"Ein ganz Großer"

Von Dekan Monsignore Richard Distler

Unzählige Kirchen sind ihm geweiht, vor allem Taufkirchen und frühe Pfarrkirchen, so auch bei uns in Neumarkt. Vor Johannes der Täufer hatte selbst Jesus einen hohen Respekt und er spricht gar davon, dass er ein ganz Großer und ein heiliger Mann sei. Ein weiterer Grund seiner hohen Verehrung war die Tatsache, dass man seine Geburt vom Geburtstag Jesu ableiten konnte. "Elisabeth ist schon im 6.Monat", so verweist der Engel Gabriel auf die Schwangerschaft der Elisabeth, der Mutter des Johannes. Deshalb wurde sein Namenstag auf den 24.Juni, also 6 Monate vor Weihnachten festgelegt. Das Fest seiner Geburt wird schon im Jahr 605 bei der Synode von Agde genannt. In Rom feierte man das Johannesfest – ähnlich wie Weihnachten – mit drei unterschiedlichen Messen und Evangelien bei der Vigil, die es heute noch gibt, die zweite in der Nacht und die dritte Messe am Morgen des Festtags selber.

Aber ein Heiligenfest in der katholischen Kirche ist mehr als nur die Feier der Liturgie. Da geht es vor allem um die prägende Kraft des Johannes, nach dem unzählige Buben benannt wurden, und seine Bedeutung für die ganze Kirche. Johannes gilt als der Vorläufer Jesu, als der Mann, der dem kommenden Messias die Wege bereitet. Diese Aufgabe war für ihn eine prophetische. Da war er ein Mann deutlicher und oft sogar harter Worte: "Schon ist die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt und wenn der Messias kommt, wird er die Spreu vom Weizen trennen". Das ist harte Gerichtsrede und klare Sprache.

Als Voraussetzung, um dem kommenden Gericht zu entgehen, nennt Johannes die "Metanoia", das Umdenken und die Umkehr. Auch Jesus spricht von der Umkehr, nicht aber, um den Menschen Angst zu machen, sondern um sie für das Reich Gottes, für das Himmelreich zu gewinnen. Wenn auch hart in der Sprache, war Johannes doch ein einfacher und selbstloser Mensch. Er spricht davon, dass er selber abnehmen, jener aber, Jesus, der Messias, wachsen müsse. Seine eigenen Jünger verweist er direkt auf Jesus mit dem bekannten Wort, das auch vor der Kommunion gesprochen wird: "Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt!"

Diese selbstlose Haltung muss den Maler Matthias Grünewald besonders beeindruckt haben, als er die berühmte Kreuzesdarstellung des Isenheimer Altares schuf. Eine beeindruckende Kopie davon findet sich in der rechten Seitenkapelle beim Eingang in der St. Johannes Kirche. Da verweist Johannes mit dem berühmten Zeigefinger von sich weg auf den Messias am Kreuz, auf den Retter aller.

Genauso sieht ihn auch die Kirche als einen selbstlosen Mann mit Charaktergröße, mit Glaubwürdigkeit und persönlicher Lauterkeit. Aus dieser Haltung heraus wagte Johannes damals gar die öffentliche Kritik an den religiösen Führern und am König Herodes. Doch sein Appell: "Es ist dir nicht erlaubt, die Frau deines Bruders als deine Frau zu nehmen", kostete ihm Gefängnis und zuletzt die Enthauptung. Johannes, ein mutiger Mann und doch persönlich ganz integer. Solche Menschen könnten auch heute viel bewegen in der Kirche und in der Gesellschaft. Es sind Menschen, die den Finger auf die Wunden legen und die selber Kritik aushalten können, weil ihr Herz ganz klar, wahr und rein ist vor Gott und den Menschen.
23.06.13
Neumarkt: "Ein ganz Großer"
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