Niedriglohn weit verbreitet


Viele "Niedriglöhner" können sich nach Gewerkschafts-Angaben
nur Billigprodukte leisten
NEUMARKT. 13.780 Menschen arbeiten im Landkreis Neumarkt für einen Niedriglohn, heißt es in einer Berechnung der Gewerkschaft Verdi.

Die von Verdi genannten 13.780 Landkreis-Bürger verdienen weniger als 8,50 Euro pro Stunde. Das ist das Ergebnis einer Studie des Pestel-Instituts in Hannover. Die Wissenschaftler haben darüber hinaus untersucht, welche positiven Effekte ein gesetzlicher Mindestlohn für die heimische Wirtschaft hätte: "Die Kaufkraft im Landkreis Neumarkt würde um 26,2 Millionen Euro pro Jahr steigen. Vorausgesetzt, jeder Beschäftigte verdient künftig mindestens 8,50 Euro pro Stunde", sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut. Der Leiter der Mindestlohn-Studie erwartet, dass der Zuwachs an Kaufkraft nahezu eins zu eins in den Konsum gehen würde.

Für die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sind die Ergebnisse der Studie ein klares Argument für die sofortige Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes von 8,50 Euro. Beide Gewerkschaften hatten die Untersuchung in Auftrag gegeben. "Wer den ganzen Tag arbeitet, muss mit dem, was er verdient, auch klarkommen können. Das klappt aber nicht, wenn Dumpinglöhne gezahlt werden. Und ein Dumpinglohn ist alles unter 8,50 Euro pro Stunde", sagt der Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Oberpfalz, Alexander Gröbner.

Niedriglöhner seien gezwungen, kürzer zu treten und Verzicht zu üben. "Sie können am Leben nicht richtig teilnehmen. Das fängt schon beim Bus- und Bahnticket an. Für Ausflüge und selbst für Verwandtenbesuche reicht das Geld oft nicht. Genauso wie fürs Kino oder Schwimmbad", sagt Alexander Gröbner. Ein Niedriglohn bedeute automatisch "eine Lebensqualität dritter Klasse".

Das zeige sich ganz besonders beim Einkauf: "Wer von einem Niedriglohn lebt, für den sind die Käse- und die Frischfleischtheke im Supermarkt tabu. Bei Lebensmitteln kommen dann nur Sonderangebote und Billigprodukte in Frage. Am besten reduzierte Ware: Zweite-Wahl-Produkte oder Sachen kurz vor dem Ablaufdatum. Geringverdiener sind gezwungen, jeden Cent zweimal umzudrehen", sagt die Geschäftsführerin der NGG-Region Nürnberg-Fürth, Regina Schleser.

NGG und Verdi werfen Lohndumping-Arbeitgebern vor, sie würden sich ihre "Geiz-Löhne" vom Steuerzahler subventionieren lassen. "Nämlich dann, wenn Menschen einen sozialversicherungspflichtigen Teilzeit- oder Vollzeitjob haben, aber so wenig verdienen, dass der Staat mit Hartz IV drauflegen muss. Das ist dann quasi staatlich subventioniertes Lohndumping. Solche Arbeitgeber sind schlichtweg unanständig", so Regina Schleser.

Heftige Kritik üben Verdi und NGG auch an der schwarz-gelben Bundesregierung: "CDU/CSU und FDP sind die Mindestlohn-Bremsen".

NGG und Verdi appellierten an alle Beschäftigten, die im Landkreis Neumarkt zu einem Niedriglohn arbeiten, diesen online beim Dumpinglohnmelder anzuzeigen. Die beiden Gewerkschaften wollen so noch vor der Bundestagswahl die "Deutschland-Billiglohn-Landkarte" vervollständigen.
10.07.13
Neumarkt: Niedriglohn weit verbreitet
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