbayern wird nach bisherigen Erkenntnissen von Kranichen aus Osteuropa genutzt. 2012 konnte dies anhand von Beobachtungen internationaler Kollegen und der Auswertung von Wetterdaten nachgewiesen werden", so Hansbauer weiter.

Nachdem die Kraniche Bayern überquert haben, fliegen sie weiter nach Südwesten, über Baden-Württemberg und die Schweiz, entlang des Nordrandes der Alpen, um schließlich in Südfrankreich anzukommen. Im Rhone-Delta und vor allem an der Atlantikküste befinden sich traditionelle Rastplätze, wo die Kraniche Energiereserven auftanken können, bevor sie die Pyrenäen überqueren.

Aufgrund von inzwischen drei Jahrzehnten währenden Schutzbemühungen in ganz Europa, wie vor allem die Renaturierung der Bruthabitate und die Unterschutzstellung von Rastgebieten konnten sich die Zahlen des Graukranichs (Grus grus) in Europa erholen. "Heute leben in Deutschland über 8.000 Brutpaare und die Ausbreitung des Kranichs findet auch immer weiter Richtung Bayern statt, so dass wir uns inzwischen sogar über mindestens sieben bayerische Brutpaare freuen können", berichtet Miriam Hansbauer weiter.
07.11.13
Neumarkt: Kraniche über Neumarkt
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